Tauttmansdorffstraße
Obdachlosenunterkunft ist Geschichte

Münster -

Immer wieder gab es Probleme, dabei galt das Wohnkonzept für Obdachlose an der Trauttmansdorffstraße zum Zeitpunkt seiner Errichtung als moderne Errungenschaft. Heute weiß die Stadt, dass gleich mehrere Fehler gemacht wurden.

Mittwoch, 20.03.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 20.03.2019, 19:09 Uhr
Sozialdezernentin Cornelia Wilkens (r.), Dagmar Arnkens-Homann (Leiterin Sozialamt) und Dr. Christian Jaeger (Geschäftsführer Wohn- und Stadtbau) schauten sich am Mittwoch die leergeräumten Unterkünfte an der Trauttmansdorffstraße an.
Sozialdezernentin Cornelia Wilkens (r.), Dagmar Arnkens-Homann (Leiterin Sozialamt) und Dr. Christian Jaeger (Geschäftsführer Wohn- und Stadtbau) schauten sich am Mittwoch die leergeräumten Unterkünfte an der Trauttmansdorffstraße an. Foto: Matthias Ahlke

Als die Obdachlosenunterkunft in der Trauttmansdorffstraße 1972/73 gebaut wurde, war eine derartige Unterbringung wohnungsloser Menschen ein modernes Konzept. Heute, rund 47 Jahre später, hat man aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Zu viele Menschen auf einem Fleck, dazu ein Baukonzept das eigentlich schon von Beginn an an der Bausubstanz nagte, haben der Stadt immer wieder Probleme bereitet. Nun ist die Obdachlosenunterkunft Geschichte.

Das Gelände hat die Wohn- und Stadtbau bereits an einen Einzelhändler verkauft. Der will dort laut Dr. Christian Jaeger, Geschäftsführer der Wohn- und Stadtbau, Werkstatt und Lager errichten. Die Obdachlosenunterkunft wird dafür abgerissen werden. Die angrenzende Kita Trauttmansdorff, die von der Awo betrieben wird und sich direkt nebenan auf städtischem Gelände befindet, wird dagegen am Standort verbleiben.

Kleinere Einheiten, zentralere Lage

„Wir möchten die Menschen in ein modernes Unterbringungskonzept überführen“, sagt Sozialdezernentin Cornelia Wilkens . Das heißt: Kleinere Einheiten mit bis zu 50 Bewohnern sowie eine zentralere Lage für bessere Integration. Letztlich gehe es dabei darum, die Menschen möglichst schnell wieder in regulären Wohnraum zu vermitteln. Bei neun Familien sei das im Zuge der Schließung der Unterkunft an der Trauttmansdorffstraße bereits gelungen.

Die Stadt verhehlt derweil nicht, dass es an der Trautmannsdorfstraße, wo bereits seit den 90er-Jahren vor allem aus Südosteuropa stammende Familien untergebracht waren, erhebliche Probleme gegeben habe. Im Zuge des Bürgerkriegs im ehemaligen Jugoslawien seien dort viele Flüchtlinge untergebracht worden. Weil es im Zusammenleben mit den deutschen Familien zu Ärger gekommen sei, habe die Stadt darauf gesetzt, vornehmlich Menschen aus anderen Kulturkreisen dort unterzubringen. „Aus heutiger Sicht ein großer Fehler“, sagt Sozialamtsleiterin Dagmar Arnkens-Homann .

Neue Unterkünfte sind wohnlicher

Gut 200 Menschen „plus x“, wie Wilkens sagt, hätten an der Trauttmansdorffstraße zuletzt gewohnt. Dabei macht das x den Anteil derer aus, die illegal dort gelebt haben. „Es hat dort kriminelle Machenschaften gegeben, derer wir, das muss man klar sagen, nicht mehr Herr geworden sind“, sagt Arnkens-Homann. Auch seien die meisten der kürzlich von dieser Zeitung berichteten Gewaltmeldungen im Sozialamt auf die Einrichtung an der Trauttmansdorffstraße zurückzuführen. „Manche haben sich über viele Jahre hier eingerichtet“, im Zuge der Schließung der Einrichtung seien die Mitarbeiter im Sozialamt teils „massiv bedroht worden“, so Arnkens-Homann.

Dabei sind die neuen Unterkünfte an bislang sechs Standorten, die die Stadt größtenteils bereits geschaffen hat, garantiert wohnlicher als der Standort Trauttmansdorffstraße. Im Grunde schon von Beginn an habe man dort mit Schimmelbildung zu kämpfen gehabt, verweist Wilkens auf das schlecht durchdachte Konzept der innen liegenden, fensterlosen Badezimmer. Tatsächlich braucht man nicht lange, um im Inneren große schwarze Flecken an den Wänden zu erkennen. Kombiniert mit dem dort häufig vorherrschenden „Wohnverhalten“, habe das zu ständigem Sanierungsbedarf und der maroden Bausubstanz geführt.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6484800?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F3814581%2F
Geschleust und ausgebeutet - schwere Vorwürfe gegen Nagelstudio-Bande
Razzien im Münsterland: Geschleust und ausgebeutet - schwere Vorwürfe gegen Nagelstudio-Bande
Nachrichten-Ticker