Planetologen erforschen besonderen Meteoriten
„Flensburg“ kam aus dem All

Münster -

Planetologen der Universität Münster untersuchen einen ganz besonderen Meteoriten. Er stürzte im vergangenen September in Flensburg auf die Erde – und verrät eine Menge über die Entstehungsgeschichte unseres Alls.

Donnerstag, 20.02.2020, 09:00 Uhr aktualisiert: 20.02.2020, 12:20 Uhr
Die Planetologen Markus Patzek (l.) und Prof. Dr. Addi Bischoff von der Universität Münster mit dem Meteoriten „Flensburg“.
Die Planetologen Markus Patzek (l.) und Prof. Dr. Addi Bischoff von der Universität Münster mit dem Meteoriten „Flensburg“. Foto: Michael C. Moeller

Ein Feuerball am Himmel, begleitet von einem Knall, versetzte im September vergangenen Jahres Hunderte von Augenzeugen in Norddeutschland in Staunen. Grund für das Spektakel: Ein Meteoroid trat in die Erdatmosphäre ein und verglühte dort teilweise. Einen Tag nach dem Ereignis fand ein Bürger in Flensburg einen 24,5 Gramm schweren schwarzen Stein auf dem Rasen seines Gartens.

Dieter Heinlein vom Augsburger Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt erkannte den Stein als Bruchstück eines Meteoriten und übergab die Probe an die Experten des Instituts für Planetologie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU). Prof. Dr. Addi Bischoff und Doktorand Markus Patzek untersuchen den Stein seitdem mineralogisch und chemisch – mittlerweile sind etwa 15 Universitäts- und Forschungsinstitute in Deutschland, Frankreich und der Schweiz an den Forschungsarbeiten beteiligt.

Die ersten Forschungsergebnisse zeigen, dass „Flensburg“, auf diesen Name wurde der Meteorit getauft, nur mit sehr selten gefallenen Meteoriten, sogenannten kohligen Chondriten, verglichen werden kann, berichten die Planetologen der Universität.

Rasterelektronenmikroskopische Untersuchungen belegen, dass Flensburg nur Minerale enthält, die sich unter der Beteiligung von Wasser in der Frühphase unseres Sonnensystems gebildet haben. Dabei handelt es sich insbesondere um Schichtsilikate und Karbonate. Somit kann der ursprüngliche Mutterkörper als Teil eines möglichen Bausteins der Erde angesehen werden, der in der Frühphase der Planetenentwicklung der Erde auch das Wasser gebracht haben könnte, schreibt die Uni in einer PM.

„Der Meteorit von Flensburg gehört einer extrem seltenen Meteoritenklasse an und ist der bisher einzige Meteoritenfall in Deutschland, der beweist, dass es vor 4,56 Milliarden Jahren im frühen Sonnensystem kleine Körper gegeben haben muss, auf denen es flüssiges Wasser gab. Vielleicht haben solche Körper der Erde auch das Wasser geliefert“, betont Addi Bischoff.

Der Meteorit „Flensburg“ passt genau in die Forschungsarbeiten des Sonderforschungsbereichs „TRR170 – Späte Akkretion auf terrestrischen Planeten“, eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Forschungskooperation zwischen Münster und Berlin.

Die beteiligten Wissenschaftler wollen auch herausfinden, aus welchen Bausteinen die Erde und auch andere Planeten ursprünglich gebildet wurden, und ob Material erst nachträglich die Erde erreichte.

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