Viel Lärm – wenig Europa
EU-Wahlarena begleitet von einer Gegenveranstaltung

Münster -

Störattacken, ein nervöses Publikum, heftige Politikerdebatten auf der Bühne und eine Gegenveranstaltung im Hörsaal nebenan. Die EU-Wahlarena im Uni-Schloss bot so einiges:

Dienstag, 09.04.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 09.04.2019, 20:04 Uhr
Sie diskutierten in der Aula des Schlosses über Europa (v.l): Anna Blundell, Sarah Weiser, Ralph Sina, Markus Pieper, Paavo Czwikla und Martin Schiller. Zeitgleich lief im Hörsaal 10 des Schlosses eine Gegenveranstaltung.
Sie diskutierten in der Aula des Schlosses über Europa (v.l): Anna Blundell, Sarah Weiser, Ralph Sina, Markus Pieper, Paavo Czwikla und Martin Schiller. Zeitgleich lief im Hörsaal 10 des Schlosses eine Gegenveranstaltung. Foto: Oliver Werner

Auch anhaltendes, nervtötendes Klatschen ist auf die Dauer anstrengend. Erst als die EU-Wahlarena am Montagabend in die zweite Stunde ging, wurde es etwas ruhiger in der Aula des Uni-Schlosses. Da wurde auch mal diskutiert statt demonstriert – und mitunter wurde auch gelacht.

Vorne auf der Bühne saßen ein Moderator und fünf Kandidaten für die Europa-Wahl, doch zunächst einmal stand (nur) die Frage im Raum, ob der AfD-Kandidat Martin Schiller mitdiskutieren darf oder nicht.

Krach und Provokation

Das ging schon los, als Moderator Ralph Sina den AfD-Politiker nach einer Fotomontage befragte, mit der Schiller jüngst für heftige Diskussionen gesorgt hatte. Das inzwischen von seinem Account entfernte Bild zeigte die bekannte schwedische Klimaschützerin Greta Thunberg in der klassischen BDM-Uniform, wie sie zur Nazi-Zeit von Mädchen getragen wurde.

Nachdem AfD-Anhänger im Saal Martin Schiller bei der Vorstellung ausgiebig bejubelt hatten, fragten sie jetzt nach der Zulässigkeit der Frage („Was hat das mit der Europawahl zu tun?“). AfD-Gegner hingegen setzten Greta-Masken auf und sorgten minutenlang für einen solchen Krach, dass Schiller nicht sprechen konnte.

Als der Lärmpegel dann etwas sank, antwortete Schiller mit einer Mischung aus Einsicht und Provokation. Er entschuldigte sich für die Fotomontage, kritisierte aber zugleich „die Hysterie um dieses Mädchen“.

Auch sonst goss Schiller immer wieder Öl ins Feuer. Etwa als er bei einer neuerlichen Unterbrechung den Störern das „Angebot“ machte, Autogramme zu schreiben. An anderer Stelle löste er bei dem FDP-Kandidaten Paavo Czwikla eine heftige Reaktion aus, als er diesen unaufgefordert duzte.

Leidenschaftlich für Europa

Ansonsten ging es in dieser Podiumsdiskussion zur Europawahl auch durchaus um Europa. Leidenschaftlich plädierte zum Beispiel der EU-Parlamentarier Dr. Markus Pieper (CDU) dafür, die europäische Integration voranzutreiben, weil Deutschland ansonsten „zur Provinz“ verkomme. Ohne den so viel kritisierten Euro würde man der deutschen Wirtschaft „ihre Lebensadern“ abschneiden.

Anders als Pieper plädierte die SPD-Kandidatin Sarah Weiser für einen europäischen Mindestlohn, der sich gleichwohl an der Wirtschaftskraft der einzelnen Mitgliedsstaaten orientieren müsse. Wie schwierig es in diesem Zusammenhang ist, den richtige Weg zu finden, machte Journalist Sina deutlich: „In Bulgarien liegt der Mindestlohn bei 1,73 Euro, in Luxemburg bei 11,97 Euro.“ Ungeachtet dessen formulierte auch die Grüne Anna Blundell die „Sozialunion“ als ein zentrales Ziel für ein Europa der Zukunft, die um eine gemeinsame Steuerpolitik ergänzt werden müsse.

Gegenveranstaltung der Linken

Als die rund 400 Zuhörer nach zwei Stunden die Aula wieder verließen, saßen im Hörsaal 10 des Schlosses noch immer rund 200 Zuhörer zusammen. Hierhin hatten nämlich die Linken eingeladen. Sie boykottierten die von Stadt, Europa-Union und den Jungen Europäischen Föderalisten organisierte Veranstaltung – eben wegen der Teilnahme der AfD. Hannes Draeger, der eigentlich für die Linken in der Aula sitzen sollte, rief dazu auf, mit dem „Druck der Straße“ gegen die AfD vorzugehen. „Die AfD marschiert nicht durch“, gab sich Draeger zuversichtlich.

Im wahrsten Sinne des Wortes eine Doppelrolle nahmen die Grünen ein. Während Parteifreundin Anna Blundell in der Aula mit der AfD diskutierte, saß der GAL-Ratsherr Carsten Peters – in seiner Funktion als Sprecher des Bündnisses „Keinen Meter den Nazis“ – bei der Gegenveranstaltung prominent auf der Bühne.

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