Mieterverein und Mieterbund bestehen 100 Jahre
Bezahlbarer Wohnraum fehlt

Münster -

Ja, die Politik habe mittlerweile erkannt, dass viele neue Wohnungen in Deutschland gebaut werden müssten. Allein: Das Thema sei über Jahrzehnte verpennt worden, sagte Lukas Siebenkotten, Präsident des Deutschen Mieterbundes, während der Feier zum 100-jährigen Bestehen des Verbandes.

Sonntag, 06.10.2019, 21:00 Uhr
Mit dem Mietertag NRW im Hotel Mövenpick endete die Jubiläumsfeier des Mietervereins und des Mieterbundes anlässlich des 100-jährigen Bestehens.
Mit dem Mietertag NRW im Hotel Mövenpick endete die Jubiläumsfeier des Mietervereins und des Mieterbundes anlässlich des 100-jährigen Bestehens. Foto: hpe

Über Jahre hätte die Politik versäumt, sich ausreichend um den Bau neuer Wohnungen zu kümmern – „Parteien jeglicher Couleur haben das schlichtweg verpennt“, sagte Lukas Siebenkotten , Präsident des Deutschen Mieterbundes (DMB), während der Feier zum 100-jährigen Bestehen des Verbandes am Freitag.

Nachdem Mieterbund und hiesiger Mieterverein bei einem Pressegespräch am Freitag Stellung zur Lage am Wohnungsmarkt bezogen hatten (wir berichteten), war die Situation auch beim Festakt am Freitagabend in der Rüstkammer des Rathauses ein zentrales Thema.

Forderung nach mehr Förderung

„Die Politik hat das Problem, dass es für viele Leute nicht mehr genug bezahlbaren Wohnraum gibt, mittlerweile erkannt. Aber das ist immer noch nicht genug, vor allem im Bereich der Sozialwohnungen. Wir brauchen mehr Förderung“, erklärte Siebenkotten, der in der Aaseestadt aufwuchs und im Rheinland lebt.

Siebenkotten nannte Zahlen: Pro Jahr gingen bundesweit 80 000 bis 100 000 Sozialwohnungen „verloren“ er, weil sie nach 20 Jahren aus gefördertem Bestand in den normalen Wohnungsmarkt entlassen würden. Zugleich würden 25 000 solcher Wohnungen neu gebaut.

Es ist ein riesiges Defizit entstanden.

Lukas Siebenkotten, Präsident des Deutschen Mieterbundes

„Es ist ein riesiges Defizit entstanden. 1985 gab es 3,5 Millionen Sozialwohnungen, heute sind es 1,1 Millionen“, so Siebenkotten. Der Mieterverein Münster, der wie der DMB seit 100 Jahren besteht, habe „stetig an Mitgliedern zugelegt, durch harte Kernarbeit und gute Beratung“.

Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, äußerte sich zu ökologischen Aspekten des Wohnens. Ihr sei wichtig, „dass Umweltschutz nicht zu sozialen Härten führt“. Als Anreiz im Klimaschutzprogramm der Bundesregierung für das Einsparen von Kohlendioxid werde Heizen zum Teil teurer, weil „wir wollen, dass effizientere Heizungen eingebaut werden“.

Bezahlbares Wohnen wird zum Glücksspiel

Bürgermeisterin Beate Vilhjalmsson erklärte zwar, dass „eine bezahlbare Wohnung in Münster zu finden, für viele einem Glücksspiel“ gleiche. Für die Stadt stünden bei der Arbeit am Wohnungsmarkt aber soziale Aspekte „im Vordergrund“.

Die Entwicklung des DMB Mietervereins Münster und Umgebung seit seiner Gründung zeichnete der Vorsitzende Hubert Berning nach. Er bedankte sich bei Mitarbeitern, Rechtsberatern und Mitgliedern für ihre jahrelange, beziehungsweise jahrzehntelange Treue.

Das Treffen endete am Samstag mit dem Mietertag NRW. Landesvorsitzender Hans-Jochem Witzke wurde dabei im Amt bestätigt.

Interview mit Jutta Pollmann (Geschäftsführerin des Deutschen Mieterbunds Mieterverein Münster und Umgebung e.V.)

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