Zu wenig Ausbilder für Pflegekräfte
„Mir wird angst und bange“

Münster -

Wo wenige Fachkräfte sind, sind auch wenig Ausbilder. Und wo wenig Ausbilder sind, sind auch weniger Fachkräfte. Damit hat vor allem das Gesundheitswesen zu kämpfen. Es fehlt an Experten, die junge Menschen zu Krankenschwestern oder -pflegern ausbilden könnten. Regula Toellner erlebt das jeden Tag. Sie ist stellvertretende Schulleiterin der St. Hildegard-Schule in Münster, an der Pflegende aus- und weitergebildet werden. Unser Redaktionsmitglied Jacqueline Beckschulte hat mit ihr gesprochen.

Dienstag, 19.03.2019, 20:15 Uhr aktualisiert: 20.03.2019, 10:08 Uhr
Regula Toellner
Regula Toellner Foto: J. Beckschulte

Das Personal auf den Pflegestationen in Krankenhäusern wird immer weniger. Wie steht es um die Experten, die Berufseinsteiger ausbilden können?

Regula Toellner : Grundsätzlich gibt es genügend Pflegekräfte, die die Weiterbildung zum Praxisanleiter oder zur Praxisanleiterin machen möchten. Es gäbe aber sicherlich noch mehr, wenn die Bedingungen in den Krankenhäusern oder Heimbereichen nicht so schwierig wären. Oft fehlt die Zeit, um Schüler wirklich anzuleiten und Organisatorisches zu regeln. Vieles müssen Praxisanleiter zusätzlich zu ihrer Dienstzeit machen. Und in der Regel bekommen sie dafür nicht einmal Extra-Lohn. Also verlieren sie schnell die Lust.

Also gucken die Auszubildenden in die Röhre?

Toellner: Gesetzlich haben Pflegeschüler seit 2003 einen Anspruch auf zehn Prozent Praxisanleitung. Umgerechnet sind das 250 Stunden in drei Jahren Ausbildung. Also sind die Einrichtungen verpflichtet, Praxisanleiter zu stellen. Sie hatten auch Glück und konnten viele einstellen. Ob die die verschiedenen Einrichtungen die Pflegeschüler gut anleiten, bleibt fraglich.

Gibt es denn für die kommenden Jahre genügend Praxisanleiter?

Toellner: Das ist die Frage. Wenn auf Dauer die Menge des Pflegepersonals abnimmt, sinkt auch die Menge der Praxisanleiter. Das ist das zentrale Problem: Wo kriegen wir bis 2030 50 000 bis 100 000 Pflegekräfte her, um unserer immer älter werdenden Gesellschaft die Versorgung zukommen zu lassen, die sie braucht?

Fühlen Sie sich von der Politik im Stich gelassen?

Toellner: Schade ist, dass die Politik jetzt erst handelt. Die Tendenz ist seit zehn Jahren abzusehen. Entscheidend wäre gewesen, sich in den vergangenen fünf Jahren schon mal mit dem Thema auseinanderzusetzen. In Bezug auf die Berufsgruppe Pflege ist Deutschland im europäischen Kontext ein Entwicklungsland.

Woran liegt das?

Toellner: Wir haben es nicht geschafft, den Mangel in den Blick zu nehmen. Durch das Herabsetzen der Zugangsvoraussetzungen versucht man, Massen zu schaffen. Ich muss ganz ehrlich sagen: Manchmal wird mir angst und bange, wenn ich sehe, dass private Träger gerne auch unqualifizierte Menschen ausbilden. Wir brauchen hochqualifizierte Pflegekräfte, ich bin für eine akademisierte Ausbildung.

Da beißt sich also die Katze in den Schwanz: Es fehlt an guten Auszubildenden, folglich auch an gutem Personal und guten Praxis-Ausbildern . . .

Toellner: Genau. Das ist das zentrale Thema, um das sich Herr Spahn und Herr Laumann nun kümmern müssen. Das kommende ­Berufegesetz mit einer generalistischen Ausbildung ist der Anfang, den Pflegeberuf in allen Settings qualifizierter und attraktiver zu ge­stalten. Es lohnt sich, in eine höhere Attraktivität der Pflegeberufe zu investieren.

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