Gedenken an die Deportation jüdischer Münsteraner
„Teuflische Lust am Quälen“

Münster -

Vor der Gedenkstele für die Opfer des Holocausts aus Münster an der Warendorfer Straße haben am Sonntag die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Vertreter der Stadt und Privatleute der ersten Deportation jüdischer Bürger 1941 erinnert.

Sonntag, 09.12.2018, 19:00 Uhr aktualisiert: 09.12.2018, 19:48 Uhr
Am Ort des ehemaligen Gertrudenhofes gedachten Dr. Ferdinand Schumacher (l.) und die weiteren Teilnehmer.
Am Ort des ehemaligen Gertrudenhofes gedachten Dr. Ferdinand Schumacher (l.) und die weiteren Teilnehmer. Foto: klm

Vor 77 Jahren, erklärte Dr. Ferdinand Schumacher als einer der Vorsitzenden der Gesellschaft, sei den jüdischen Menschen „unvorstellbares Leid“ zugefügt worden. Die meisten seien in das damalige Konzentrationslager in Riga in Lettland verschleppt worden. Von „Tätern, die in Münster, ohne zur Rechenschaft gezogen zu werden, nach dem Krieg weiterlebten“, sagte er.

Schumacher bat die Teilnehmer, der Opfer zu gedenken, aber „auch derer, die Täter waren und derer, die gleichgültig zugeschaut haben“. Er zitierte aus dem Buch „Geschichte der Juden in Münster“ von Siegfried Weinberg . Er war einer derer, die vom früheren Gertrudenhof an der Warendorfer Straße aus in Güterwaggons nach Riga deportiert worden waren. Weinberg hatte nach dem Krieg notiert: „Am 12. Dezember 1941 abends um 11 Uhr begann der Abtransport zum Güterbahnhof. Der Sadismus und die teuflische Lust der Gestapo am Quälen der Menschen zeigte sich.“

Winfried Nachtwei, ehemaliger Bundestagsabgeordneter, erklärte, dass der momentane Strafprozess am Landgericht um einen früheren Wachmann des Konzentrationslagers Stuthof bei Danzig „sehr viel mit dem Schicksal der aus Münster deportierten Menschen zu tun“ habe. Viele von ihnen seien 1944 von Riga nach Stuthof gebracht worden.

Nach dem Gedenken berichtete Peter Schilling vom Verein „Spuren finden“ im Geschichtsort Villa ten Hompel über das Schicksal von 33 Juden aus Wolbeck, an die im Stadtteil mit „Stolpersteinen“ erinnert wird.

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