Kreative Lösungen im Naturkundemuseum
Lohnender Museumsbesuch trotz Corona

Münster -

Wie sieht eigentlich ein Museumsbesuch in Corona-Zeiten aus? Im LWL-Museum für Naturkunde in der Tat ein bisschen anders als sonst. Das Museum hat Hygienemaßnahmen ergriffen - und auch die Ausstellungen angepasst.

Mittwoch, 03.06.2020, 21:00 Uhr
Kreative Lösungen im Naturkundemuseum: Lohnender Museumsbesuch trotz Corona
Trotz Mund-Nasen-Bedeckung gibt es im LWL-Museums für Naturkunde viel zu entdecken. Foto: LWL/Steinweg

Ein Ausstellungsbesuch in Zeiten von Corona geht nicht? Das LWL-Museum für Naturkunde des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) sieht das anders. Deshalb hat sich das Museum laut einer Pressemitteilung einiges einfallen lassen, damit trotz Mund-Nasen-Schutz und Abstandsregel ein Museumsbesuch lohnenswert ist.

"Die derzeitige Lage stellt uns als Museum vor eine große Herausforderung", so Museumsdirektor Dr. Jan Ole Kriegs . "Ausstellungen wollen mit allen Sinnen erlebt werden. Wir möchten, dass unsere Museumsbesucher sie hören, sehen und anfassen können. Gleichzeitig hat die Sicherheit und Gesundheit unserer Gäste allerhöchste Priorität", erklärt Kriegs in der Mitteilung.

Besondere Hygienemaßnahmen

Die Museumsgäste erhalten bereits im Eingangsbereich durch ein Leitsystem aus Absperrbändern und Markierungen, einem gesonderten Ein- und Ausgang, durchgehende Toilettenkontrollen und besondere Hygienemaßnahmen der Einrichtungsgegenstände einen Eindruck von den Maßnahmen.

"Uns ist es jedoch wichtig, dass sich unsere Besucher auch in den Ausstellungen wohl fühlen und möglichst viel mit allen Sinnen erleben können. Deshalb haben wir nicht nur ein Hygiene- und Schutzkonzept entwickelt, sondern uns auch Gedanken um die Nutzung unserer Mitmachstationen gemacht", erläutert der Museumsdirektor. Allen voran geht es dem LWL-Museum um die Touchmonitore, Fernseher, Druckknöpfe, drehbaren Textklappen oder Ausstellungsschränke.

Momentan nehmen viele Menschen Touchmonitore als Infektionsquelle wahr. 

Dr. Sabine N. Meyer

Dr. Sabine N. Meyer , Kulturpolitische Koordinatorin des LWL, erklärt: "Momentan nehmen viele Menschen Touchmonitore als Infektionsquelle wahr. Um den Museumsgästen ihre Ängste im Umgang mit dieser innovativen Form musealer Vermittlung zu nehmen, arbeitet das LWL-Museum für Naturkunde nun mit einem neuentwickelten Stift, der den menschlichen Finger simuliert und nach jedem Gebrauch in der Spülmaschine gereinigt wird."

Als das Museum hörte, dass eine Firma einen speziellen Eingabestift zur Bedienung von Touchmonitoren und Mediengeräten entwickelt hat, nahm es sofort Kontakt auf und erwarb für die Besucher diese Stifte. Der Stift ermöglicht eine risikoarme Bedienung der Geräte in den Ausstellungsräumen des Museums.

Naturkundemuseum als "Pionier"

Jeder Besucher bekommt am Eingang zu den Ausstellungsräumen einen eigenen Stift ausgehändigt. Die Nutzung des Stifts wird durch die elektrische Leitfähigkeit, das Druckprofil und die spezielle Form, die wie eine Verlängerung der Hand wirkt, ermöglicht. So werden keine Schalter oder Tasten mit der eigenen Hand berührt. Beim Verlassen der Ausstellungsräume wird der Stift einfach zurückgegeben und anschließend gereinigt, sodass der Stift für den nächsten Besucher bereit ist.

LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger ist begeistert: "Das LWL-Museum für Naturkunde ist hier klar Pionier. Der Einsatz dieses Hilfsmittels stellt sicher, dass die hygienischen Bedingungen im Museum weiter vorbildlich bleiben und die Besucherinnen und Besucher zeitgleich so viele Objekte wie möglich nutzen und ausprobieren können. Viele unserer Museen überlegen zurzeit, ihre Besucher ebenfalls mit Eingabestiften auszustatten."

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Die Fernseher, Druckknöpfe, drehbaren Textklappen oder Ausstellungsschränke lassen sich mit den Stiften nutzen. Foto: LWL/Steinweg

Fachleuten über die Schulter schauen

Mit dem neuen Stift lassen sich die Törchen der Weltkarte "Neu in Westfalen" öffnen. Die Küche in der Sonderausstellung "Beziehungskisten - Formen des Zusammenlebens in der Natur" ist mit Hilfe des Stiftes wieder eine wirkliche Mitmach-Küche. An Darwins digitalem Schreibtisch in der Dauerausstellung "Dinosaurier - Die Urzeit lebt!" können Interessierte alles über die Grundzüge der heutigen Evolutionstheorie lernen, in dem sie virtuell in einem großen Touchbildschirm blättern.

Das Museum hat es aber nicht nur bei diesen Maßnahmen gelassen. Die Paläontologen des LWL und ihr Team haben ihre Forschungsarbeit in den Museumshof verlegt. Dort können Kinder und Erwachsene den Fachleuten beim Schlämmen von Gesteinsmaterial über die Schultern schauen oder beobachten, wie die Experten die ausgeschlämmten Objekte unter dem Mikroskop durchsehen. Natürlich können die Gäste auch Fragen stellen. Die Museumspädagogen stehen zusätzlich bereit, um weitere Fragen zu beantworten oder Objekten zu erklären.

Bis zu 400 Gäste gleichzeitig

Durch alle diese Maßnahmen ist es möglich, 400 Museumsgäste zeitgleich in Haus und den Museumshof zu lassen. Kriegs: "Derzeit haben wir noch viele Kapazitäten frei, weshalb naturkundlich Interessiere in unseren ansonsten stark besuchten Ausstellungsräumen jetzt die Gelegenheit haben, die Sonder- und Dauerausstellungen in Ruhe zu genießen."

Lebensechte Homo sapiens-Figuren im Naturkundemuseum

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  • Kuratorin Lisa Klepfer (v.li..), Maskenbildnerin Lisa Büscher und Ausstellungsmacherin Dr. Hanna Rüschoff, freuen sich über die gelungene Darstellung der beiden weiblichen Figuren.

    Foto: LWL/Steinweg
  • Vorsichtig wurden die Figuren in das Museum gebracht.

    Foto: LWL/Steinweg
  • Vorsichtig packt die Figurenbauerin Büscher die Schamanin aus.

    Foto: LWL/Steinweg
  • Die Schamanin wurde von Büscher in fünfmonatiger Arbeit angefertigt.

    Foto: LWL/Steinweg
  • Gegenüber der Schamanin sitzt in der Ausstellungsinszenierung ein junges Mädchen, welches der älteren Frau zuhört.

    Foto: LWL/Steinweg
  • Lisa Büscher achtete bei Ihrer Arbeit auf Authentizität, weshalb sie für die Schamanin eine echte Frau abgeformt hat, um daraus die Figur zu bauen.

    Foto: LWL/Steinweg
  • Die Figur der jungen Frau wirkt lebensecht, da Büscher auf der Haut auch Flecken, Pickel oder Mückenstiche, zeigt.

    Foto: LWL/Steinweg
  • Einzelne Körperteile, Bekleidung und die Kopfbedeckung wurden vor Ort in der Ausstellung angebracht. Ausstellungsmacherin Hanna Rüschoff (re.) begutachtet die Kopfbedeckung der Schamanin.

    Foto: LWL/Steinweg
  • Kuratorin Lisa Klepfer (li.) legt mit Büscher den Sitzplatz der Figuren fest. Die lebensechten Figuren einer Schamanin und einer jungen Frau sind wichtige Ausstellungsobjekte der neuen Sonderausstellung "Überlebenskünstler Mensch".

    Foto: LWL/Steinweg
  • Die Schamanin sitzt im Schneidersitz und beugt sich sprechend und gestikulierend am Feuer nach vorne und erscheint so lebensecht, dass die Besucherinnen und Besucher des Museums sich schon auf die Inszenierung freuen können.

    Foto: LWL/Steinweg
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