Münsteraner führen bei Expo Real viele Gespräche
Trio treibt die Konversion an

MÜNSTER/MÜNCHEN -

Im fernen München werden derzeit die Weichen für zwei der größten Bauprojekte in Münster in jüngerer Zeit gestellt. Denn auf der Messe Expo Real finden Dr. Christian Jaeger (Wohn- und Stadtbau), Konversionsmanager Stephan Aumann und Rechtsanwalt Michael Hoppenberg derzeit viele Partner für die Konversion der Kasernen in Gievenbeck und Gremmendorf.

Montag, 07.10.2019, 18:30 Uhr aktualisiert: 07.10.2019, 19:13 Uhr
Die Konversion der ehemaligen Kasernen-Areale in Münster – hier die York-Kaserne – ist bei der „Expo Real“ in München ein Thema für (kl. Bilder v.l.) Dr. Christian Jaeger, Stephan Aumann und Michael Hoppenberg.
Die Konversion der ehemaligen Kasernen-Areale in Münster – hier die York-Kaserne – ist bei der „Expo Real“ in München ein Thema für (kl. Bilder v.l.) Dr. Christian Jaeger, Stephan Aumann und Michael Hoppenberg. Foto: Matthias Ahlke / kb

Michael Hoppenberg ist Rechtsanwalt und berät Städte, die – nach dem Vorbild Münsters – nicht mehr benötigte Kasernen vom Bund erwerben möchten. Dr. Christian Jaeger , Geschäftsführer des Unternehmens Wohn- und Stadtbau, ist auf der Suche nach Architekten und Baudienstleistern, die er dazu animieren möchte, sich an Wettbewerben zur Bebauung der York- und der Oxford-Kaserne zu beteiligen. Stephan Aumann schließlich ist der Konversionsmanager der Stadt. Er will Gespräche führen mit Projektentwicklern, die nicht nur Häuserblocks anbieten, sondern dazu auch ein Car-Sharing-System für künftige Bewohner.

Hoppenberg, Jaeger und Aumann beackern alle auf irgendeine Art und Weise das Thema Konversion – und sie treffen sich derzeit auf der „ Expo Real “ in München, der weltweit größten Messe für Immobilien und Investitionsvorhaben. „Viele meiner Gesprächspartner kommen selbst aus Münster oder dem Münsterland“, bringt es Christian Jaeger auf den Punkt, „aber ich spreche mit ihnen hier in München, weil halt alle aus der Branche zur Messe kommen.“

Michael Hoppenberg hat maßgeblich den Vertrag erarbeitet, mit dem die Stadt Münster die beiden Kasernen in Gremmendorf und Gievenbeck von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), einer Behörde des Bundesfinanzministeriums, erworben hat. Da der Vertrag inzwischen als Mustervertrag gilt, haben auch die Städte Paderborn, Bielefeld, Herford, Gütersloh und Detmold die Kanzlei Wolter-Hoppenberg damit beauftragt, für sie mit der Bima über den Ankauf von Konversionsflächen zu verhandeln. Die Gespräche mit der Bima, so Rechtsanwalt Hoppenberg, seien nicht zuletzt deshalb so anstrengend, weil der Bund konsequent versuche, die (finanziellen) „Risiken bei den Kommu nen abzuladen“.

Die beliebte Selbstdarstellung des Bundesfinanzministeriums als „Wohltäter der Städte und Gemeinden“ kann Hoppenberg nach zahllosen Verhandlungsrunden nur noch mit einem gequälten Lachen quittieren. Schon bei den Konversionsverhandlungen in Münster habe er die Erfahrung gemacht, dass es das Ziel der Bima sei, „die Konversionsflächen mit einem möglichst großen Vorteil für den Bund zu verkaufen“.

Die Kasernen flächen in Grem mendorf und Gievenbeck hat die Bima im Frühjahr 2018 an die Stadt Münster verkauft. Je Sozialwohnung wurde dabei ein Rabatt von 25 000 Euro gewährt. Davon profitiert nicht zuletzt Dr. Jaeger, der allein in Gremmendorf 450 Sozialwohnungen errichten möchte. „Natürlich freue ich mich über diese Vergünstigung, aber zur Wahrheit gehört auch, dass es ansonsten überhaupt nicht gegangen wären.“

Jaeger ist gerade dabei, die Wohn- und Stadtbau auf das größte je in der Unternehmensgeschichte realisierte Bauvorhaben (über 900 Wohnungen in den beiden ehemaligen Kasernen) vor zubereiten. Üb licherweise vergibt die Wohn- und Stadtbau bei Neubauten sämtliche Gewerke an externe Unternehmen, behält jedoch die Planung und Steuerung in eigener Hand. „Das geht bei Projekten dieser Größenordnung natürlich nicht mehr“, so Jaeger. Sprich: Es wird noch mehr vergeben als sonst. Wie man die damit verbundenen Risiken minimiert, darum geht es unter anderem in München.

Stephan Aumann steht vor einem ganz anderen Problem. Er ist für sämtliche Kon versionsflächen zuständig, die weder von der Wohn- und Stadtbau noch von der Stadt selbst bebaut werden. Für den Konversionsmanager wäre es nach eigenem Bekunden ein Leichtes, die verbleibenden Baufelder „innerhalb weniger Tage zu vermarkten, so groß ist die Nachfrage“.

Genau das sei aber nicht das Ziel der Stadt. Aumann sucht vielmehr viele kleinere Projektentwickler, die mit ganz unterschiedlichen Architektur- und Nutzungskonzepten aufwarten. „Das können beispielsweise auch Wohngruppen und Genossenschaften sein.“

Unterschiedliche Herangehensweisen seien auch deshalb erforderlich, weil in Teilen der verbliebene Gebäudebestand in den beiden Kasernen neu genutzt werden soll. „Was macht man mit einer alten Fahrzeughalle?“, sei da eine von vielen Fragen.

Am Ende des Tages muss aber auch Stephan Aumann der Stadt die „schwarze Null“ liefern. Sprich: Über die Vermarktung der Baufelder muss Aumann das Geld wieder einnehmen, das die Stadt zuvor dem Bund für die Kasernen bezahlt hat. Ironie der Geschichte: Der Bund forderte nicht zuletzt deshalb so viel Geld von der Stadt, weil es auch in Berlin heißt: „Die Null muss stehen.“

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