„Der kleine Spatz vom Bosporus“
Neues Theaterstück im Pumpenhaus

Münster -

Tuğsal Moğul, münsterischer Arzt, Autor, Schauspieler und Regisseur, hat ein neues Theaterstück geschrieben. „Der kleine Spatz vom Bosporus“ ist im Pumpenhaus zu sehen. Eine Tournee durch die Türkei ist in Planung.

Samstag, 29.09.2018, 12:00 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 29.09.2018, 12:00 Uhr
„Der kleine Spatz vom Bosporus“ heißt das Theaterstück, das Tuğsal Moğul entworfen hat. Es ist derzeit im Pumpenhaus zu sehen, eine Tournee durch die Türkei ist in Planung.
„Der kleine Spatz vom Bosporus“ heißt das Theaterstück, das Tuğsal Moğul entworfen hat. Es ist derzeit im Pumpenhaus zu sehen, eine Tournee durch die Türkei ist in Planung. Foto: Franziska von Schmeling

Selma ist auf der Suche. Nach ihren Wurzeln. Nach ihrem Vater. Vor allem auch nach sich selbst. Es ist eine rasante Achterbahn der Gefühle, über die sie schlingert – mal neugierig, mal mutig, manchmal traurig, dann wieder stolz. Und das Publikum, so hofft  Tuğsal Moğul, lockt sie dabei mit.

Sie – das ist „Der kleine Spatz vom Bosporus“. So heißt das neue Stück, das der münsterische Arzt, Autor, Schauspieler und Regisseur geschrieben hat. Ein spannender Blick hinter die Kulissen einer Familiengeschichte, die zunächst den Bogen zwischen Ost- und West-Berlin schlägt, am Ende aber noch weit darüber hinaus in die Türkei reicht.

Heimliches Doppelleben

Denn Mehmet, Selmas Vater, ist Türke. Er lebt in den 70er-Jahren in West-Berlin, verliebt sich im Ostteil der Stadt in Gudrun.  Selma wird geboren – das  Glück scheint perfekt. Was Gudrun nicht ahnt: Im Westen hat Mehmet noch eine Familie, eine Frau und zwei Kinder, die dem damaligen Gastarbeiter aus der Türkei nach Deutschland gefolgt sind. Als die Mauer fällt, bedeutet dies auch das Ende seines Doppellebens.

Er geht endgültig zurück in die Türkei, Gudrun, tief enttäuscht, unterbindet jeden Kontakt des Vaters zu seiner Tochter. Selma bleibt nur seine geliebte Schallplattensammlung – diese türkischen Lieder sind wie ein unsichtbares Band zwischen Vater und Tochter. Nach dem Tod der Mutter findet Selma deren Tagebuch – und sie taucht ein in die Vergangenheit. Der Gedanke, ihren Vater zu finden, lässt sie nicht mehr los.

Tuğsal Moğul

Tuğsal Moğul Foto: pd

Lebensgeschichten wie diese, so erzählt Tuğsal Moğul, hat er schon viele gehört. Als er in Berlin gearbeitet hat zum Beispiel, aber auch bei seinen Besuchen in der Türkei: „Menschliche Schicksale, aber auch  ein vielfach ganz unbekanntes Kapitel deutsch-türkischer Geschichte.“

Musikalisch geprägtes Werk

Umgesetzt hat er Selmas Suche nicht als Schauspiel – entstanden ist vielmehr ein Werk, das musikalisch geprägt ist. Die Hauptrolle spielt die Musik von Sezen Aksu , der türkischen Pop-Diva schlechthin: „Sie wird in der Türkei gefeiert wie anderswo Madonna.“ Jeder kenne sie als „Spatz vom Bosporus“.

„Ihre Lieder habe ich schon mit meiner Oma gesungen“, schmunzelt Tuğsal Moğul. Und bedauert, dass die Großmutter dieses Theaterstück nicht mehr erleben kann. „Es hätte ihr bestimmt gefallen.“

Türkische Sprache als Herausforderung

Umso mehr aber freut er sich, dass er in Christiane Hagedorn eine Künstlerin gefunden hat, die als Schauspielerin und Sängerin die Musik und die Lieder von Sezen Aksu „wunderbar darbietet“. Gerade in türkischer Sprache eine Herausforderung, findet Tuğsal Moğul, der als Sohn türkischer Eltern in Beckum geboren und aufgewachsen ist.

Er selbst hat die eigenen türkischen Sprachkünste zuletzt noch vor Ort in Istanbul verbessert. Als Stipendiat des Goethe-Institutes und des Auswärtigen Amtes hatte er drei Monate Gelegenheit, Kontakte und Zusammenarbeit mit türkischen Künstlern aufzubauen und zu intensivieren.

Tournee durch die Türkei geplant

Ein ganz besonderes Erlebnis sei die Einladung zum 1. Internationalen Theaterfestival in Pergamon gewesen. Dort habe „Der kleine Spatz vom Bosporus“ so große Resonanz und Beifall gefunden, dass schon eine Tournee durch die Türkei in Planung sei. Und auch Gastspiele in den Benelux-Ländern stehen auf der Agenda.

Vorher aber können die Münsteraner den kleinen Spatz vom Bosporus erleben. Er „fliegt und zwitschert“ an sechs Abenden durch das Pumpenhaus – und begleitet Selma auf der Suche nach ihrem Vater. Ob es ein Happy-End gibt? Tuğsal Moğul zwinkert geheimnisvoll und lacht. Das lässt doch hoffen…

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„Der kleine Spatz vom Bosporus“ wird am 5., 6. und 7. Oktober aufgeführt, außerdem am 30. November, 1. und 2. Dezember. Beginn ist jeweils um 20 Uhr im Theater Pumpenhaus, Gartenstraße. Karten gibt es unter www.pumpenhaus.de und unter Telefon 0251/233 443.

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