Modellprojekt hat sich bewährt
Gebündelte Kompetenz

Münster -

Münsters vier Hilfsorganisationen treten gemeinsam mit einem Leiter auf, wenn es große Einsatzlagen zu bewältigen gibt. Das Modellprojekt aus Münster hat sich inzwischen bundesweit etabliert.

Mittwoch, 15.01.2020, 09:00 Uhr
Vertreter aller vier Hilfsorganisationen teilen sich den Bereitschaftsdienst. Zum 20-jährigen Bestehen des Modellprojektes bedankten sich Berufsfeuerwehrchef Gottfried Wingler-Scholz (2.v.r.) und Stadtrat Wolfgang Heuer (4.v.r.) bei den Aktiven für das Engagement.
Vertreter aller vier Hilfsorganisationen teilen sich den Bereitschaftsdienst. Zum 20-jährigen Bestehen des Modellprojektes bedankten sich Berufsfeuerwehrchef Gottfried Wingler-Scholz (2.v.r.) und Stadtrat Wolfgang Heuer (4.v.r.) bei den Aktiven für das Engagement. Foto: hpe

Sie sind da, wenn die Not besonders groß ist: Münsters vier Hilfsorganisationen kümmern sich noch am Einsatzort um Menschen, die nach einem Wohnungsbrand ihre Unterkunft verloren haben. Oder betreuen die Bevölkerung in Sammelstellen, wenn ganze Häuserzeilen wegen einer Bombenentschärfung geräumt werden müssen.

Damit die schnelle Hilfe im Ernstfall reibungslos rund um die Uhr mit der Berufsfeuerwehr organisiert und koordiniert werden kann, gibt es seit nunmehr 20 Jahren den „Leiter Hilfsorganisationen“ als zentralen Ansprechpartner vor Ort und in den Lagezentren.

Eine ehrenamtliche Gruppe mit Führungskräften der vier Organisationen (Deutsches Rotes Kreuz, Johanniter Unfall-Hilfe, Arbeiter-Samariter-Bund und Malteser Hilfsdienst) steht im Schichtdienst an 365 Tagen im Jahr parat, übrigens ganz ohne Aufwandsentschädigung oder Freizeitausgleich.

„Auch wenn mehrere Organisationen am Einsatz beteiligt sind, treten wir einheitlich mit einem zentralen Ansprechpartner auf. Das ist die große Errungenschaft dieses Dienstes“, so Rüdiger Körmann von den Johannitern. Alle eingesetzten Helfer unterstehen für die Zeit des Einsatzes dem Leiter Hilfsorganisationen, der auch als Ansprechpartner für Feuerwehr und Polizei fungiert.

In der Silvesternacht 2000 wurde das bundesweite Modellprojekt – entwickelt vom damaligen Feuerwehrchef Benno Fritzen und den Hilfsorganisationen – gestartet. „Schon in der ersten Nacht hatten wir einen Großeinsatz bei einem Brand an der Geiststraße“, erinnert sich Thomas Lüchtefeld vom Roten Kreuz. Die Zusammenarbeit mit dem Führungsdienst der Feuerwehr sei inzwischen „routiniert und vertrauensvoll“.

Bei der Amoklage am Kiepenkerl und während der großen Unwetter-Szenarien habe sich der direkte Kontakt zum Leiter Hilfsorganisationen während der Einsatzkoordination im Stabsraum der Berufsfeuerwehr bewährt. „Man kennt die gegenseitigen Strukturen, die Standorte und Ausrüstungen der Wachen, alle Fahrzeuge und natürlich auch die handelnden Personen“, so Ingo Schild vom Arbeiter-Samariter-Bund.

Für den Malteser Hendrik Feldhues ist der besondere Dienst eine „wichtige und schöne Aufgabe“ trotz persönlicher Einschränkungen. „Man muss während der Bereitschaftszeit im Stadtgebiet bleiben und die Einsatztasche fährt immer mit“, sagt er.

Inzwischen haben viele deutsche Großstädte und Landkreise das Modellprojekt aus Münster übernommen. Stadtrat Wolfgang Heuer sieht in dem Ehrenamtseinsatz eine „erhebliche Hilfestellung beim Umgang mit Schadenslagen“.

Ab diesem Jahr werden die Hilfsorganisationen ohnehin intensiver in die Notfallrettung der Stadt Münster eingebunden. Heuer: „Für die Retter ist das eine wichtige Chance zur Weiterentwicklung ihrer Arbeitsmöglichkeiten und Kompetenzen.“

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