Fakultät feiert 50-jähriges Bestehen
„Fachbereich 4“: Die Wirtschaft ist ganz großes Kino

Münster -

Wissenschaft ist gut, Kino ist besser. Zumindest, wenn es ein Jubiläum zu feiern gilt: Die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, der „Fachbereich 4“, feiert das 50-jährige Bestehen mit einer Serie von Kinofilmen und Diskussionsrunden nach der Vorstellung im Schlosstheater.

Dienstag, 14.05.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 14.05.2019, 18:38 Uhr
Sie diskutierten über den Film „Wall Street“ (v.l.): Moderator Prof. Thorsten Hennig-Thurau, Carmen Giovanazzi, Dekanin Prof. Theresia Theurl und Prof. Andreas Dombret
Sie diskutierten über den Film „Wall Street“ (v.l.): Moderator Prof. Thorsten Hennig-Thurau, Carmen Giovanazzi, Dekanin Prof. Theresia Theurl und Prof. Andreas Dombret Foto: Melina Liethmann

So entspannt können Studierende nur selten lernen: Zum 50. Jubiläum lädt die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität ins Schlosstheater ein. Auf dem Programm: Kinohits rund um das Thema Wirtschaft.

„Die Börse ist ein Marktplatz, auf dem sich zwei Parteien treffen: Eine ist bereit, ein Risiko zu tragen, die andere ist es nicht. Die, die es trägt, wird dafür von der anderen entlohnt – das Problem ist nur, dieses Risiko richtig einzuschätzen.“ In zwei Sätzen schafft Prof. Dr. Dr. h.c. Andreas Dombret es am Montagabend, Oliver Stones Kino-Klassiker „Wall Street“ auch für Nicht-Wirtschaftswissenschaftler anschaulich zusammenzufassen.

Damit ist schon am ersten Abend der Jubiläumswoche des Fachbereichs 4 der WWU gelungen, was die Dekanin Prof. Dr. Theresia Theurl sich anlässlich des 50. Geburtstags vorgenommen hatte: Wirtschaft aus dem Hörsaal hinaus ins Kino – und damit in die Gesellschaft tragen.

Das Schlosstheater bietet die Bühne für die viertägige Jubiläumsfeier. Bis Donnerstag steht jeden Abend ein Filmklassiker rund um verschiedene Themenbereiche der Wirtschaft auf dem Programm. Gefolgt von einer Diskussionsrunde mit ausgewählten Gästen, will der Fachbereich so die Schnittstellen zwischen Kunst, Wirtschaft und Wissenschaft aufzeigen.

Durch den „Wall Street“-Abend führt Prof. Dr. Thorsten Hennig-Thurau. Um die Brücke zwischen Film und Diskussion, Kunst und Wissenschaft zu bauen, stellt er die berühmte Behauptung der Hauptfigur Gordon Gekko – „Gier ist gut“ – infrage.

„Gier ist gut“, erklärt Carmen Giovanazzi, Ökonomin und selbst Absolventin des „FB4“. „Aber eben nur für Wenige. Sie geht zu Lasten eines großen Teils der Gesellschaft.“ Danach dauert es nicht lange, bis sich die Runde dem Thema Finanzkrise widmet. Schelmisch stellt Moderator Hennig-Thurau in dem Saal voller angehender Wirtschaftswissenschaftler die Frage, woher die Volkswirtschaftslehre als wissenschaftliche Disziplin ihre Berechtigung nehme, wenn sie Krisen nicht vorhersehen oder gar verhindern könne.

Carmen Giovanazzi fordert deshalb, an den Universitäten pluralen Ansätzen in der Ökonomik mehr Aufmerksamkeit zu schenken. „Da ist man in Münster genau richtig“, betont Dekanin Theurl. Denn die WWU sei gerade bei alternativen Ansätzen in der Forschung sehr weit vorn.

Trotzdem, mahnt Dombret, gebe es Bedrohungen, deren Ausmaß noch nicht abzusehen sei. „Die nächste Krise wird aus einer anderen Richtung kommen.“ Die Digitalisierung habe auch in der Wirtschaft die Gefahrenlage geändert. „Geld liegt nun nicht mehr in Tresoren, sondern auf Servern.“

Nach Billy Wilders „Eins, Zwei, Drei“ am Dienstag und Bennett Millers „Money Ball“ am Mittwoch zeigt der „FB4“ am Donnerstag „The Social Network“ von David Fincher.

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