Die Erinnerung wachhalten
Interview mit Stadtheimatpfleger: Heimatbegriffe und „Vivat Pax!“

Münster -

Was ist Heimat? Und ist Heimat für jeden dasselbe? Bevor am Samstag das Historienspiel „Vivat Pax!“ im Rathausinnenhof aufgeführt wird, hat unser Mitarbeiter Arndt Zinkant mit Stadtheimatpfleger Heinz Heidbrink über Heimatbegriffe gesprochen.

Samstag, 13.10.2018, 12:00 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 13.10.2018, 12:00 Uhr
Heinz Heidbrink zeigt vor dem historischen Torhaus, der Geschäftsstelle des Stadtheimatbundes, die „Pest“ – eine der Masken, die im Historienspiel „Vivat Pax!“ Verwendung finden.
Heinz Heidbrink zeigt vor dem historischen Torhaus, der Geschäftsstelle des Stadtheimatbundes, die „Pest“ – eine der Masken, die im Historienspiel „Vivat Pax!“ Verwendung finden. Foto: Arndt Zinkant

Am Samstag findet im Rathausinnenhof einmal mehr das Theaterspektakel „Vivat Pax!“ statt. 1998, zum 350. Jubiläum des Westfälischen Friedens, wurde es erstmals vom Stadtheimatbund auf die Beine gestellt. Seit 2017 gibt es eine neue Inszenierung, die den Blick aufs einfache Volk richtet. Unser Mitarbeiter Arndt Zinkant sprach darüber mit Stadtheimatpfleger Heinz Heidbrink – und über den schwierigen, komplexen Begriff „Heimat“.

Wie würden Sie als Experte den Begriff „Heimat“ definieren?

Heinz Heidbrink: Für mich ist jeder Heimatbegriff individuell, Heimat ist mehr als ein Gefühl, es können die Dimensionen eines geografischen Ortes oder einer Gruppe von Menschen oder auch möglicherweise von Gerüchen hinzutreten. Dazu muss ich meinen inneren Frieden finden, um Heimat zu empfinden. Mein Vater hatte zum Beispiel eine Schuhmacherwerkstatt, und immer, wenn ich diesen spezifischen Werkstattgeruch wahrnehme, ist das für mich Heimat.

Wir haben neuerdings in NRW ein Heimatministerium. Man könnte glauben, dass das Thema ein Pro­blemfall ist.

Heidbrink: Ich sehe da in der Tat einen Bedarf, nämlich gleiche Entwicklungsmöglichkeiten und Lebensverhältnisse im Land zu schaffen. Menschen können das Gefühl haben, aus der Heimat vertrieben zu werden – nicht physisch wie Flüchtlinge, sondern eher als Vertreibung aus dem Vertrauten: In ländlichen Regionen kann es der Wegzug junger Menschen sein, weil es keine Arbeit vor Ort gibt, weil kein Laden mehr da ist, die letzte Kneipe dichtmacht. In Ballungsräumen ist es wieder anders: Da kann es die Sorge vor Straßenkriminalität oder vor Einbrüchen sein, vor Terrorgefahr (siehe Kiepenkerl), Sorge vor zu hohen Mieten, die die Menschen bedrücken. Diese Trends können als Vertreibung aus den Paradiesen erlebt werden.

Es heißt offiziell: „Der Stadtheimatbund steht für eine Heimat, die einlädt und nicht ausgrenzt.“ Sind da wirklich alle eingeladen?

Heidbrink: Wir sind so optimistisch und werden sicherlich keine Grenzen ziehen.

Sehen Sie da keinen Widerspruch – einerseits Heimat bewahren, andererseits jeden einbeziehen, der eine andere Heimat hat?

Heidbrink: Der Heimatbegriff ist vielfältig, individuell zugleich. Ich sehe es als Bereicherung, wenn z. B. Menschen mit Migrationshintergrund ihre persönliche Vorstellung von Heimat bei uns einbringen. So geschieht es etwa beim Friedensmahl im Rathaus-Innenhof. Auch hierzulande gibt es verschiedene Themen der Heimatpflege: Das kann auf einem Heimathof eine bäuerliche Tradition sein, eine künstlerische, wie die Mecklenbecker das mit der Modersohn-Forschung machen, oder eine theologische-philosophische Tradition, wie die Angelmodder sie im Gallitzinhaus pflegen. Heimatliche Schätze zu bewahren, ist kein Selbstzweck, sie sind auch in den gesellschaftlichen Diskurs einzubringen.

Da fallen einem die Bayern ein, deren Oktoberfest nun überall zelebriert wird – auch bei uns. Wie finden Sie das?

Heidbrink: Ich finde das toll, aber ich bin zu alt dafür. (lacht). Wenn ich 40 wäre, würde ich sofort mitmachen. Diese Oktoberfeste überall sind doch Zeichen eines Bedarfs. Da gehen junge Leute hin, geben Geld aus, um sich zu kostümieren. Wunderbar.

Kommen wir nun aber zum Historienspiel „Vivat Pax!“ Was ist die Intention?

Heidbrink: Wir haben das Historienspiel von 1998, das Martin Holland zum 350. Friedensjubiläum selber geschrieben hat, 16 Mal gespielt – bis 2016. Das ist der äußere Antrieb. Der innere ist: Wir wollen den Friedensgedanken fördern, die Erinnerung an den Westfälischen Frieden wachhalten und verbreiten. Und wir versuchen, junge Menschen an das Thema heranzuführen.

Wie machen Sie das?

Heidbrink: Zum Beispiel spielen Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Paulinum live Musik. Ein Kunst-Kurs der Realschule Wolbeck hat die Köpfe gebaut – nach alten Bildern im Friedenssaal. Und die Hauptrolle eines 15-Jährigen wird von einem Jungen mit Mi­grationshintergrund gespielt. Das ist ja das Neue an der Inszenierung – weg von den Oberen, den Gesandten, hin zur Basis, zu den einfachen Leuten. Dem Proleten aus dem Kuhviertel ebenso wieder dem Bäckermeister aus der Aegidiistraße. Der 15-jährige Junge erzählt, wie er das Leiden erlebt.

Der Westfälische Friede war ja etwas völlig Neues.

Heidbrink: Allerdings. An der Universität Riad zum Beispiel sagte ein Professor zu einem deutschen Kollegen: „So weit, wie ihr im Westfälischen Frieden wart, sind wir heute noch nicht!“ Das Neue war damals die Anerkennung der territorialen Integrität und vor allem die des Gegners als gleichberechtigten Verhandlungspartner. Das ist ein reichhaltiger Schatz, den wir bewusst machen wollen.

"Vivat Pax": Historienspiel

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