Digitalpakt Schule
Der Jugendrat hat viele Fragen

Münster -

Der Bund will mit den Milliarden-Förderung im Rahmen des Digitalpakts Schule die Digitalisierung des Unterrichts voranbringen. Die Mitglieder des Jugendrates in Münster haben dazu viele Fragen.

Donnerstag, 15.08.2019, 19:30 Uhr
Der Jugendrat will wissen, wie die Mittel des Digitalpaktes Schule nun konkret in Münster umgesetzt werden.
Der Jugendrat will wissen, wie die Mittel des Digitalpaktes Schule nun konkret in Münster umgesetzt werden. Foto: dpa

Lasse Loskant hat im Moment Ferien, doch der „Digitalpakt Schule“ treibt den angehenden Elftklässler vom Ratsgymnasium um. Er ist auch Vorstandsmitglied des Jugendrates – und der betrachtet das Thema Digitalisierung an den Schulen schon seit vielen Jahren mit wenig Freude.

Das sagt Noah Börnhorst, schon mehrere Jahre Mitglied des Jugendrates, der das Gremium im Ausschuss für Schule und Weiterbildung vertritt. Börnhorst hat gerade sein Abitur gemacht, aber die vielen Unzulänglichkeiten bei der digitalen Ausstattung und Umsetzung digitaler Konzepte in den Schulen treiben ihn weiter um. Zusammen mit Lasse Loskant stellte er am Donnerstag einen Fragenkatalog vor, den der Jugendrat nun an den städtischen Schuldezernenten Thomas Paal gerichtet hat.

Was passiert mit dem Geld?

Unter anderem will der Jugendrat wissen, wie die Vergabe des Geldes – insgesamt 5,5 Milliarden Euro werden im Rahmen des „Digitalpaktes Schule“ vom Bund bereitgestellt – an die Schulen konkret ablaufen solle. „Allein die münsterischen Berufskollegs haben kürzlich einen Bedarf von acht Millionen Euro im Schulausschuss angemeldet“, sagt Noah Börnhorst. Er ist sicher, dass nicht alle Mängel durch die Mittel des Digitalpaktes behoben werden können. „Das ist kein Allheilmittel“, sagt er.

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Noah Börnhorst (l.) und Lasse Loskant sind Mitglieder des Jugendrates. Sie wollen wissen, wie die Mittel des Digitalpaktes Schule nun konkret in Münster umgesetzt werden. Foto: Karin Völker

Dass die münsterischen Schulen mittlerweile ans WLAN angeschlossen sind, und damitdie Grundlage für digital unterstützten Unterricht gegeben sei, beurteilt der Jugendrat als positiv. „Die Schulen brauchen aber noch viel mehr Unterstützung“, sagen die Jugendlichen, denn die Voraussetzungen und der Stand der Digitalisierung seien an einzelnen Schulen sehr unterschiedlich. „Es kommt sehr auf das individuelle Engagement und das Know-how einzelner Lehrer an“, sagt Börnhorst.

"Viel zu wenig"

Nur 20 Prozent der Mittel aus dem Digitalpakt dürfen für Endgeräte ausgegeben werden – und daran mangele es an vielen Schulen, so die Jugendlichen. Hier sehen sie den Schulträger Stadt Münster in der Pflicht. Die Stadt gebe derzeit pro Jahr und Schüler 7,50 Euro für Digitalisierung aus, „viel zu wenig“, meinen die beiden Jugendratsmitglieder.

Sie stellen auch die Frage nach einem Zeitplan für die Umsetzung der Mittel aus dem Digitalpakt – und ob einheitliche Standards für Hard- und Software entwickelt werden.

Datenschutz als ungeklärtes Problem

Der Jugendrat hat auch Zweifel, ob die derzeitigen personellen Ressourcen in der Verwaltung reichen, um Verteilung und Koordination der Mittel zu bewerkstelligen, und fragen die Stadt, ob dafür zusätzliche Stellen geschaffen werden.

Noah Börnhorst und Lasse Loskant sind sich sicher, dass mit Zunahme der Digitalisierung „der IT-Support-Bedarf der Schulen steigen wird“, und fragen auch, wie die Stadt diesem Bedarf begegnen werde.

Weit weg von der Realität

Ein weiteres ungeklärtes Problem sieht der Jugendrat beim Datenschutz. Wie solle gewährleistet werden, dass das Schul-WLAN auch nur für schulische Zwecke genutzt werde.

Wenn Schüler das eigene Smartphone im Unterricht nutzten, sei dies nur schwer vorstellbar. Und davon, dass Schulen ihre Schüler komplett mit Tablet-Computern ausstatten, sei die Realität noch sehr weit entfernt. Schließlich bleibe noch das Thema Lehrerfortbildung und -Qualifikation. Noah Börnhorst blickt auf seine Schuljahre zurück und stellt fest: „Für die pädagogische Umsetzung digitaler Angebote im Unterricht sind viele Lehrer nicht hinreichend vorbereitet.“ Hier fehle Unterstützung.

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