SPD-Bürgerdialog zu ÖPNV
„Das System kollabiert“

Münster -

Wie sieht die städtische Mobilität der Zukunft aus? Während Ministerin Svenja Schulze beim SPD-Bürgerdialog allgemein blieb, legten Vertreter des ÖPNV den Finger in die Wunde.

Freitag, 08.03.2019, 14:01 Uhr aktualisiert: 08.03.2019, 14:31 Uhr
Svenja Schulze beim Bürgerdialog der SPD.
Svenja Schulze beim Bürgerdialog der SPD. Foto: Björn Meyer

Der Vorsitzende der SPD-Ratsfraktion, Dr. Michael Jung , führte am Donnerstagabend zunächst in das Thema „Wie teuer darf der öffentliche Nahverkehr sein?“ ein. Jung forderte bessere und mehr Busspuren, prangerte zudem aber die Kosten des ÖPNV an. Wolle der ÖPNV eine Alternative sein, müsse er sowohl wirtschaftlich als zeitlich ein Vorteil sein. In Münster jedoch sei laut Jung die Geschwindigkeit des Busverkehrs weit unter dem Bundesdurchschnitt und in den vergangenen Jahren zudem weiter gesunken.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze nahm Jungs Forderungen auf und machte klar, dass der Wandel im Verkehr nur gelingen könne, wenn diejenigen mit wenig Geld nicht ausgeschlossen würden. Sie sei überzeugt, dass Mobilität Dienstleistung statt Eigentum werde.

Busfahren für einen Euro

Während Schulzes Ausführungen recht allgemein blieben, hatte Jung bereits konkrete Gedankenspiele mit im Gepäck. Ein Bus-Abo solle doch nicht mehr als einen Euro pro Tag kosten. Und auch Gelegenheitsfahrer sollten für einen Euro pro Strecke fahren können. Dass der ÖPNV zu teuer sei, war auch die Meinung einiger Bürger, die sich daraufhin zu Wort meldeten.

Doch auch diejenigen, dessen Geschäft der ÖPNV ist, hatten Stimmen vor Ort. Ein Stadtwerke-Mitarbeiter führte aus, dass der Busverkehr nur so langsam sei, weil man hinter den Autos warten müsse. Man stehe in der Stadt im harten Wettbewerb um Platz. Noch deutlichere Worte fand Jürgen Lenz, Vorstand der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, der unter den Zuhörern saß. #

Krachend gescheitert

Die Bahnreform sei krachend gescheitert. Das derzeitige System im Schienenverkehr produziere prekäre Beschäftigungsverhältnisse und breche, „da können Sie mich beim Wort nehmen“, in den nächsten zwei Jahren zusammen.

Lenz stellte klar, dass es aus seiner Sicht um die Frage gehe, was uns der Verkehr auf der Schiene wert sei. „Gewinne produzieren Sie damit nicht. Das kann nicht funktionieren“. Er mahnte daher eine klare Kurskorrektur in der Politik an.

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