KZ-Überlebender in Riga
Auch mit 94 kämpft er für die Erinnerung

Münster/RIGA -

Der frühere münsterische Bundestagsabgeordnete Winfried Nachtwei hat in Riga den KZ-Überlebenden Margers Vestermanis getroffen. Seit Jahrzehnten widmet sich der 94-Jährige der Erinnerungsarbeit.

Sonntag, 11.08.2019, 18:00 Uhr
Winfried Nachtwei (l.) traf den ehemaligen Ghetto- und KZ-Häftling Margers Vestermanis.
Winfried Nachtwei (l.) traf den ehemaligen Ghetto- und KZ-Häftling Margers Vestermanis. Foto: privat

Mit dem 94-jährigen ehemaligen Ghetto- und KZ-Häftling Margers Vestermanis traf Winfried Nachtwei , früherer Bundestagsabgeordneter der Grünen aus Münster, im Rahmen einer Delegationsreise des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Riga (Lettland) zusammen. Kennengelernt hatten sich die beiden im Sommer 1989, als Nachtwei bei einer ersten Riga-Reise den Aufbruch der baltischen Unabhängigkeitsbewegung erlebt hatte und auf die Spuren des früheren Ghettos gestoßen war, heißt es in einer Pressemitteilung.

In das „Reichsjudenghetto“ waren 1941/42 390 jüdische Menschen aus dem Münsterland und viele Tausende aus dem Deutschen Reich deportiert worden. Die meisten wurden im Wald von Bikernieki erschossen oder starben an den Haftbedingungen. Damals erinnerte vor Ort, aber auch an den deutschen Herkunftsorten, nichts an das Schicksal der Verschleppten.

Nach jahrzehntelangem Verschweigen des Holocaust unter der Sowjetherrschaft öffnete sich mit der friedlich erkämpften Unabhängigkeit der baltischen Staaten die Erinnerung. Historiker Vestermanis konnte endlich frei forschen, publizieren und mit dem Aufbau des Museums „Juden in Lettland“ beginnen. Mit Hilfe des Volksbundes und des Deutschen Riga-Komitees, zu dessen 13 Gründungsstädten auch Münster gehörte, konnte 2001 an den 55 Massengräbern von Bikernieki eine würdige Gedenkstätte eingeweiht werden. Inzwischen gehören 61 Städte zum Riga-Komitee, davon allein 26 aus dem Regierungsbezirk Münster. Alljährlich organisiert der Volksbund internationale Workcamps mit Jugendlichen in Riga. Dutzende Gedenkreisen führten dorthin, viele geleitet vom münsterischen Historiker Matthias Ester. Die meisten trafen mit Margers Vestermanis zusammen. Es waren immer unvergessliche Begegnungen.

Sein Kampf für die Erinnerung geht auch in seinem 95. Lebensjahr weiter. Seit Jahren arbeitet er an einem großes Buch über die fast 600 „Judenretter“ in Lettland. Bald soll es erscheinen, heißt es in der Pressemitteilung weiter.

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