Münster 1970: Ausstellung im Stadtmuseum
„Flower Power“ und Proteste

Münster -

Das Stadtmuseum Münster setzt seine erfolgreiche Reihe „Vor 50 Jahren“ fort. In den kommenden zwölf Monaten sind Fotos aus Münster aus dem Jahr 1970 zu sehen.

Freitag, 13.12.2019, 15:00 Uhr
Ein Modekaufhaus präsentiert im August 1970 seine neue Kollektion: Mini-, Midi- und Maxi-Mode im bunten Flower-Power-Look. Mitarbeiter posieren mit Afro-Look-Perücken,
Ein Modekaufhaus präsentiert im August 1970 seine neue Kollektion: Mini-, Midi- und Maxi-Mode im bunten Flower-Power-Look. Mitarbeiter posieren mit Afro-Look-Perücken, Foto: Stadtmuseum Münster/Rudolf Krause

1970 ist ein ereignisreiches Jahr: Die Apollo-13-Mission scheitert. US-Truppen kämpfen nun auch in Kambodscha. In Warschau schreibt Bundeskanzler Willi Brandt mit einem Kniefall Weltgeschichte. Das letzte Beatles-Album erscheint: „Let it be“.

Auch in Münster ist vieles in Bewegung. Vor allem junge Menschen gehen gegen Wohnungsmangel und steigende Mieten auf die Straße – und demonstrieren gegen die zunehmende Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes. In der Halle Münsterland geben sich Stars wie Udo Jürgens, Howard Carpendale und Katja Epstein die Klinke in die Hand. In der Innenstadt fallen „Emils Pinte“ und der „Gertrudenhof“ Neubauprojekten zum Opfer. Auf dem Prinzipalmarkt nimmt Bundeskanzler Brandt bei brütender Hitze eine Feuerwehr-Parade ab.

Tausende Negative

Die interessantesten Fotos aus diesem Jahr sind ab sofort im Rahmen der Ausstellung „Münster 1970“ im  Stadtmuseum  zu sehen. Für die elfte Foto-Präsentation im Rahmen der Reihe „Vor 50 Jahren“ wurden erneut Tausende Negative gesichtet, sagt der stellvertretende Leiter des Museums, Dr. Axel Schollmeier . Sie stammen zum größten Teil aus dem Nachlass des WN-Fotografen Rudolf Krause. Die Foto-Ausstellungen haben bereits mehr als eine Million Besucher angelockt, berichtet er.

Neue Ausstellung im Stadtmuseum: Münster 1970

1/44
  • Bundeskanzler Willi Brandt nimmt im Juni 1970 eine Feuerwehrparade auf dem Prinzipalmarkt statt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Protest katholischer Studierender gegen die Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Ein WN-Bericht über diese türkische Gastarbeiterfamilie löst eine große Spendenbereitschaft aus.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Der 24-jährige Jürgen W. Möllemann macht Wahlkampf für die FDP - natürlich mit einem Fallschirmsprung.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Howard Carpendale und Katja Epstein singen in der Halle Münsterland.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die alte Sparkassenpassage zwischen Ludgeristraße und Rothenburg. Sie hatte den Krieg überstanden, macht aber bald Platz für die neue Sparkasse.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Auf einer Traktorenschau an der Halle Münsterland werden Luftkissenfahrzeuge präsentiert.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Der Aschendorff Verlag feiert sein 250-jähriges Bestehen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke
  • Foto: Matthias Ahlke

1970 ist es ruhiger in Münster als in den bewegten Jahren 1968 und 1969 – Demonstrationen gibt es dennoch. Zum Beispiel im Mai gegen den Kambodscha-Krieg. 2000 ziehen durch die Stadt, fordern „Schluss mit dem Bombenterror“. Gegen Mietwucher richtet sich eine Demo im Oktober: „Baracken für Arme, Luxusvillen für Ausbeuter“ lautet eine der Parolen.

Bunte lange Blumen-Kleider

Die Flower-Power-Bewegung breitet sich aus – auch in Münster. Auf den Minirock folgt die Midi- und Maxi-Mode. In einem Kaufhaus tragen Schaufensterpuppen und Mitarbeiter nicht nur bunte lange Blumen-Kleider, sondern auch pralle Afro-Look-Perücken.

Im Rathaus-Innenhof gibt es eine Premiere: Erstmalig findet in Münster ein Weihnachtsmarkt statt. Das Foto beweist: Der Bratwurst-Stand von Köhne stand damals an der gleichen Stelle wie heute.

Allwetterzoo wird gebaut

Bei der Polizei hält der Computer Einzug, der Allwetterzoo befindet sich im Bau, und die schlossähnliche Boniburg, ein Gebäude aus dem 19. Jahrhundert, wird gesprengt. Ein 15-geschossiges Hochhaus mit fast 400 Wohnungen soll hier entstehen – es wird nie gebaut.

Aber auch gesellschaftliche Themen bewegen die Münsteraner. In der Zeitung wird groß über eine türkische Gastarbeiterfamilie berichtet, der es am Nötigsten fehlt. Der Artikel löst eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Am „Schwarzen Kamp“, der als Brennpunkt gilt, entsteht ein soziales Zentrum. Und die Uniklinik nimmt 16 schwer traumatisierte Kinder aus Vietnam zur Behandlung auf.

Axel Schollmeier bezeichnet die Ausstellung als „informative Zeitreise“. Zugleich zeige die Schau, dass einige Themen, die damals die Menschen bewegten – wie Wohnungsmangel und steigende Mieten –, bis heute nichts an Aktualität eingebüßt haben.

Zum Thema

Das Begleitbuch „Münster 1970“ ist im Aschendorff Verlag erschienen. Es hat 80 Seiten und kostet 9,80 Euro.

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7130302?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F3814581%2F
Nachrichten-Ticker