Diskussionsabend der Wirtschaftsinitiative Münster
Nachwuchs finden, wo keiner sucht

Münster -

Fachkräfte sind Mangelware, Bewerber auch. Unternehmen müssen neue Wege gehen, um gute Mitarbeiter zu finden. Die Wirtschaftsinitiative Münster hat bei einem Diskussionsabend aufgezeigt, wie das klappen kann.

Dienstag, 10.09.2019, 16:00 Uhr aktualisiert: 10.09.2019, 17:58 Uhr
Unternehmenschef Ingo Niggemann (l.) hat mit Jonas Görges ein verstecktes Talent gefunden und gefördert.
Unternehmenschef Ingo Niggemann (l.) hat mit Jonas Görges ein verstecktes Talent gefunden und gefördert. Foto: Pjer Biederstädt

Jonas Görges war nach eigenem Bekunden nicht gerade das, was man unter einem Musterschüler versteht. 2004 kam er auf die Waldschule in Kinderhaus, „ich war aber nicht so oft da“, erzählt der 25-Jährige. Wenn seine Eltern morgens aus der Tür gingen, habe es nicht lange gedauert, bis er aus der Schule dorthin zurückkehrte. „Ging aber nicht lange gut“, erinnert sich Görges.

Zurück in die Spur

Ein Praktikum beim Glasbauer Niggemann hat ihn wieder zurück in die Spur gebracht. Er hatte etwas gefunden, das ihm Spaß machte, wofür es sich zu büffeln lohnte. Jahrgangsbester, Aus bildung bei Niggemann, Wechsel ins Büro, Leiter der internen Produktion, Disposition vom Chef übernommen – Görges Weg vom mäßigen Hauptschüler zum Führungskräfteanwärter hat viel mit ihm zu tun – aber nicht nur.

Katharina Neuroth, Vorsitzende der Wirtschaftsinitiative Münster, begrüßte die Gäste in einem Kinosaal des Schloßtheaters.

Katharina Neuroth, Vorsitzende der Wirtschaftsinitiative Münster, begrüßte die Gäste in einem Kinosaal des Schloßtheaters. Foto: Pjer Biederstädt

Talente auf den zweiten Blick

Ingo Niggemann, Chef von Görges, erzählt am Montagabend im Schloßtheater im Kreuzviertel, wie er und sein Bruder Dirk in ihrem Handwerksbetrieb versuchen, in Zeiten des Fachkräftemangels Talente zu entdecken, die als solche nicht unbedingt auf den ersten Blick erkennbar sind. Eingeladen hatte ihn die Wirtschaftsinitiative Münster (WIN). Der Verein, ein Netzwerk lokaler Unternehmen, bot einen Diskussionsabend aus der Reihe „Arbeit 4.0“ mit dem Untertitel „Nachwuchs heben, wo keiner sucht“ an.

Stärken entdecken – Potenziale entwickeln

Zu Beginn legte Prof. Dr. Christian Fischer, Leiter des Internationalen Centrums für Begabungsforschung an der Universität Münster, mit einem Impuls-Vortrag die Grundlage für die Diskussion. Menschen mit offensichtlichen Schwächen hätten oft in anderen Bereichen Stärken, die es zu entdecken gelte, so Fischer. Unternehmen müssten aber auch die Voraussetzungen schaffen, um die Potenziale zu entwickeln.

Prof. Dr. Christian Fischer, Psychologe und Leiter des Internationalen Centrums für Begabungsforschung an der Universität Münster, hielt einen Impuls-Vortrag.

Prof. Dr. Christian Fischer, Psychologe und Leiter des Internationalen Centrums für Begabungsforschung an der Universität Münster, hielt einen Impuls-Vortrag. Foto: Pjer Biederstädt

Genau das hat Niggemann getan: Ihm zufolge müssen sich Betriebe ernsthaft darum bemühen, den Menschen, der da kommt, kennenzulernen. Sein Betrieb hat extra Azubi-Betreuer installiert, die sich kümmern. Außerdem brauche es eine persönliche Beziehungsebene. „Ich war zu Beginn der Ausbildung 16“, erzählt Görges. Seine Vorgesetzten habe er eher in einer Vorbild- oder Vaterrolle gesehen als in einer Chefrolle.

Noten sind nicht alles, dahinter sind auch Menschen.

Guido Wiggerink, Realschule Wolbeck

Die WIN hatte zwecks Perspektivwechsels auch Lehrer eingeladen. „Noten sind nicht alles, dahinter sind auch Menschen“, appellierte Guido Wiggerink von der Realschule Wolbeck an die Unternehmer. Kristina Thies vom Overberg-Kolleg warb für mehr Kontakt zwi schen Schulen und Betrieben: „Kommen Sie in den Unterricht“, so ihre Einladung.

Den fruchtbaren Austausch, kurzweilig moderiert von Dr. Wiebke Borgers, setzten die Teilnehmer nach eineinhalb Stunden im Foyer fort. Dort freute sich Katharina Neuroth, Vorsitzende der WIN, über den regen Zuspruch. Jetzt müsse man im nächsten Schritt überlegen, in welchem Format die WIN dieses Thema in Zukunft vertieft, so Neuroth.

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