UKM unterstützt Ärzte in 200 Krankenhäusern
Virtuell reales Leben retten

Münster -

Ein Quantensprung in der Telemedizin: Christian Juhra zeigt Journalisten, die aus einem leeren Hörsaal zugeschaltet sind, weit auseinander sitzen und Atemschutzmasken tragen, was das „Virtuelle Krankenhaus“ kann. Und auch: Was es verhindern soll. 

Donnerstag, 26.03.2020, 18:30 Uhr aktualisiert: 26.03.2020, 19:15 Uhr
Pressekon
Pressekon Foto: Oliver Werner

Telemedizin. Virtuelles Krankenhaus. Das soll mir helfen, wenn ich wirklich richtig krank bin? Ja, davon sind die Mediziner am Universitätsklinikum Münster (UKM) und darüber hinaus überzeugt. Schon seit zweieinhalb Jahren haben Dr. Christian Juhra , Leiter der Stabsstelle Telemedizin am UKM, und etliche Kollegen Erfahrung damit.

Jetzt gibt es – und wieder ist das Coronavirus der Treiber – in der Telemedizin so etwas wie einen Quantensprung: Nicht mehr 16, sondern 200 Krankenhäuser aus dem Einzugsgebiet der Ärztekammer Westfalen-Lippe werden ab dem 29. März dem „Virtuellen Krankenhaus“ angehören. Die Zusammenarbeit umfasst die Bereiche Intensivmedizin und Infektiologie zur optimierten Behandlung von Corona-Patienten. Fachlich: Covid-19-Patienten.

Telemedizin ist nicht anonym und technisch

Donnerstagmittag, circa 12.30 Uhr: Christian Juhra zeigt Journalisten, die aus einem leeren Hörsaal zugeschaltet sind, weit auseinander sitzen und Atemschutzmasken tragen, was das „Virtuelle Krankenhaus“ schon jetzt, obwohl noch in einer Vorstufe, kann. Auf einem Bildschirm bei Juhra im Raum, den auch alle im Hörsaal sehen können, erscheint Dr. Tobias Mock , Intensivmediziner am Josephs-Hospital in Warendorf. Der wiederum nimmt alle virtuell mit in ein Krankenzimmer in Warendorf. Der Patient, sagt Mock, sei einverstanden.

Der Mann, der da zu sehen ist, ist schon längst ein Senior. Er macht den Eindruck, dass er sich freut über die Abwechslung. Er wirkt munter. Er ist positiv getestet worden und dabei, eine Lungenentzündung gut zu überstehen. Was die Ärzte mit dieser Demonstration zeigen: Telemedizin ist nicht anonym und technisch; die zugeschalteten Ärzte aus dem UKM, deren fachliche Einschätzung gefragt ist, sehen den Patienten, bekommen einen realen Eindruck von ihm, reden mit ihm.

Kooperation zwischen Krankenhäusern in der Krise

„Ziel des Virtuellen Krankenhauses ist, dass auch schwer kranke Patienten in den Krankenhäusern an ihrem Wohnort bleiben können“, erläutert Prof. Dr. Hugo Van Aken, Ärztlicher Direktor des UKM, der nach der Präsentation zusammen mit Dr. Christian Juhra und auch Oberbürgermeister Markus Lewe in den Hörsaal kommt. Schon der Transport im Rettungswagen, so Van Aken, sei mit „Gefahren verbunden“. Darüber hinaus, „das sind die Erfahrungen aus Italien, den USA und Spanien“, dauere eine Beatmung eines schwer erkrankten Corona-Patienten 20 bis 40 Tage. 200 Intensivbetten gebe es inzwischen im UKM, so Van Aken. Sollte sich die Lage zuspitzen, könnten selbst die irgendwann voll sein.

Vorbeugen und vorausdenken: Der Ärztliche Direktor des UKM macht deutlich, was passiert, wenn ein Land das nicht getan hat: Die Sterblichkeit der Covid-19-Patienten liege in Deutschland bei aktuell 0,5 Prozent, in Italien bei neun, in Spanien bei sieben Prozent.

„Dass wir das UKM hier haben, darüber bin ich sehr froh“, so Markus Lewe. Dass es die Kooperation zwischen den Krankenhäusern gebe, zeige, wie stark die Region auch in der Krise sei.

Bleibt die Frage: Wie schafft es das UKM, Ansprechpartner für Ärzte aus 200 Krankenhäusern zusein? „Von 40 OP-Sälen sind zwölf zurzeit nicht in Betrieb.“ Es gebe, so Van Aken, daher freie Kapazitäten, um die Kollegen in anderen Krankenhäusern zu unterstützen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7344942?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F3814581%2F
Nachrichten-Ticker