„Kulturpolitischer Aschermittwoch“ arbeitet sich am Musik-Campus ab
„Altstadt ist nicht ausdehnbar“

Münster -

Vor einigen Wochen gab es in der Mensa am Aasee eine Werbeveranstaltung für den Musik-Campus – am Mittwochabend gab es im Theatertreff eine Werbeveranstaltung für das alternative Kultur- und Bildungsforum.

Donnerstag, 27.02.2020, 16:00 Uhr aktualisiert: 27.02.2020, 19:08 Uhr
Prof. Gerd Blum (r.) sprach am Mittwoch beim „Kulturpolitischen Aschermittwoch“.
Prof. Gerd Blum (r.) sprach am Mittwoch beim „Kulturpolitischen Aschermittwoch“. Foto: Oliver Werner

Um es gleich vorwegzunehmen: Beim „Kulturpolitischen Aschermittwoch“ kamen vorzugsweise Menschen zu Wort, die einen neuen Konzertsaal – wenn er denn kommt – lieber auf dem Parkplatz Hörsterstraße errichten möchten denn an der Hittorfstraße.

Vor einigen Wochen gab es in der Mensa am Aasee eine Werbeveranstaltung für den Musik-Campus, am Mittwochabend gab es im Theatertreff eine Werbeveranstaltung für das alternative Kultur- und Bildungsforum, dessen Markenzeichen unter anderem die direkte Nähe zum Stadttheater und zur Stadtbücherei sein soll.

Natürlich wurde von den Diskutanten und vielen der rund 80 Zuhörer die mangelnde Urbanität rund um den von Stadt und Universität geplanten Gebäudekomplex am Coesfelder Kreuz kritisiert. Aber an einer Stelle meldete sich auch der frühere CDU-Landtagsabgeordnete Prof. Thomas Sternberg zu Wort und warnte vor dem Szenario, dass Münster wieder einmal „nicht aus dem Quark kommt“. Da der Musik-Campus, so sein Argument, auch beim Land eine sehr hohe (auch finanzielle?) Priorität genieße, sei es möglicherweise fahrlässig, einem alternativen, rein städtischen Investitionsvorhaben am Parkplatz Hörsterstraße die gleichen Realisierungschancen einzuräumen.

Zu spüren war vielfach das Unbehagen darüber, dass es aktuell eine heftige Standortdebatte in Münster gibt, aber keine Kulturdebatte, so beispielsweise die Kritik von Tobias Viehoff von der Initiative Starke Innenstadt (ISI).

Zu spüren war überdies auch, dass viele Fragen zum Musik-Campus noch nicht ausdiskutiert sind. So wies Gerlind Korschildgen vom münsterischen Konzertbüro Schoneberg darauf hin, dass die Campus-Konzeption „von den Nutzern her gedacht wird und nicht vom Publikum her“. Will sagen: Es wäre denkbar, dass Musikhochschule und Musikschule dereinst in dem Neubau an der Hittorstraße total glücklich sind, zugleich aber der Konzertsaal am gleichen Standort vom Publikum gemieden wird.

Apropos Musikhochschule: Der Architekt Andreas Schüring stellte die jahrelang in der Schublade schlummernden Pläne für den Bau der Musikhochschule auf dem Gelände des Leonardo-Campus vor – in Nachbarschaft zu den Fachhochschul-Fachbereichen Design und Architektur sowie zur Kunstakademie.

Sogleich stellte sich die nächste Frage: Hält ein solcher Campus der Künste hinsichtlich der zu erwartenden Synergien den Vergleich zum Musik-Campus stand?

Gleich das Einstiegsreferat zum Abend durch den Kulturhistoriker Prof. Gerd Blum gab den Tenor vor: In Münster sei die Altstadt ein „erlebbarer Mikrokosmos, zu dem es kein konkurrierendes Nebenzentrum geben darf“. Eine so zentrale Kultureinrichtung wie eine Konzerthalle an der Hittorstraße würde „zur Verödung der Altstadt beitragen“.

Oder wie es der Architekt Peter Wilson ausdrückte: „Die Altstadt ist nicht ausdehnbar.“

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