Norbert Nientiedt schreibt zweites Buch
Mit „Schnucki“ im Speisewagen

Münster -

Die Knef traf er als junger Kerl in Baden-Baden, und mit dem Wohnungslosen „Jack the Ripper trank er Kaffee. Buchautor Norbert Nientiedt stellt sein zweites Buch vor, in dem Menschen eine Hauptrolle spielen.

Sonntag, 11.11.2018, 09:00 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 11.11.2018, 09:00 Uhr
Norbert Nientiedt trifft gerne Menschen. 52 Geschichten über Begegnungen hat er in einem zweiten Buch aufgeschrieben – mit Humor und ohne den warnenden Zeigefinger.
Norbert Nientiedt trifft gerne Menschen. 52 Geschichten über Begegnungen hat er in einem zweiten Buch aufgeschrieben – mit Humor und ohne den warnenden Zeigefinger. Foto: gh

Das Leben schreibt seine Geschichten. Kurz und knackig bringt er Begegnungen auf den Punkt. Norbert Nientiedt geht vor die Tür – und kommt ins Gespräch. Egal wo. Als junger Kerl trifft der Ur-Münsteraner den Weltstar Hildegard Knef . Mit „Jack the Ripper“, so hat er einen Wohnungslosen getauft, trinkt er einen Kaffee im Kaufhaus. Vierbeiner „Schnucki“ lernt er im Speisewagen eines Zuges in Amsterdam kennen. Der ehemalige Schulseelsorger der Hildegardisschule begegnet einer Smartphone-Mutter und reist mit einem Fan von „Leonard Cohen“ von Münster nach München.

Wie sagt er immer: „Das Leben liefert mir die Geschichten.“ Unbeabsichtigt deckt der Münsteraner dabei Geheimnisse des Lebens auf. 52 Alltagsgeschichten hat er schon in seinem ersten Buch mit dem Titel „Komm, steht auf“ geschrieben. Jetzt legt er mit 52 neuen Geschichten nach. Mit dem zweiten Werk „Tu doch was“ möchte er Impulse für einen eigenen Weg geben, sagt der Autor. Der Münsteraner fordert unmissverständlich auf, nach dem Reden zu handeln. Norbert Nientiedt verzichtet auf einen warnenden Zeigefinger („Das steht mir nicht zu“) und würzt seine Storys mit Humor.

Der 70-Jährige sortierte dafür seine gesammelte Zettelwirtschaft. „Alles wahre Geschichten“, versichert er glaubhaft. Das Titelbild für sein neues Buch liefert Tochter Raphaela Nientiedt.

Auf seiner Visitenkarte hat Norbert Nientiedt den Zusatz „Verdeckter Seelsorger“ stehen. „Man könnte meinen, er sei bei einem Geheimdienst beschäftigt“, meint Norbert Köster, ehemaliger Generalvikar des Bistums Münster, im Vorwort. „Obwohl er ganz ehrenamtlich unterwegs ist, ist er es in gewisser Hinsicht auch.“

Für Norbert Nientiedt, der 40 Jahre als Schulseelsorger und Diplom-Theologe an der Hildegardisschule, dem Berufskolleg des Bistums, tätig war, sind Menschen „mein größtes Hobby“. Scheinbar unbedeutende Alltagssituationen entpuppen sich für ihn oft zu Geschichten. Wie das persönliche Erlebnis im Bus.

Eigentlich wollte Norbert Nientiedt nur mit der Buslinie 8 zur Halle Münsterland fahren. Unterwegs stiegen fünf junge Männer ein und beschallten die Gäste mit lauter Musik. Eine ältere Frau bat höflich, die Musik leiser zu machen. Sofort wurde sie angeblökt: „Oma, halt die Schnauze, du hast uns nichts zu sagen.“ Eine junge Frau stand auf und ging zu den Männern: „Solange ich hier im Bus bin, bleibt der Ghettoblaster aus, und Sie entschuldigen sich jetzt sofort bei der Frau.“ Eine klare Ansage, die zunächst Wirkung zeigte, schreibt Nientiedt. Dann aber flippte der Anführer der Gruppe aus. Plötzlich handelten Fahrgäste: Mehrere standen auf. Norbert Nientiedt fragt sich bis heute, warum er so lange gebraucht habe, dem inneren Ruf „Tu doch was“ zu folgen?

Das war die Idee für das zweite Buch, das er am 12. November in der Akademie Franz-Hitze-Haus vorstellt. „Die Domfreunde sind Veranstalter des Abends“, freut sich der 70-Jährige, der Mitglied in diesem Kreis ist. Der Erlös der Veranstaltung, bei der Musik von und mit Katharina Böseler sowie Georg Wierichs und Bernard Lammerding eine Rolle spielt und bei der Geschichten aus dem Buch vorgetragen werden, fließt in die Palliativstation im Herz-Jesu-Krankenhaus in Münster-Hiltrup. Der Verein der Domfreunde unterstützt die Verbesserung der palliativen Versorgung.

Norbert Nientiedt, seit Kindesbeinen Preußen-Fan, startet die Buchvorstellung pünktlich um 19.06 Uhr. „Weil Preußen Münster 1906 gegründet wurde und alle Veranstaltungen des Vereins um diese Zeit beginnen“, erklärt er. Preußen-Präsident Christoph Strässer habe nicht gezögert, er präsentiert Nientiedts Geschichte „Der grüne Adler“. Auch Domfreunde-Vorsitzender Dr. Stefan Nacke liest an diesem Abend.

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