Kampf gegen Krebs
Mit Nano gegen den Tumor

Münster -

Welche technologischen Entwicklungen es im Kampf gegen Krebs gibt, war Thema des „HealthTech World Cancer Days“. Die gute Nachricht: Es gibt vielversprechende Neuigkeiten im Kampf gegen die tückische Krankheit.

Montag, 04.02.2019, 08:00 Uhr
Prof. Dr. Thomas Jüstel verfolgt einen neuartigen Ansatz im Bereich der Krebsforschung.
Prof. Dr. Thomas Jüstel verfolgt einen neuartigen Ansatz im Bereich der Krebsforschung. Foto: FH Münster/Robert Rieger

Rund 500 000 Menschen in Deutschland erkranken jährlich an Krebs – eine Zahl, die mit dem Weltkrebstag am heutigen Montag wieder stärker in den Fokus rückt. Welche technologischen Entwicklungen es im Kampf gegen die tückische Krankheit gibt, war Thema des „HealthTech World Cancer Days“. Bei der Veranstaltung der Gesellschaft für Bioanalytik Münster und Annika Thomas vom Innovationslabor Münsterland im Rahmen des EU-Projektes „Nobel“ berichteten Ärzte und Wissenschaftler aus ihrer Forschung. Mit dabei: Prof. Dr. Thomas Jüstel vom Fachbereich Chemieingenieurwesen der Fachhochschule (FH) Münster. Welchen neuartigen Ansatz er mit seinem Team verfolgt, davon erzählt er im Interview.

Herr Prof. Jüstel, was genau ist die Idee?

Jüstel: Wir entwickeln winzige Nanopartikel, die in den menschlichen Körper eingeschleust werden sollen. Auf diese Partikel wirkt von außen Röntgenstrahlung ein, die dadurch UV-C Strahlung abgeben – und sie greift das Erbgut der umliegenden Krebszellen an. In der Theorie klingt das sehr einfach, praktisch ist es das aber ganz und gar nicht.

Warum nicht? Welche Herausforderungen gibt es?

Jüstel: Das Problem sind die Partikel im menschlichen Körper. Ob sie beim Einschleusen in den Körper auch wirklich an der richtigen Stelle landen, ist abhängig von ihrer Größe und Oberfläche. Sind die Partikel zu groß, passen sie nicht durch die Blutbahn. Haben sie die falschen Oberflächeneigenschaften, erkennt der Körper sie als fremd und stößt sie ab. Außerdem gilt: Je winziger sie sind, desto toxischer können sie wirken. Das müssen sie auch, aber eben nur in Kombination mit Röntgenstrahlung. Es war also wichtig das richtige Maß zu finden – und das hat meine Doktorandin Sara Espinoza geschafft. Nach Dutzenden Versuchen ist es ihr gelungen, Partikel aus dem richtigen Material herzustellen mit der passenden Synthesemethode. Das war die reinste Sisyphusarbeit.

Was unterscheidet diesen Ansatz von anderen?

Jüstel: Mit unserem Ansatz könnten herkömmliche Strahlentherapien sehr viel zielgerichteter und effektiver sein – und das mit geringerer Strahlendosis und somit weniger Nebenwirkungen. Denn das menschliche Gewebe absorbiert UV-C Strahlung sehr effizient. Deshalb werden nur die Krebszellen rings um die Partikel bestrahlt, die Therapie wäre also sehr punktuell. Die Radioonkologie ist der Medizinbereich, dessen Therapieformen bei mehr als 50 Prozent aller Krebserkrankungen zum Einsatz kommen. Wenn sie noch besser werden kann, wäre das ein Riesenschritt.

Wie geht es nun weiter?

Prof. Jüstel: Versuche mit Krebszellen aus der Haut wurden schon gemacht. Jetzt folgen klinische Tests mit anderen Zellen. Das übernimmt die Harvard Medical School in Boston, mit der wir seit Ende 2016 zusammenarbeiten. Die Kollegen sind auf uns aufmerksam geworden, weil wir 2004 gemeinsam mit Philips ein Patent zu dieser Idee angemeldet haben. Seitdem arbeiten wir zusammen.

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