Trialog des Handelsverbandes NRW im Rathausfestsaal
Wenn ein Drehkreuz zum Hindernis wird

Münster -

Aus Sicht von Supermärkten mag ein Drehkreuz im Eingangsbereich Sinn ergeben. Und der Touchscreen in Banken macht optisch durchaus etwas her. Für Rollstuhlfahrer ist jedoch das eine, für Blinde das andere ein echtes Hindernis. Und für den Einzelhandel ein Verlust an Kundschaft, wie Inklusions-Aktivist Raúl Krauthausen am Dienstagabend im Rathausfestsaal betonte.

Mittwoch, 06.11.2019, 20:30 Uhr aktualisiert: 07.11.2019, 17:44 Uhr
Inklusions-Aktivist Raúl Krauthausen (vorne) sprach beim Trialog im Rathaus. Mit auf dem Bild (stehend, v.l.): Stefan Grubendorfer, Karin Eksen und Thomas Schäfer.
Inklusions-Aktivist Raúl Krauthausen (vorne) sprach beim Trialog im Rathaus. Mit auf dem Bild (stehend, v.l.): Stefan Grubendorfer, Karin Eksen und Thomas Schäfer. Foto: Andreas Hasenkamp

„Wie gehen wir im täglichen Geschäftsleben mit Menschen mit Behinderungen um?“ So formulierte Journalistin Anne Legat als Moderatorin die Kernfrage des 14. Trialogs. So nennt der Handelsverband Nordrhein-Westfalen den Dialog von Politik, Handel und Verwaltung, der jetzt im Friedenssaal des Rathauses stattfand.

Die sich nicht automatisch öffnende Ladentür kostet Kunden, Stufen auch: Sie sind nicht nur für Rollstuhlfahrer Hindernisse, sondern auch für den alleinerziehenden Vater mit Kindern und Tüten in der Hand. Solche Hürden schlagen sich dann in zehn bis 20 Prozent Kundenverlust nieder, berichtete der Design-Thinker und Inklusions-Aktivist Raúl Krauthausen .

Das Drehkreuz bringe Rollstuhlfahrer schnell in demütigende Situationen. Geldautomaten, ohnehin ein Problem für Rollstuhlfahrer, haben dies durch technischen „Fortschritt“ noch verschlimmert, durch den Touchscreen: Dort kann der Blinde nichts fühlen, und wer nicht selbst mit den Fingern an den Bildschirm kommt, kann ihn auch mit einem Stock nicht erreichen. So müsse er, berichtete Krauthausen, jedes Mal Fremden seine Pin-Nummer preisgeben. Als er dies vor Bankmitarbeitern berichtete, seien die aus allen Wolken gefallen.

Mancher Durchbruch sei schon für 200 Euro zu haben, etwa in Gestalt einer Rampe. Hier sagte Krauthausen etwas, das gut zum Charakter des Trialogs passt, weil es neben dem Handel auch Verwaltung und Politik betrifft: Die Politik müsse solche Vorkehrungen gesetzlich vorschreiben – dann sei die Gleichheit im Wettbewerb auch bewahrt. Andere Länder wie Kanada und Österreich hätten schon vor 30 Jahren gesetzliche Vorgaben gemacht, etwa bei öffentlichen Toiletten.

Die Stadt dürfe kein exklusiver Raum sein, hatte zuvor Oberbürgermeister Markus Lewe in einem Grußwort gesagt, sondern für alle ein Raum des Erlebens, des Kommunizierens und ein Forum. Für den Handelsverband sprachen Stefan Grubendorfer, neuer Vorsitzender, Karin Eksen und Thomas Schäfer.

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