Musik-Campus
Warten auf den Grundsatzbeschluss

Münster -

Zahlreiche Detailfragen gibt es zum Musik-Campus. Antworten kann es erst geben, wenn der politische Grundsatzbeschluss gefallen ist, sagt OB Lewe. Auch zu den Investitionskosten.

Samstag, 28.09.2019, 18:00 Uhr
Für OB Lewe wäre der Musik-Campus ein „herausragender Meilenstein“.
Für OB Lewe wäre der Musik-Campus ein „herausragender Meilenstein“. Foto: Matthias Ahlke

Der Rat ist gefragt, nur der sieht im Moment noch jede Menge Beratungsbedarf und schiebt deshalb mögliche Beschlüsse in den Fachausschüssen: Das Land NRW, aber auch die Stadtverwaltung warten auf eine Grundsatzentscheidung zu dem möglichen Bau eines gemeinsamen Musik-Campus von Westfälischer Wilhelms-Universität ( WWU ) und Stadt Münster.

Oberbürgermeister Markus Lewe macht von diesem entscheidenden Beschluss, der am 9. Oktober fallen soll, die dringend erforderliche Detailplanungen vor allem auch mit Blick auf die Gesamtkosten abhängig. Das geht aus einem Antwortschreiben Lewes an den Fraktionssprecher der Grünen, Otto Reiners, hervor, der einen Fragenkatalog in das Stadthaus 1 geschickt hatte.

Eine Investitionssumme von über 200 Millionen Euro, darunter städtische Kosten von 60 bis 80 Millionen Euro, stehen im Raum. „Definitive Aussagen zu den Kosten sind aus Sicht der Stadt zurzeit noch nicht seriös zu treffen, die Planungen befinden sich noch im Anfangsstadium“, schreibt Lewe den Grünen. Da der Gesamtkostenumfang des Projektes noch nicht feststehe, könne es dementsprechend noch keine Finanzzusagen des Landes geben.

Geklärt sei, dass die beiden Partner die Kosten in dem Rahmen tragen, in dem sie den Musik-Campus nutzen. Heißt: Die Stadt übernimmt die Investitionen der Gebäude für die Westfälische Schule für Musik und das Sinfonieorchester, das Land für die Musikhochschule. Für die gemeinsamen Einrichtungen fehlt noch der genaue Kostenschlüssel.

Lewe bezeichnet das Projekt, einen gemeinsamen Musik-Campus für die Westfälische Schule für Musik und das Sinfonieorchester der Stadt, für die Musikhochschule der Universität, aber auch für Münsters freie Szene zu schaffen, als einen „herausragenden Meilenstein“. Herzstück soll ein Saal mit 1200 Plätzen sein. „Unser Anspruch ist es, einen erstklassigen Konzertsaal zu bauen, der auch für Konferenzen genutzt werden kann“, so Lewe. Eine Hybridlösung sei nicht vorgesehen.

NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen hatte gegenüber unserer Zeitung einen Multifunktionssaal ausgeschlossen. „Gestärkt durch die klaren Worte von Frau Pfeiffer-Poensgen gilt es nun, das Projekt Musik-Campus weiter voranzutreiben und eine gemeinsame Geber-Konferenz in Angriff zu nehmen“, heißt es in dem Antwortschreiben.

Durch den gemeinsamen Bau eines Musik-Campus von Stadt und Universität ergeben sich laut Lewe „wertvolle und vielschichtige Synergien“. Diese könnten durch ein Kultur- und Bildungsforum auf dem Hörster Parkplatz nicht realisiert werden, da die vorgesehenen Nutzungen nicht in gleicher Weise harmonierten.

Unabhängig davon entwickelt die Stadt das Konzept der Volkshochschule (VHS) mit Blick auf die sich verändernden Anforderungen an Bildung, aber auch das Ziel, einen innerstädtischen Ort für Begegnung und Diskurs zu schaffen, weiter. Die Standortwahl sei von der künftigen konzeptionellen Arbeit der VHS abhängig. Eine Vorfestlegung auf den Hörster Parkplatz sei damit nicht verbunden.

Für die Entwicklung eines Betreiber- und Trägermodells für den Musik-Campus ist laut Lewe auch der Grundsatzbeschluss der Politik erforderlich. Die Stadt geht von einer permanenten Auslastung vor allem der Konzertsäle aus. Das Betriebskonzept sei Grundlage für die Standortwahl. Favorisiert ist das Grundstück des ehemaligen WWU-Institutes für Pharmazie an der Ecke Einsteinstraße/Hittorfstraße.

Freie Musikszene hält sich bedeckt

Münsters freie Musikszene gibt zu einem Musik-Campus zum jetzigen Zeitpunkt kein klares Signal für oder gegen die Einrichtung. Das geht aus einer Stellungnahme der Initiative „moNOkultur – Bündnis der Freien Szene Münster“ hervor. Insbesondere der Bereich der freien Musikszene und „muensterbandnetz.de“ (stellvertretend für eine große Bandbreite von Nachwuchsbands bis hin zu professionell arbeitenden Musiker und Gruppen) zeigen großes Interesse, könnten aber kein Signal geben, da sie nicht in die Planungsgespräche eingebunden seien. Zum jetzigen Zeitpunkt gebe es weder ein detailliertes Nutzungskonzept noch sei das spätere Betriebsmodell klar. Vertreter einer städtischen Planungsgruppe hätten beiden Interessensvertretungen in der vergangenen Woche erstmals das bisherige Konzept rudimentär vorgestellt und eine mögliche Kooperation in Aussicht gestellt. Mögliche Synergieeffekte seien in Ansätzen diskutiert und eine Beteiligung an dem weiteren Gestaltungsprozess angeboten worden. In direktem Anschluss sei im Kulturausschuss die Kooperation mit der freien Szene benannt und bereits von einer Zustimmung gesprochen worden. „Ohne einen fundierten Kenntnisstand möchten wir uns deutlich von dieser Formulierung distanzieren. Wir sehen ansonsten die Gefahr, dass der Begriff ,Freie Szene‘ benutzt wird, um die Durchsetzung des Projektes zu rechtfertigen“, heißt es. Die Interessensvertretungen sähen durchaus das Potenzial und die Chancen für die Musik-Szene, die mit diesem Projekt verbunden seien. „Gleichzeitig können wir aber nicht die ungeklärten grundlegenden Fragen und die nicht absehbare Tragweite für die Zukunft der gesamten Kulturlandschaft missachten.“

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