Neujahrsempfang der Stadt
Musik-Campus: Viel Lob – aber keine Zusage

Münster -

Kulturstaatsministerin Monika Grütters war am Sonntag Festrednerin beim Neujahrsempfang der Stadt Münster. Logisch, dass dabei auch eine Stellungnahme zum Projekt Musik-Campus erwartet wurde.

Sonntag, 12.01.2020, 15:48 Uhr aktualisiert: 12.01.2020, 16:06 Uhr
Proppenvoll war der Rathausfestsaal beim Neujahrsempfang der Stadt Münster. Wegen der großen Menschenmenge gibt es traditionell eine Sitzgelegenheit nur in der benachbarten Rüstkammer.
Proppenvoll war der Rathausfestsaal beim Neujahrsempfang der Stadt Münster. Wegen der großen Menschenmenge gibt es traditionell eine Sitzgelegenheit nur in der benachbarten Rüstkammer. Foto: Oliver Werner

Selten gab es bei einem Neujahrsempfang der Stadt Münster eine so klare Erwartungshaltung. Denn die Festrednerin war die eigens aus Berlin angereiste Kulturstaatsministerin Monika Grütters . Und da Stadt und Universität in Münster gemeinsam den Musik-Campus bauen möchten, steht seit Monaten die Frage im Raum: Steuert der Bund Geld zu dem Millionenprojekt bei?

Oberbürgermeister Markus Lewe höchstpersönlich war es, der bei der Ankündigung der Grütters-Rede die Erwartung noch einmal hochschraubte, als er unter heftigem Applaus der mehreren Hundert Gäste im Rathausfestsaal sagte: „Ich hoffe auf eine Unterstützung des Bundes.“

Nun, von Grütters gab es sehr viel Lob für die „kulturpolitische Vorzeigestadt“ Münster, aber keine Zusage. Zumindest keine im engeren Sinne. Pädagogisch nicht ungeschickt formulierte sie stattdessen die Kriterien. Der Bund fördere, so Monika Grütters, Projekte mit „überregionaler und gesamtstaatlicher“ Bedeutung. Zweifelsfrei eine hohe Messlatte, gleichwohl schwang in der gesamten Rede die Überzeugung mit, dass Münster diese Latte sehr wohl überspringen könne.

So bezeichnete die Staatsministerin, deren Büro übrigens im Kanzleramt steht, die Skulptur-Projekte in Münster als „Weltereignis“ – und sie rühmte überdies die zahlreichen münsterischen Kulturinstitutionen mit dem Programmkino Cinema an der Spitze, die regelmäßig Bundeskulturpreise abräumen.

Neujahrsempfang der Stadt Münster

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Die aus Münster stammende Spitzenpolitikerin – eine frühere Schulfreundin von Markus Lewe, wie sie lachend betonte – dachte sicherlich an ihre Heimatstadt, als sie von der „Weltläufigkeit abseits der Metropolen“ sprach oder ganz allgemein festhielt: „Kulturförderung ist keine Subvention, sondern eine Investition.“

Auch Oberbürgermeister Lewe nutzte den Neujahrsempfang noch einmal, um für das Campus-Konzept zu werben. Für Lewe steht die bauliche Zusammenführung von Musikschule, Musikhochschule und dem Sinfonieorchester Münster, ergänzt um eine Konzerthalle, im Zentrum der „Kulturstrategie“ in Münster. Es gehe um Musik, aber auch um mehr – nämlich darum, ihr ein „geistiges Umfeld“ zu schaffen.

Ansonsten streifte Lewe noch einige weitere Themenfelder. So plädierte er leidenschaftlich für die Verkehrswende. „Beim Thema Schiene haben wir viel zu lange gepennt“, sagte er im Hinblick darauf, dass der Zugverkehr bei der Bewältigung der Pendlerströme gegenüber dem Autoverkehr nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Weiter ging der Oberbürgermeister auf die zahlreichen Demonstrationen der „Fridays-for-Future“-Bewegung ein. Er bewertete sie grundsätzlich positiv: „Kinder fangen an, sich für Politik zu interessieren.“ Natürlich seien einige Forderungen der Klimaschützer etwas radikal. „Aber dass müssen wir aushalten.“

Kommentar: Folgt dem Lob das Geld?

Uni-Rektor Wessels und Oberbürgermeister Lewe können sich glücklich schätzen. Mit der NRW-Kultur- und Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen und der Kulturstaatsministerin Monika Grütters haben sie in Düsseldorf und Berlin zwei Verbündete mit einem Faible für Münster. Das war zum Beispiel 2018 zu spüren, als Pfeiffer- Poens­gen zur Eröffnung des Richter-Kunstwerkes in der Dominikanerkirche nach Münster reiste. Das war auch am Sonntag zu spüren, als Grütters die Festrede zum Neujahrsempfang der Stadt Münster hielt.

Stadt und Universität müssten mit dem Klammerbeutel gepudert sein, wollten sie dieses Wohlwollen nicht nutzen, um das Gemeinschaftsprojekt Musik-Campus voranzubringen – auch finanziell. Doch Vorsicht: Nicht ohne Grund betonte die Staatsministerin, dass es bei der Vergabe von Bundeskulturpreisen keinen „Grütters-Bonus“ für Münster geben. Die Analogie zur Vergabe von Fördermitteln liegt auf der Hand.

Entscheidend ist also, ob sich für das Musik-Campus-Konzept jene „überregionale und gesamtstaatliche“ Bedeutung nachweisen lässt, die Grütters als Förderkriterien formulierte. | (Klaus Baumeister)

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