Schriftsteller zu Gast beim BDA
Architektursalon: Spinnen geht’s ums Ganze

Münster -

Der BDA Münster-Münsterland stellt ein neues Format vor: den Architektursalon. Er soll kritische Diskussion über Bauen und Planen ermöglichen. Der erste Gast, Schriftsteller Burkhard Spinnen, sparte jedenfalls nicht mit Kritik an zeitgenössischer Architektur.

Donnerstag, 13.12.2018, 09:00 Uhr
Sorgte mit kritischen Anmerkungen zum architektonischen Zeitgeist für eine lebhafte Debatte beim ersten Architektursalon des BDA: Der münsterische Autor Burkhard Spinnen (l.), hier auf der Bühne mit Moderator Jörg Heithoff.
Sorgte mit kritischen Anmerkungen zum architektonischen Zeitgeist für eine lebhafte Debatte beim ersten Architektursalon des BDA: Der münsterische Autor Burkhard Spinnen (l.), hier auf der Bühne mit Moderator Jörg Heithoff. Foto: BDA/Wilhelm Walterscheid

Fehlt aktueller Architektur oft das menschliche Maß oder die ästhetische Dauerhaftigkeit? Verschwindet in Zeiten des Individualismus das „Ensemble“, der Wille, „Gemeinsames zu erschaffen?“. Mit diesen Fragen sorgte der münsterische Autor Burkhard Spinnen laut Pressemitteilung beim ersten Architektursalon des Bundes Deutscher Architekten Münster-Münsterland ( BDA ) für eine lebhafte Debatte.

Spinnen las im Flechtheimspeicher in Münsters Stadthafen aus seinem gerade erschienenen Band „Neue Heimatkunde – Zwölf Aufsätze über Architektur, Leben und Wohnen“ und diskutierte mit den Gästen des Abends. 

Beobachter sollen neue Impulse bringen 

„Wir wollen raus aus der Filterblase der Planer“, erläuterte BDA-Vorsitzender Peter Bastian die Motivation für das neue Format eines Salons. Man suche dabei den Dialog mit Architektur-Beobachtern. In Spinnen fand man für den ersten Durchgang einen besonders aufmerksamen Betrachter gebauter Wirklichkeit.

Der seit über 40 Jahren in Münster lebende Autor leidet nach eigenem Bekunden an einer „extrem übersteigerten Reizbarkeit durch Architektur“. Spinnen hält sich auf diesem Feld für geradezu „krankhaft aufmerksam“: Präzise, ironisch und deutlich skizzierte Spinnen den planerischen Zeitgeist.

Daraus entstand eine lebhafte Diskussion, die Moderator Jörg Heithoff nach drei Stunden beenden musste. „Zu einem Salon gehört die Debatte. Unser Konzept ist aufgegangen“, freute sich BDA-Vorstandsmitglied Andreas Heupel.

Fehler schon in der Nachkriegszeit 

Spinnen sparte nicht mit Kritik. Der Gestaltungswille privater Bauherren habe Bauten der Nachkriegszeit in vielen Fällen den ursprünglichen „Geist der Architektur ausgetrieben“. „Gewaltstudien in Sichtbeton“ oder „Attentatsversuche der Postmoderne als Rohrkrepierer“ seien in Deutschlands Innenstädten zu beobachten.

Spinnen wünscht sich – nicht ganz ernst gemeint – beim Flanieren durch deutsche Städte oft eine „Creme mit Architekturschutzfaktor“.

Ziel muss das "Ganze" sein 

„Es scheint jede Intention zur Schaffung eines Ganzen zu fehlen“, bedauert Spinnen. Genau das hält er für das eigentlich Tragische. Denn eigentlich gehe es immer um „die Sehnsucht nach der Stadt als Sinnbild für die Versöhnung von Einzelnen und Gemeinschaft“. Architektur könne Identität stiften, was aber immer seltener der Fall sei.

Für sein neues Buch „Neue Heimatkunde“ wählte Spinnen zwölf Beiträge aus seinem Fundus an Vortragsmanuskripten und Texten zu Themen der Architektur oder des urbanen Lebens aus, überarbeitete und aktualisierte diese und legte damit eine pointierte Sicht auf zentrale Aspekte des Themas vor, heißt es.

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