Podiumsdiskussion der Naumann-Stiftung zum Thema Fluchtursachen
Afrikas schwerer Weg nach oben

Münster -

Ein äußerst ambivalentes Bild von Afrika zeichneten die Teilnehmer der Podiumsdiskussion der Naumann-Stiftung zum Thema Fluchtursachen. Hier der ewig kriselnde, bitter arme Kontinent, gefangen in Traditionen – dort die Lichtblicke. Damit es von letzteren künftig mehr gibt, hatten die Diskutanten gleich auch noch einige Forderungen im Gepäck.

Sonntag, 14.04.2019, 17:30 Uhr aktualisiert: 15.04.2019, 12:00 Uhr
Autor Reinhard Brockmann, Matthias Amling (Welthungerhilfe), Moderatorin Claudia Kramer-Santel und die ehemalige Staatssekretärin Gudrun Kopp.
Autor Reinhard Brockmann, Matthias Amling (Welthungerhilfe), Moderatorin Claudia Kramer-Santel und die ehemalige Staatssekretärin Gudrun Kopp. Foto: Silke Haunfelder

Ein Kontinent der Chancen oder ein Erdteil zum Verzweifeln und Flüchten? Afrika ist beides. Das wurde deutlich bei der Diskussion „Migration gestalten, Fluchtursachen bekämpfen“, zu der die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung am Donnerstag ins Factory-Hotel Münster eingeladen hatte.

Nur ein Bruchteil der 20 Millionen Flüchtenden vor Hunger, Krieg und Katastrophen erreiche Europa, berichtete der Journalist und Autor Reinhard Brockmann („Fluchtursache Afrika“, Aschendorff Verlag ). Dennoch seien es die Bilder von Not, gefährlichen Überfahrten und Lagern, die niemanden unberührt ließen.

Plastiktüten statt Brautgeld

„Die Dorfältesten in Westafrika beklagen, dass ihre jungen Leute trotz aller Warnungen aufbrechen.“ Brockmann hat im Krisenstaat Mali mit Zwangsrückkehrern und deren Familien gesprochen. „Sie folgen den Spuren der Väter, die früher im Ausland ihr legales Glück machten, aber sie kehren nicht mit Brautgeld, sondern mit leeren Plastiktüten zurück.“

Gudrun Kopp, von 2009 bis 2013 Staatssekretärin im Entwicklungsministerium, hatte Mali noch ganz anders kennengelernt – demokratisch und wirtschaftlich auf dem Weg nach vorn. Islamisten aus dem Norden haben das Land wieder weit zurückgeworfen.

22 Länder in Subsahara-Afrika prosperieren und sind auf dem aufsteigenden Ast.

Gudrun Kopp

Nur neue Sicherheit, Stabilität und gleiche Rechte für alle könnten die zahlreichen schwachen, teilweise gescheiterten Staaten Afrikas Anschluss finden lassen, sagt sie. Aber: „22 Länder in Subsahara-Afrika prosperieren und sind auf dem aufsteigenden Ast“ erinnerte sie.

Matthias Amling von der Welthungerhilfe warnte vor falschen Hoffnungen durch die Verknüpfung von Entwicklungszusammenarbeit und Fluchtursachenbekämpfung. Die Reduzierung von Hunger, Stabilisierung lokaler Märkte und Schaffung neuer Jobs bedeuteten keinesfalls den sofortigen Rückgang von Migration. Sein Problem: Klimaphänomene und Missernten lassen sich inzwischen vorhersagen, politische Rückschläge und Krisen dagegen nicht.

Mehr legale Migration und Marktzugang

Einig war sich die Runde in der Forderung nach mehr legaler Migration, Zugang afrikanischer Produkte zum europäischen Markt und privaten Investitionen, die Afrika nicht ausbeuten, sondern aufbauen.

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