Vor 75 Jahren: Münsters Wahrzeichen wird zerstört
Als das Rathaus in Flammen aufging

Münster -

Vor 75 Jahren, am 28. Oktober 1944, wurde Münsters Wahrzeichen ein Opfer der Fliegerbomben. Das Rathaus stand in Flammen, später stürzte ein Großteil der Fassade auf den Prinzipalmarkt. Doch schon unmittelbar nach Kriegsende wurde der Wiederaufbau in Angriff genommen.

Montag, 28.10.2019, 07:00 Uhr
Vor 75 Jahren, am 28. Oktober 1944, wurde das historische Rathaus am Prinzipalmarkt zerstört. Die Aufnahme zeigt das Gebäude um 1890.
Vor 75 Jahren, am 28. Oktober 1944, wurde das historische Rathaus am Prinzipalmarkt zerstört. Die Aufnahme zeigt das Gebäude um 1890. Foto: Stadtmuseum Münster

28. Oktober 1944. Erneut wird Münster aus der Luft bombardiert, doch der Angriff, der sich an diesem Tag ereignet, trifft die ohnehin schon schwer beschädigte Stadt mitten ins Herz.

Er beginnt um 14.24 Uhr und dauert knapp 20 Minuten. Als die Flieger wieder abdrehen, steht das historische Rathaus – neben dem Dom das Wahrzeichen der Stadt – in Flammen. Weitere vier Stunden später, gegen 18.25 Uhr, stürzt der gotische Giebel ein und schlägt krachend auf dem Pflaster des Prinzipalmarktes auf.

„Die Pracht des 600 Jahre alten Rathauses war dahin“, kommentiert der münsterische Historiker Bernd Haunfelder die Ereignisse vom 28. Oktober 1944.

Das Rathaus und das Stadtweinhaus unmittelbar nach dem verheerenden Angriff vom 28. Oktober 1944.

Das Rathaus und das Stadtweinhaus unmittelbar nach dem verheerenden Angriff vom 28. Oktober 1944. Foto: Stadtmuseum Münster

Erst am Tag darauf zeigt sich das ganze Ausmaß der Schäden. Lediglich die unteren Bögen, zwei Maßwerkfenster des ersten Stockwerks sowie die Kellerräume haben den Luftangriff unbeschadet überstanden. Für viele Münsteraner ist die Zerstörung ihres Rathauses ein Schock. Das wertvolle, aus dem 16. Jahrhundert stammende Inventar der Ratsstube und des Friedenssaales mit der historischen Holzvertäfelung ist zum Glück zuvor zum Schloss Wöbbel im Kreis Detmold in Sicherheit gebracht worden. Es kehrt 1947 nach Münster zurück.

Für Münster war die Krieg mit diesem schicksalhaften Tag noch lange nicht zu Ende. Weitere Luftangriffe folgten bis zum Frühjahr 1945. Insgesamt wurde die Stadt zwischen 1940 und 1945 mehr als 100 Mal aus der Luft attackiert, teils durch britische Flieger, teils durch amerikanische. Die meisten Opfer forderte ein Tages-Luftangriff der US Air Force am 10. Oktober 1943, damals starben 473 Zivilisten und 200 Soldaten.

Innerhalb des Promenadenrings waren bei Kriegsende 90 Prozent der Bausubstanz zerstört oder stark beschädigt – darunter das Rathaus, das einst von Kunst-Kennern als „an Größe und Ausführung hervorragendstes Werk Westfalens“ gefeiert wurde.

Das Rathaus heute. Bereits unmittelbar nach Kriegsende begannen die Planungen für den Wiederaufbau.

Das Rathaus heute. Bereits unmittelbar nach Kriegsende begannen die Planungen für den Wiederaufbau. Foto: Oliver Werner

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges fehlte es den Menschen in Münster am Nötigsten. Die Behebung existenzieller Not stand im Vordergrund – nicht der Wiederaufbau von Denkmälern. Der münsterische Architekt Heinrich Ostermann schätzte die Chance für den Wiederaufbau des Rathauses 1945 nur als gering ein. „Ein Wiederaufbau würde praktisch eine Kopie des alten Rathauses werden, welche nicht den künstlerischen Wert des alten Gebäudes haben würde und von der Stadt Münster vielleicht erst nach Jahrzehnten finanziert werden könnte.“

Diese Aussage war indes schnell überholt. Bereits 1946 wurden die Rufe nach einer Rekonstruktion lauter. Es schloss sich eine mehrjährige Diskussion an, bei der sich sowohl Anhänger eines streng am Original orientierten Rathauses wie auch Anhänger eines Gebäudes mit neuer Gestalt zu Wort meldeten.

Erste Arbeiten begannen 1948, Anlass war die bevorstehende 300-Jahr-Feier des Westfälischen Friedens. Am 26. Mai 1948 beauftragte der Rat dann drei Architekturbüros, sich Gedanken über einen Wiederaufbau zu machen.

1949 beschloss der Rat, Heinrich Bartmann mit der Innenraumgestaltung und Heinrich Benteler mit der Fassadengestaltung zu beauftragen. 1950 entschied sich der Verein der Kaufmannschaft zu Münster von 1835 unter seinem Vorsitzenden Dr. Friedrich Leopold Hüffer, das Projekt zu unterstützen. Der Verein rief eine Rathaus-Lotterie ins Leben, die mehr als 837 000 Mark erbrachte. Die Gesamtkosten für den Wiederaufbau lagen bei 1,46 Millionen Mark.

Noch 1951 startete der Abbruch der noch stehenden Giebelteile. 1954 wurde die Fassade fertiggestellt, 1958 war der Innenausbau abgeschlossen. 14 Jahre nach seiner Zerstörung war das im 14. Jahrhundert errichtete Rathaus aus Flammen und Schutt wiederauferstanden.

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