Serie: Europa lebt in Münster
Sie vermisst nur die Berge bei Sofia

Münster -

Längst ist Münster ihre Heimat geworden. Doch die bulgarische Volkstanzgruppe gehört auch zum Alltag von Antonia Remmeke. Die 44-Jährige Volkswirtin lebt Europa zwischen Balkan und Aa.

Samstag, 04.05.2019, 14:00 Uhr
Weiß die Vorteile der EU zu schätzen: Antonia Remmeke
Weiß die Vorteile der EU zu schätzen: Antonia Remmeke Foto: da

Als sie damals den dicken Hochschulführer im Goethe-Institut in Sofia durchblätterte, war Antonia Remmeke eigentlich auf der Suche nach Informationen zur Ludwig-Maximilians-Universität München . Zufällig schlug sie dabei die Seite mit der ihr bis dahin unbekannten Stadt Münster auf. Längst ist die Domstadt für die 44-Jährige, die mit ihrem Ehemann und zwei kleinen Kindern am Rande des Kreuzviertels lebt, zur Heimat geworden ist. Doppelte Staatsbürgerschaft inklusive.

Interesse an deutscher Sprache

Aus eigener Erfahrung und Überzeugung stellt Antonia Remmeke, die vor wenigen Tagen vom Oster-Besuch bei ihrer Mutter in der bulgarischen Hauptstadt zurückgekehrt ist, fest: „Die EU ist ein Glücksfall.“ Und die Freizügigkeit sei ein großer Vorteil. 1994, als eine schier endlos lange Busfahrt die junge Frau von Sofia zum Studium der Volkswirtschaft nach Münster brachte, gab es noch strenge Visabestimmungen. Wegen der Studien-Zulassung an der Wilhelms-Universität hatte sie sich der Einfachheit halber deshalb auch für Münster entschieden.

Schon zu Schulzeiten in Bulgarien hatte die studierte Volkswirtin ein Interesse an der deutschen Sprache. Denn die zu dieser Zeit noch eingeschränkten Reisemöglichkeiten ließen zumindest Besuche in der DDR und damit die praktische Möglichkeit zu, deutsch sprechen zu können. Nach der siebten Klasse bewarb sich die Schülerin erfolgreich für das deutschsprachige Gymnasium in Sofia. „Das hat meinen Werdegang geprägt.“

Starke deutsche Identität 

Antonia Remmeke fühlt sich gleichermaßen wohl bei den Deutschen, die toleranter seien, und den „gastfreundlicheren Bulgaren“. „Mein bewusstes Leben ist hier, ich habe eine starke deutsche Identität“, sagt sie, „aber das Bulgarische ist da – das kann ich nicht leugnen.“

So geht sie einmal in der Woche nach ihrer Arbeit beim Studierendenwerk zur bulgarischen Volkstanzgruppe in Gievenbeck. Und die beiden Kinder sollen die erste Sprache der Mutter ebenfalls lernen. Aktuell machen sie das bei einer privaten Initiative, vielleicht alsbald beim herkunftssprachlichen Unterricht. Einzig die Berge südlich von Sofia vermisst Antonia Remmeke, dafür schätzt sie die mobile Freiheit, die ihr das Fahrrad in Münster gibt.

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