Ein Stück münsterischer Chor-Geschichte verstummt
Cäcilia-Chor hört nach 163 Jahren auf

Münster -

Der Cäcilia-Chor gehört zu den ältesten Chören Münsters – er wurde 1855 gegründet. Als reiner Männerchor. Beim Abschiedskonzert sah man unter neun Damen nur zwei Herren der Schöpfung. Jetzt löst sich der Chor ganz auf. Ein Abschied nach 163 Jahren des Musizierens.

Samstag, 13.10.2018, 17:00 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 13.10.2018, 17:00 Uhr
Einst reiner Männergesangverein, heute fast ein Damenchor: Die neun Damen und zwei Herren machten mit Leiter Sven Leimann am Klavier Stimmung mit Besinnlichem oder auch Schlagern.
Einst reiner Männergesangverein, heute fast ein Damenchor: Die neun Damen und zwei Herren machten mit Leiter Sven Leimann am Klavier Stimmung mit Besinnlichem oder auch Schlagern. Foto: -zin-

Es ist fast zu wenig, von einer „Ära“ des Cäcilia-Chors Münster zu sprechen – denn die Bezeichnung kommt bereits zum Einsatz, wenn ein Musiker nach etwa zehn Jahren sein Amt wechselt. Der Cäcilia-Chor aber gehört zu den ältesten Chör en Münsters – er wurde 1855 gegründet. Als reiner Männerchor. Beim Abschiedskonzert der einst ausschließlich männlichen Sängerschaft sah man am Donnerstagabend unter neun Damen nur zwei Herren der Schöpfung. Ein Abschied nach 163 Jahren des Musizierens.

Ausgesucht worden war das Perthes-Altenheim nicht zufällig: Dort verbringt die ehemalige Mitsängerin Hertha Reimers ihren Lebensabend. Da sie an diesem Nachmittag die zweite Etage nicht verlassen konnte, um dem Konzert im Erdgeschoss zu lauschen, begab sich der Chor kurzerhand hinauf und brachte Hertha Reimers ihr ganz persönliches Ständchen.

Nach der Gründung schnell über 100 Mitglieder

Manch ein Chormitglied wurde sicher von etwas Wehmut befallen. Immerhin war der ständig steigende Altersdurchschnitt ein Grund, dem Konzertieren Lebewohl zu sagen. Ein Altersdurchschnitt, der sich auch in der Senioren-Zuhörerschaft wiederfand. So gering die Mitgliederzahl von elf Leuten am Ende auch ist, so hoch ist sie einst gewesen. In den ersten Jahren nach der Gründung 1855 war sie rasch auf über 100 Sänger gewachsen – eine Institution in Münster, wie der Chor es stolz formuliert.

Es dauerte allerdings noch bis zum Jahr 1968, dass die Sängerschaft sich weiblichen Mitgliedern öffnete. Aus dem Männergesangverein Cäcilia wurde der „Cäcilia-Chor von 1855 Münster e. V.“. Ob die gesellschaftlichen Umbrüche, die studentischen Proteste dieser Zeit ihr Scherflein dazu beigetragen hatten? Jedenfalls war es eine Zeit des Aufbruchs, und Gerda Kötter war bereits damals als Gründungsmitglied dabei. Lange Jahre war sie Vorsitzende und blieb aktiv bis zu diesem letzten Nachmittagskonzert im Perthes-Heim.

Unterstützung aus Holland und von der Bundeswehr

Sie erlebte also auch die Aufbauarbeit mit, welche Fritz Böllert, damals Chor­direktor der Städtischen Bühnen, seinerzeit leistete. Dazu gehörte auch die Wiederaufnahme der Schlossgartenkonzerte, die der Chor bereits vor dem Zweiten Weltkrieg veranstaltet hatte. Nun mit Schützenhilfe von niederländischen Kapellen, Bundeswehrmusikern oder Jugend-Blasorchestern. Zur Tradition gehören auch Konzerte bei Sommerfesten oder in Krankenhäusern. Oder eben in Senioren-Einrichtungen, wie nun im Perthes-Heim.

Und es war schon verblüffend, wie viel Heiterkeit der Chorleiter Sven Leimann aus den gereiften Kehlen hervorzauberte. Bereits das einleitende Segenslied „Möge die Straße“ sprudelte vor Übermut. Dazu passte die Moderation, die Klassiker von Heinz Erhardt einflocht – der übrigens auch Musiker war. Sicher erkannte auch manch eine und einer den alten Schlager „Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln geh’n“. Chöre mögen altern, viele Stücke aber sind Evergreens.

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