Batteriezellen-Forschung
Laschet: „Münster ist der ideale Standort“

Düsseldorf -

Angesichts des Booms bei Elektroautos will Nordrhein-Westfalen um einen Spitzenplatz bei Forschung und Produktion von Batteriezellen kämpfen. Die Forschungsfabrik soll nach Münster kommen.

Donnerstag, 09.05.2019, 16:51 Uhr aktualisiert: 09.05.2019, 16:53 Uhr
Bis zu 1000 Mal werden in Münster im Labor des Batterieforschungszentrums „Meet“ Testzellen zyklisiert, das heißt ge- und entladen. Angesichts des zu erwartenden Booms bei Elektroautos bewirbt sich Münster für den Aufbau einer vom Bund mit 400 Millionen Euro geförderten Forschungsfabrik.
Bis zu 1000 Mal werden in Münster im Labor des Batterieforschungszentrums „Meet“ Testzellen zyklisiert, das heißt ge- und entladen. Angesichts des zu erwartenden Booms bei Elektroautos bewirbt sich Münster für den Aufbau einer vom Bund mit 400 Millionen Euro geförderten Forschungsfabrik. Foto: dpa

Mit dieser Mahnung dämpfte Ministerpräsident Armin Laschet am Mittwoch noch mögliche Euphorie: „Die Konkurrenz schläft nicht.“ Aber die Landesregierung ist sich ziemlich sicher, dass Münster extrem gute Chancen hat für den Zuschlag des Bundes. Das Bundesforschungsministerium will rund 400 Millionen Euro in eine industrielle Forschungsproduktion von Batterien investieren.

Es soll nur einen Standort geben. Die Konkurrenz aus Süddeutschland ist stark. Aber für Laschet zählt: „Es war immer klar, Münster ist der richtige Standort.“ Immerhin genieße das Batterieforschungszentrum „Meet“ mit Professor Martin Winter weltweite Anerkennung.

Gemeinschaftsbewerbung mit Aachen und Jülich

Bis zum Ende des Monats werde das Land eine Bewerbung für Münster abgeben, kündigte NRW-Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen an. Es soll eine Gemeinschaftsbewerbung sein, an der sich auch die RWTH Aachen und das Forschungszentrum Jülich beteiligen. Unterstützt werde der Schritt auch von mehreren großen Unternehmen aus NRW. „Wir finden, dass Münster wirklich ein idealer Standort für diese Bewerbung ist“, sagt Pfeiffer-Poensgen.

Denn neben dem Meet mache auch das neue Helmholtz-Institut „Ionics in Energy Storage NRW“ zu einem Schwergewicht der Batterieforschung. Das Land finanziere für Professor Winter zudem ein Graduierten-Kolleg, um den Forschernachwuchs auf hohem Niveau auszu­bilden. „Von Anfang bis Ende kann das Land Spitzen­forschung auf dem Gebiet der Batteriezellen bieten.“

Keiner kann sagen, wie in 50 Jahren Mobilität stattfindet. Aber bei dem, was stattfindet, will Nordrhein-Westfalen dabei sein.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet

Damit umriss die Ministerin zugleich die größere Strategie, die hinter dem Vorstoß steckt. Denn NRW soll nach dem Willen der Landesregierung ein zentraler Standort in Fragen der Elektromobilität werden. Batterie, Brennstoffzelle oder synthetische Kraftstoffe – das Land soll sich technologieoffen aufstellen. „Keiner kann sagen, wie in 50 Jahren Mobilität stattfindet. Aber bei dem, was stattfindet, will Nordrhein-Westfalen dabei sein“, sagte Laschet. So könne es gelingen, dass NRW wie auch bisher mit Forschungsexpertise und führenden Unternehmen in der Wertschöpfungskette bleibe.

Laschets „e-Go“

In Nordrhein-Westfalen  beginne eine Ära, freute sich Ministerpräsident ­Armin Laschet: An diesem Donnerstag rollt bei Aachen der erste „e-Go“ aus der Produktion, ein von RWTH-Professor Gün­ther Schuh ent­wickelter Kleinwagen mit Elektromotor, der jetzt zu Preisen ab 16 000 Euro in ­Serie produziert wird. In Laschets Stimme schwang gestern einige Aufregung mit: Er selbst gehört zu den ersten Abnehmern. Der e-Go werde in den kommenden Tagen aus­geliefert und auch dann erst bezahlt. „Die Rechnung zeige ich ihnen dann“, fügte Laschet schmunzelnd an. Ein Extra sei das mobile Ladekabel für jede ­Steckdose. Als Ministerpräsident werde er aber weiter in schweren Dienstlimousinen chauffiert.  Für den Stadtverkehr in Aachen stehe dann zu Hause das E-Auto zur ­Verfügung.

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Schon jetzt seien viele Entwickler und Hersteller von Technologiebausteinen für Elektrofahrzeuge in Nordrhein-Westfalen beheimatet, erklärte Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP). Eine solche „Hidden-Champions-Strategie“ könne auch in der Batterieproduktion dafür sorgen, dass diese Unternehmen vom weltweiten Boom profitieren.

Bereits 4500 Ladestationen gefördert

Zugleich fördere das Land die notwendige Infrastruktur vor Ort und unterstütze die Kommunen dabei, sich mit einer ausreichenden Lade-Infrastruktur auf den neuen Massenmarkt E-Mobilität vorzubereiten. Bislang seien 4500 Ladestationen gefördert worden, darunter 2400 sogenannte Wallboxes für Wohnhäuser. Zum Förderangebot für Handwerksbetriebe seien 1500 Anträge für 1900 E-Transporter ein­gegangen, sagte Pinkwart.

Unabhängig von der Forschungsfertigung unterstützt die Landesregierung auch die Bemühungen mehrerer Konsortien, eine industrielle Batterieproduktion nach NRW – möglichst für den beginnenden Strukturwandel ins Rheinische Revier – zu bekommen. Euskirchen gilt als ein möglicher Standort. Pinkwart zufolge bemüht sich die Stadt ebenso um die Investition für eine Brennstoffzellen-Produktion unter der Flagge des Bosch-Konzerns. Denn auch auf diesem Feld besitze NRW mit der Uni Duisburg längst die führende Forscherkompetenz in Deutschland.

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