Lehramtsstudierende sammeln Berufserfahrung in Kenia
Unterrichten in der Schule der Massai

Münster -

Die rund 11 000 münsterischen Lehramtsstudierenden sammeln nicht nur Unterrichtserfahrung an deutschen Schulen. Sie können auch im Ausland Praxiserfahrung sammeln. Nun ist ein besonders spannender Praktikumsort hinzugekommen.

Samstag, 09.02.2019, 17:00 Uhr aktualisiert: 09.02.2019, 17:20 Uhr
Paula Reichelt (3.v.l.) und Nina Opgen-Rhein (2.v.r.) werden als erste Lehramtsstudierende der Uni am Massai-Internat in Kenia unterrichten. Katharina Schilling, Claudia Bendick (v.l.) und Martin Jungwirth (3.v.r.) vom Zentrum für Lehrerbildung organisieren das Praktikum, Lehrer Jonas Scholz (r.) begleitet die beiden Studentinnen in der ersten Woche.
Paula Reichelt (3.v.l.) und Nina Opgen-Rhein (2.v.r.) werden als erste Lehramtsstudierende der Uni am Massai-Internat in Kenia unterrichten. Katharina Schilling, Claudia Bendick (v.l.) und Martin Jungwirth (3.v.r.) vom Zentrum für Lehrerbildung organisieren das Praktikum, Lehrer Jonas Scholz (r.) begleitet die beiden Studentinnen in der ersten Woche.

In Zukunft wollen Nina Opgen-Rhein und Paula Reichelt an einer deutschen Schule Kinder und Jugendliche unterrichten. Aber jetzt haben die beiden Lehramtsstudentinnen vorerst etwas ganz anderes vor: Am Sonntag (10. Februar) starten sie als Pionierinnen der bislang spannendsten Partnerschaft des Zentrums für Lehrerbildung der Universität.

Ihr Ziel heißt Kenia: Dort werden sie für sieben Wochen in einem Internat für Kinder der Massai im Südosten des afrikanischen Landes arbeiten – und vermutlich sehr ungewöhnliche Unterrichtserfahrungen sammeln. „Wir sind sehr gespannt“, sagt Nina Opgen-Rhein, die kurz vor dem Master-Abschluss und damit vor dem Ende des Studiums steht. Paula Reichelt ist noch in der Bachelor-Phase, hat zwar noch keine umfangreichen Unterrichtserfahrungen, ist aber Weltenbummlerin aus Leidenschaft, wie sie sagt. Afrika fehlt noch bei ihren Reiseerfahrungen.

Möglich wird die Entsendung angehender Lehrer aus Münster durch den Ausbau der Schule – einem Projekt der Lions-Clubs im Münsterland. Prof. Dr. Jörg Baetge , emeritierter Professor der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Uni Münster, hat die ersten Anfänge der Schule bei einem Aufenthalt in Kenia kennengelernt und anschließend den schrittweisen Ausbau zum Internat organisiert, beständig Geld gesammelt.

Die Leser unserer Zeitung spendeten bei der Weihnachtsaktion 2015 rund 50 000 Euro für das Projekt, das mittlerweile zu einem Schuldorf angewachsen ist. Damit die Kinder der Massai dauerhaft zur Schule gehen können, ist die Internats-Unterbringung notwendig, erklärt Baetge. Die Massai sind Nomaden, ziehen mit ihren Viehherden durch die Savanne – und halten sich eben häufig fernab einer Schule auf.

Über 600 Kinder, jeweils zur Hälfte Mädchen und Jungen, sollen im Endausbau an der Schule unterrichtet werden – und es gibt neuerdings auch ein kleines Gästehaus für Praktikanten wie Paula Reichelt und Nina Opgen-Rhein. „Das ist die Voraussetzung, dass wir Studierende dorthin schicken können“, so Martin Jungwirth vom Zentrum für Lehrerbildung der Uni, der mit Spannung den Nachrichten der beiden Pionierinnen in Kenia entgegensieht. „Es gibt schon viele andere Interessenten“, berichtet Katharina Schilling, die die Auslandspraktika am Zentrum koordiniert.

Paula Reichelt und Nina Opgen-Rhein werden für die erste Woche ihrer Reise von Jonas Scholz begleitet. Der pensionierte Gymnasiallehrer wohnt in Nienberge und hat an der Massai-Schule rund 100 Kilometer entfernt von Kenias Hauptstadt Nairobi wiederholte Male unterrichtet.

Die beiden jungen angehenden Lehrerinnen werden dort „sehr einfache Verhältnisse“ antreffen, sagt Scholz. Die Klassenräume sind teils durch Bretterwände abgeteilt, die Schulküche verteilt täglich Bohnen. Immerhin gibt es Tafeln und Kreide, mittlerweile auch Strom – und sehr motivierte Schüler, so Scholz.

Besonders für Mädchen ist die Schule in dem menschenarmen Gebiet eine Revolution. Sie konnten bis vor kurzem die Einrichtung auch dann nicht besuchen, wenn sie ihre Menstruation hatten – Hygieneartikel waren unbekannt. Auch hierbei hilft die Initiative der Lions-Clubs. Baetge freut sich, dass die Massai ihre Kinder der Schule anvertrauen. „Viele Eltern sind Analphabeten, sie wollen für ihre Kinder Bildung und vertrauen darauf, dass ihre kulturellen Wurzeln gewahrt werden.“

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