Gunter Beckers Leidenschaft für Münster
Er fährt auf Straßenbahnen ab

Münster -

Gunter Becker ist ein echter Münsteraner – und seine Leidenschaft galt und gilt der Straßenbahn, auch wenn die schon lange nicht mehr durch die Stadt fährt. Seine Passion hat er auf kunstvollen Karten festgehalten.

Sonntag, 03.11.2019, 11:00 Uhr
Gunter Becker (r.) aus Senden bei Ulm hat rund 300 Kunstkarten mit Straßenbahn- und Münstermotiven gemalt. Er erinnert an die Zeit, als die Straßenbahn noch über den Prinzipalmarkt (l.) oder über die Rothenburg (oben, r.) fuhr.
Gunter Becker (r.) aus Senden bei Ulm hat rund 300 Kunstkarten mit Straßenbahn- und Münstermotiven gemalt. Er erinnert an die Zeit, als die Straßenbahn noch über den Prinzipalmarkt (l.) oder über die Rothenburg (oben, r.) fuhr. Foto: Matthias Ahlke

Gunter Becker ist ein waschechter Münsteraner, der aber seit Jahrzehnten in Senden bei Ulm wohnt. Einmal im Jahr reist der 79-Jährige in seine alte Heimat, um Freunde zu besuchen, um über die Promenade zu spazieren und den Dom und den Aasee wiederzusehen. Für den Münsteraner wäre es aber höchstes Glück, wenn er irgendwann noch einmal in seiner Stadt Münster mit einer Straßenbahn fahren könnte. Doch dieser Wunsch hat sich bis heute für Gunter Becker nicht erfüllt. Zur Erinnerung an die Straßenbahn in Münster hat der 79-Jährige darum zu Filzstiften und Plakatfarben gegriffen und 300 Straßenbahnen gemalt, die er schließlich als Kunstkarten drucken ließ.

Gunter Becker hat die Straßenbahnen verschiedener Bauarten in Szene gesetzt. Viele Münster-Motive verewigte er im feinsten Pinselstrich. Seine Bilder sehen aus wie Fotos.

Straßenbahn-Zeichnungen von Gunter Becker

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Als Kind sei er in Münster mit der Straßenbahn gefahren, erinnert sich Gunter Becker an eine Zeit, die ihn bis heute nicht loslässt. Zwischenzeitlich versuchte er seine Bilderserie auch in Münster zu verkaufen, doch er wurde enttäuscht. Interessenten für die Kunstkarten, sagt Becker, habe es in seiner Heimatstadt nicht gegeben. Auch das Stadtmuseum habe ihm damals eine Absage erteilt. „Heute fährt die Straßenbahn aus Münster zur Endhaltestelle Flohmarkt“, bedauert Gunter Becker.

Dabei hätte die Straßenbahn in Münster längst ihr 100-jähriges Bestehen feiern können. Am 25. November 1954 wurde der Betrieb eingestellt und durch Obus- und Omnibus-Linien ersetzt. Drei Triebwagen der Straßenbahn wurden damals nach Osnabrück verkauft, berichtet der Sendener. Im Jahr 1901 nahm die erste Straßenbahn in Münster ihren Betrieb auf. Damals verkehrte die Linie zwischen dem Schützenhof und der Warendorfer Straße, der Steinfurter Straße und dem Bahnhof sowie dem Marienplatz und dem Albersloher Weg.

Die Streckenlänge betrug 7,7 Kilometer, die größte zugelassene Geschwindigkeit lag bei zwölf Stundenkilometern. Für den Einheitstarif von zehn Pfennigen war ein einmaliges Umsteigen möglich.

Im Jahr 1953 verkehrten noch zwei Linien: zwischen Servatiiplatz, Hauptbahnhof und Halle Münsterland sowie zwischen dem Prinzipalmarkt, dem Hauptbahnhof und dem Schützenhof.

Gunter Becker hat jede Menge Geschichten zu den einzelnen Straßenbahnen zu erzählen. Der Sammler aus Süddeutschland weiß, dass ein großer Teil der alten Straßenbahnen nach Würzburg verkauft worden sind. Dort haben die Wagen teilweise ein modernes Gesicht bekommen, einen neuen Fahrersitz und eine neue Blechverkleidung.

Nur in Münster, bedauert Gunter Becker, interessiere sich niemand für die Straßenbahn. In Beckers neuer Heimat Ulm dagegen sei die Straßenbahntradition vorbildlich. Dort werde auf das Verkehrsmittel gesetzt und das Netz weiter ausgebaut. Auch in Städten wie Halle, Chemnitz, Leipzig und Dresden fahren Straßenbahnen, nur eben in Münster nicht, bedauert der 79-Jährige. Gunter Becker lässt darum wenigstens in seinen Bildern die alte Straßenbahntradition von Münster aufleben. Er hat die Bahn beispielsweise mit einer damaligen Bonbonfabrik auf der Augustastraße gemalt, deren Inhaber Albert Mues war. Der Münsteraner, der früher Messdiener in St. Joseph an der Hammer Straße war, hat viele Erinnerungen. Später begann seine berufliche Laufbahn bei der Bundeswehr, 1971 wechselte er ins Landratsamt Ulm. Heute geht er nur noch seinem Hobby nach. Dabei verliert er die Straßenbahnen nicht aus den Augen. Nur seine Kunstkartensammlung hat Gunter Becker inzwischen beendet.

Die Geschichte

Es war zunächst 1888 ein gleisloses Verkehrsmittel, das in Münster eingesetzt wurde. Der Hauderer Hagenschneider, Inhaber eines Fuhrwerksbetriebes am Bisping, führte mit von Pferden gezogenen Omnibussen einen Linienverkehr durch. 1900 entschlossen sich die Stadtverordneten, eine elektrische Straßenbahn zu bauen. Den Zuschlag erhielt damals die Elektrizitäts-AG Lahmeyer in Frankfurt. 1909 übernahm die Stadt die Bahn.

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