Besuch in Münster
Peer Steinbrück und die SPD: Die da und wir

Münster -

Vor ein paar Jahren stand Peer Steinbrück noch ganz vorne, hielt die großen Reden im Rampenlicht, er wollte gar Kanzler werden. Heute sitzt der fast 72-Jährige, bildlich gesprochen, im Dunkel der letzten Reihe, kommentiert ununterbrochen brabbelnd die da vorne und ruft nur manchmal laut dazwischen. „Das Elend der Sozialdemokratie: Anmerkungen eines Genossen“ heißt sein aktuelles Buch. Und besser lässt sich auch sein Auftritt am Freitagabend in Münster-Kinderhaus kaum beschreiben.

Sonntag, 18.11.2018, 16:13 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 18.11.2018, 15:56 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Sonntag, 18.11.2018, 16:13 Uhr
Gut gelaunt, bissig und kritisch: Peer Steinbrück am Freitag in Münster-Kinderhaus.
Gut gelaunt, bissig und kritisch: Peer Steinbrück am Freitag in Münster-Kinderhaus. Foto: Gunnar A. Pier

„Ich habe ihn schon getroffen: Er sind gut gelaunt“, sagte der Veranstalter Hans Dieter Weverinck schon vor Beginn des Abends, der gut 150 Besucher ins Bürgerhaus gelockt hatte. Das klang vielversprechend: Steinbrück und Dr. Norbert Tiemann , Chefredakteur unserer Zeitung und Moderator des Abends, eint ein ähnlicher Unterhaltungswert. Der trat schon unfreiwillig zutage, als die beiden Hauptakteure Slapstick-artig den Weg zur Bühne nicht fanden, während Weverinck sich wunderte, warum sie denn nicht durch den Vorhang kamen.

In der dann folgenden guten Stunde spielten sich Politiker Steinbrück und Journalist Tiemann locker die Bälle zu. Doch oberflächliches Geplänkel ist beider Sache nicht. Und so erwies sich Steinbrück wieder einmal als eloquenter, aber vor allem pointierter Kritiker der SPD . Die Partei setze auf die falschen Leute, betone die falschen Themen, versäume die Chance auf eine nötige Erneuerung . . .

Vor allem personell gebe es Schwierigkeiten. „Wenn ich mir die heute so angucke, frage ich mich: Welchen Riss hat es gegeben?“ Also: Seit wann kommen keine charismatischen Köpfe mehr nach? „Eine ganze Generation ist nicht in die Politik gegangen“, vermutet Steinbrück. Und jetzt suche die Partei nicht an den richtigen Stellen nach Nachwuchs. „Die suchen nur im inneren Circle. Aber sie sollten mehr an der Peripherie auf Leute gucken, die kompetent sind – aber eben noch keine bestimmte Funktion in der SPD haben.“

Peer Steinbrück 2018 in Münster

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  • Am Freitag, 16. November 2018, war Peer Steinbrück in Münster-Kinderhaus zu Gast.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Im Bürgerhaus stellte er sich den Fragen von Dr. Norbert Tiemann, Chefredakteur der Westfälischen Nachrichten.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Am 16. November 2018 ist Peer Steinbrück im Bürgerhaus Münster-Kinderhaus zu Gast. Im Bild mit Veranstalter Hans Dieter Weverinck (rechts) und Moderator Dr. Norbert Tiemann.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Am Freitag, 16. November 2018, war Peer Steinbrück in Münster-Kinderhaus zu Gast.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Im Anschluss an die Veranstaltung signierte Steinbrück noch Bücher.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Im Anschluss an die Veranstaltung signierte Steinbrück noch Bücher.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Am 16. November 2018 ist Peer Steinbrück im Bürgerhaus Münster-Kinderhaus zu Gast. Im Bild mit Veranstalter Hans Dieter Weverinck (Mitte) und Moderator Dr. Norbert Tiemann.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Veranstalter Hans Dieter Weverinck

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  • Am 16. November 2018 ist Peer Steinbrück im Bürgerhaus Münster-Kinderhaus zu Gast. Im Bild mit Veranstalter Hans Dieter Weverinck (Mitte) und Moderator Dr. Norbert Tiemann.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Im Bürgerhaus stellte sich Peer Steinbrück den Fragen von Dr. Norbert Tiemann, Chefredakteur der Westfälischen Nachrichten.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Im Bürgerhaus stellte sich Peer Steinbrück den Fragen von Dr. Norbert Tiemann, Chefredakteur der Westfälischen Nachrichten.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Im Bürgerhaus stellte sich Peer Steinbrück den Fragen von Dr. Norbert Tiemann, Chefredakteur der Westfälischen Nachrichten.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Im Bürgerhaus stellte sich Peer Steinbrück den Fragen von Dr. Norbert Tiemann, Chefredakteur der Westfälischen Nachrichten.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Im Bürgerhaus stellte sich Peer Steinbrück den Fragen von Dr. Norbert Tiemann, Chefredakteur der Westfälischen Nachrichten.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Im Bürgerhaus stellte sich Peer Steinbrück den Fragen von Dr. Norbert Tiemann, Chefredakteur der Westfälischen Nachrichten.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Am Freitag, 16. November 2018, war Peer Steinbrück in Münster-Kinderhaus zu Gast.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Am Freitag, 16. November 2018, war Peer Steinbrück in Münster-Kinderhaus zu Gast.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Am Freitag, 16. November 2018, war Peer Steinbrück in Münster-Kinderhaus zu Gast.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Am Freitag, 16. November 2018, war Peer Steinbrück in Münster-Kinderhaus zu Gast.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Am Freitag, 16. November 2018, war Peer Steinbrück in Münster-Kinderhaus zu Gast.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Moderator Dr. Norbert Tiemann las Absätze aus Steinbrücks Buch vor.

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  • Am Freitag, 16. November 2018, war Peer Steinbrück in Münster-Kinderhaus zu Gast.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Am Freitag, 16. November 2018, war Peer Steinbrück in Münster-Kinderhaus zu Gast.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Am Freitag, 16. November 2018, war Peer Steinbrück in Münster-Kinderhaus zu Gast.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Am Freitag, 16. November 2018, war Peer Steinbrück in Münster-Kinderhaus zu Gast.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Im Anschluss an die Veranstaltung signierte Steinbrück noch Bücher.

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  • Im Anschluss an die Veranstaltung signierte Steinbrück noch Bücher.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Im Anschluss an die Veranstaltung signierte Steinbrück noch Bücher.

    Foto: Gunnar A. Pier

Wenn es im konkrete Namen gibt, ist der alte Polit-Haudegen allerdings ungewohnt vorsichtig. „Ich muss zum Zug“, sagt er trocken, als Tiemann nach aktuellen Personalien fragt. Um dann doch zu formulieren, dass sich Finanzminister Scholz schwer tut mit Empathie, Juso-Chef Kevin Kühnert hingegen „die Debatte um die Groko glänzend und mit überlegten Argumenten geführt“ habe – obwohl Steinbrück damals anderer Meinung gewesen sei.

Peer Steinbrück stellte sich am Freitagabend den Fragen von Dr. Norbert Tiemann. Das war unterhaltsam und informativ.

Peer Steinbrück stellte sich am Freitagabend den Fragen von Dr. Norbert Tiemann. Das war unterhaltsam und informativ. Foto: Gunnar A. Pier

Wenn Peer Steinbrück von der SPD spricht, sagt er mal „die da“, manchmal „wir“. Sinngemäß: Wir werden gebraucht, aber die machen es falsch. Egal, welches Thema, Steinbrück hat eine dezidierte Meinung, durchweg kritisch der SPD gegenüber. Dass der Ehemalige, der übrigens selbst bei Wahlen oft nicht sonderlich erfolgreich war, damit so manchen Aktiven bisweilen gehörig nervt, ist gut vorstellbar. Er hat sich eben zweifellos noch lange nicht gedanklich verabschiedet, sondern redet noch immer mit Leidenschaft über und für die Sozialdemokratie. Nur eben von hinten.

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