Münster im Jahr 2050
So wird Münster „Wert-voll“

Münster -

Ein Wissenschaftler-Team unter Leitung des Wirtschaftswissenschaftlers Prof. Dr. Klaus Backhaus hat im Auftrag der Stadt ein Zukunftsszenario für die Stadtentwicklung erarbeitet. Wer sich ein Rezept erhofft hat, was in Münster zu tun ist, liegt falsch. Spannende Erkenntnisse gibt es aber allemal.

Dienstag, 23.07.2019, 17:30 Uhr
Prof. Klaus Backhaus (r.) und sein Team, hier Madita Pesch (l.) haben für die Stadt eine Szenario-Analyse über Münsters Zukunft erarbeitet.
Prof. Klaus Backhaus (r.) und sein Team, hier Madita Pesch (l.) haben für die Stadt eine Szenario-Analyse über Münsters Zukunft erarbeitet. Foto: Karin Völker

Wie wird Münster in 30 Jahren aussehen, wie wird das Leben in der Stadt sein? Der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Klaus Backhaus von der Universität Münster hat neben seiner Arbeit an der Hochschule viele große Unternehmen, auch Konzerne beraten. Jetzt war die Stadt Münster sein Untersuchungsgegenstand, dessen Zukunftsperspektive er im Rahmen des Projekts „Münsters Zukünfte 2020 – 2030 – 2050“ mit wissenschaftlichen Methoden ausgeleuchtet hat.

„Die Szenarioanalyse ist ein Verfahren, das verschiedene Zukunftsbilder und Strategien für Wunsch- und gegen Horrorszenarien entwickelt“, charakterisiert Prof. Backhaus die verwendete Methodik. Damit sollten Entwicklungen wie etwa in der US-Stadt Detroit verhindert werden, die in nur wenigen Jahren aus einer blühenden Stadt zum Sozialfall wurde, wie Oberbürgermeister Markus Lewe immer wieder mahnend hervorhebt.

Keine scharfen Zukunftsbilder entwerfen

Die Quintessenz: Wenn Münster eine lebenswerte, aufstrebende Stadt bleiben will, müssen alle wichtigen Akteure nicht nur einem Strang ziehen: „Sie müssen auch an einem Ende ziehen“, sagt Backhaus.

Der Professor will keine Prognosen, keine scharfen Zukunftsbilder entwerfen – es gelte aber, bei wichtigen Entscheidungen „Leitplanken zu beachten, die Münster in der Erfolgsspur halten“, wie er sagt.

16.500 Befragte

Die Grundlage der Analyse haben die Münsteraner selbst geliefert. 16.500 Menschen aus der Stadt haben die Frage beantwortet, welche Einflussfaktoren die Position Münsters in Jahr 2050 am stärksten bestimmen. Aus einer langen Liste von Antworten destillierten Backhaus und sein Team 20 Schlüsselfaktoren für die Stadtentwicklung, darunter Faktoren wie das Bildungsniveau, die Altersstruktur der Bevölkerung, die Wettbewerbsfähigkeit der Stadt, die Werte der Stadtgesellschaft oder die Vielfalt der Lebensformen. „Dazu haben wir Experten zu Workshops eingeladen“, erläutert Madita Pesch aus dem Projektteam.

Das bemerkenswerte Ergebnis, das Backhaus aus anderen Szenario-Analysen nicht kennt: Für Münster ergibt sich nur eine einzige erstrebenswerte Perspektive, die Backhaus mit „Wert-volles Münster“ beschreibt. Das „Wert-volle Münster“ hat große und erfolgreiche Hochschulen, gleichzeitig eine dynamische Wirtschaft, genügend bezahlbaren Wohnraum, die Bevölkerung wächst und das Zusammenleben ist durch Offenheit und Solidarität geprägt.

Kirchturmdenken muss ein Ende haben

Die weniger erwünschten oder unerwünschten Szenarien sind „das selbstzufriedene Münster“, das sich nicht entwickelt hat, „das erstarrte Münster“ und – schlimmer noch – „das verwelkte Münster“. Letzteres schrumpft, die Hochschulen haben an Bedeutung verloren.

Die wichtigste Botschaft des Wissenschaftler-Teams um Backhaus: Allen, die in Münster und auch der Region Einfluss wahrnehmen. müssen Probleme miteinander lösen – und dabei Eigeninteressen hintan stellen. Beispiel: So müsse nicht nur die Stadt wirtschaftsfreundliche Bedingungen schaffen, auch die Wirtschaft müsse etwas für die Stadt leisten. Ganz wichtig: Das Kirchturmdenken in der ganzen Region muss aufhören, Münster und das Münsterland müssen sich als Einheit verstehen und mit Blick auf das Wohl aller gemeinsam Probleme lösen.

Was sind aktuelle und konkrete Wegmarken, an denen sich die Zukunft Münsters in die eine oder andere Richtung bewegt? Backhaus nennt die Debatte um den Musikcampus: Das ist ein Projekt, das die Bildungs- und Kulturstadt Münster „unbedingt“ benötige. „Die Entscheidung eines Musikcampus darf nicht an einer kleinlichen Standortdebatte scheitern“, betont Backhaus. Wie sollen die Vorschläge nun umgesetzt werden? Der Ball liegt jetzt bei den Akteuren der Stadtgestaltung, sagt Backhaus.

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