Politischer Aschermittwoch der CDU
Ein Pfarrer – und viele unbequeme Fragen

Münster -

Ein Pfarrer, der kein Blatt vor den Mund nimmt: Die CDU Münster hat es bei ihrem politischen Aschermittwoch selbst so gewollt.

Donnerstag, 07.03.2019, 21:00 Uhr
Pfarrer Ulrich Messing (r.) war der Hauptredner beim politischen Aschermittwoch des CDU-Kreisverbandes Münster vor gut 60 Zuhörern.
Pfarrer Ulrich Messing (r.) war der Hauptredner beim politischen Aschermittwoch des CDU-Kreisverbandes Münster vor gut 60 Zuhörern. Foto: Matthias Ahlke

„Ich bin kein Politiker, ich bin ein Pfarrer.“ Gleich mehrfach betonte Ulrich Messing , Geistlicher der Pfarrgemeinde St. Marien und St. Josef seine Rolle am Mikrofon. Schließlich nahm er sich als Hauptredner beim politischen Aschermittwoch der CDU Münster die Freiheit, unbequeme Fragen an seine gut 60 Zuhörer im Schloßgarten-Restaurant zu stellen: „Warum steigt der Fahrpreis für unsere Busse, während es in anderen Städten günstiger wird?“ Welche Lehren müsse man aus dem Fischsterben im Aasee ziehen, sei wirtschaftliche Not nicht auch ein nachvollziehbarer Fluchtgrund?

Messing, dem die CDU-Vorsitzende Sybille Benning hernach bescheinigte, eine „sehr politische“ Fastenpredigt gehalten zu haben, bezog klar Stellung. „Ich hoffe, dass wir weiter bereit sind, Menschen in Not aufzunehmen, wie dies andere Städte uns vorgemacht haben“, so der Pfarrer. „Wir schaffen es gemeinsam in unserer Stadt.“ Ein Satz, der ihm spontan Beifall einbrachte. Auch wenn Messing nicht die Augen davor verschloss, dass Deutschland nicht die ganze Welt retten könne.

Kirche müsse sich verändern

Eine Absage an rechtspopulistisches Gedankengut, die Forderung Hartz IV zu verändern („auch wenn Sie es vielleicht nicht gerne hören“) sowie mehr Hilfe für Alleinerziehende – Messing bat darum, Stellung zu beziehen, „wo Menschen ungerecht behandelt werden, wo Menschen leiden in unserer Stadt und in unserer Gesellschaft“. An die Politiker appellierte er, sich nicht Umfragewerten oder kurzfristigem Zeitgeist zu unterwerfen.

Seine eigene Institution nahm der Pfarrer nicht von Kritik aus. Die Kirche müsse sich verändern, forderte er als Folge des vielfachen sexuellen Missbrauchs. „Erheben Sie immer wieder Ihre Stimme, wenn wir Fehler machen“, bat er die Zuhörer um Unterstützung bei diesem Prozess.

Seine Rede schloss Messing mit einem Appell zur Umkehr – wo immer es möglich sei, sollten Menschen wieder neu beginnen.

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