Pro & Contra
Kontroverse Debatte um Knecht Ruprecht

Münster -

Die Grünen-Politikerin ­Josefine Paul sagt, ein strafender Knecht Ruprecht sei nicht mehr zeitgemäß. Er passe nicht mehr in das heutige Bild der Kindererziehung. Hat sie recht?

Samstag, 08.12.2018, 15:00 Uhr
Pro & Contra: Kontroverse Debatte um Knecht Ruprecht
Der Nikolaus mit seinem Gehilfen Knecht Ruprecht. Foto: Federico Gambarini/dpa

Pro: Drohung ist antiquiert

Kindern sollte man nicht drohen. Damit hat Josefine Paul recht. Die grüne Landtagsabgeordnete aus Münster findet, dass Knecht Ruprecht, der Helfer des Heiligen Nikolaus, der unartige Kinder mit der Rute bestraft, nicht mehr zeitgemäß ist. Er passe als drohende Figur nicht mehr ins heutige Bild der Kindererziehung.

Der Aufschrei war – auch durch die Medien befeuert – groß. Zugegeben, den Menschen, die argumentierten, Knecht Ruprecht habe ihnen in ihrer Kindheit nicht geschadet, ist schwer etwas Gegenteiliges zu beweisen. Diejenigen, die mit der Äußerung gleich das abendländische Kulturgut in Gefahr wähnten, übersehen aber, dass sich Paul gar nicht für die Abschaffung von Knecht Ruprecht starkmacht, sondern ihm eine neue Funktion zuschreiben möchte.

Er solle, so Pauls Vorschlag, vielleicht besser beim Tragen der Süßigkeiten helfen. Ein kleines Update nach erziehungswissenschaftlichen Erkenntnissen, mehr nicht. Und das würde dem Brauch im Ganzen sicher nicht schaden.

(Pjer Biederstädt)

Contra: Die Rute der Realität

Nicht mehr zeitgemäß soll er sein, der drohende Knecht Ruprecht. Gewalt, so die Botschaft von Josefine Paul, ist kein Erziehungsmittel. Auf diesen gesellschaftlich gefassten und doch viel zu oft missachteten Konsens aufmerksam zu machen, hat eine enorme Bedeutung.

Leider aber wählt Paul kein gutes Beispiel. Nikolaus und Knecht Ruprecht, das ist wie Himmel und Hölle, Luke Skywalker und Darth Vader, kurz: Gut und Böse. Zwei Antipoden, die nur existieren, weil es den jeweils anderen gibt. Wenn eh alle in den Himmel kommen, benehmen sich dann nicht alle so, als sollten sie zur Hölle fahren?

Lob und Tadel, Belohnung und Bestrafung kommen nicht aus der Mode. Beides ist untrennbar miteinander verbunden. Das ist mitunter eine bittere Erkenntnis, aber eine, die Kindern zuzumuten ist. Dass Josefine Paul das verkennt, ist freilich kein Drama. Dass sie sich aber wundert, dass solch ein Thema emotional aufgeladen ist, deutet darauf hin, dass sie politisch noch etwas mehr als nur über Gut und Böse zu lernen hat.

(Björn Meyer)

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