Landwirte beenden Mahnwache am Hauptbahnhof
Ministerin Schulze kommt nicht

Münster -

Angekündigt hatten sie, zu bleiben, „bis Svenja Schulze kommt“. Aber die Landwirte, die seit drei Wochen mehr oder weniger schichtweise am Bahnhof eine Mahnwache halten, müssen sich nun mal um ihre Betriebe kümmern. Dass weder die Umweltministerin noch eine Nachricht von ihr den Weg zu ihnen gefunden hat, ärgert die Bauern.

Donnerstag, 18.06.2020, 21:10 Uhr aktualisiert: 19.06.2020, 12:13 Uhr
Harrten drei Wochen vor dem Münster-Büro von Bundesministerium Schulze am Hauptbahnhof aus, um auf Missstände aufmerksam zu machen (v.l.): Elias Ganteforth, Dominic Borgert, Melissa Schlüter, Bert Wülfing, Kristin Höfling, Michael Gottschalk, und Reinhold Mall.
Harrten drei Wochen vor dem Münster-Büro von Bundesministerium Schulze am Hauptbahnhof aus, um auf Missstände aufmerksam zu machen (v.l.): Elias Ganteforth, Dominic Borgert, Melissa Schlüter, Bert Wülfing, Kristin Höfling, Michael Gottschalk, und Reinhold Mall. Foto: Pjer Biederstädt

Drei Wochen lang haben Landwirte der Bewegung „Land schafft Verbindung“ aus ganz Deutschland in wechselnden Schichten vor ihrem münsterischen Büro am Hauptbahnhof auf die Bundesumweltministerin gewartet. Am Donnerstagabend endete die Mahnwache – mit einem Schlepperkorso, an dem noch einmal über 100 Trecker vor dem Bahnhof vorfuhren –  aber ohne Svenja Schulze

Drei Trecker stehen seit Beginn des Protestes vor dem Bahnhof an der Bushaltestelle, drumherum Aufsteller und Plakate mit den Forderungen der Landwirte. Vor einem Café nebenan haben es sich die Protestierenden gemütlich gemacht. Tische und Stühle unter einem Pavillon, es gibt Decken und Getränke, für die Hartgesottenen ein Feldbett. 

Enttäuschung bei den Landwirten

Seit dem 28. Mai harren die Bauern hier aus, die Mahnwache schloss sich an die große Demonstration durch die Innenstadt an. Am Anfang stand die Forderung: „Wir bleiben hier, bis Frau Schulze kommt.“ Die Ministerin kam nicht. Die Landwirte sind enttäuscht: „Das ist nicht die Dialogbereitschaft, die man von einer Ministerin erwartet“, sagt Bert Wülfing . Der Landwirt aus Rhede (Kreis Borken) hält am Donnerstag mit einigen Kollegen die Stellung, bis die Mahnwache gegen 20 Uhr mit einem Treckerkorso aufgelöst wird. 

Kommentar: Verständlicher Unmut

Ein konstruktiver Dialog mit Landwirten ist mir sehr wichtig: Das schrieb Bundesumweltministerin Svenja Schulze letzte Woche auf Twitter, dazu ein Bild von einem Treffen mit Vertretern des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands – in Münster. Es fällt schwer, diese Aussage ernst zu nehmen. Ihr Ministerium ist in den vergangenen drei Wochen nicht einen Schritt auf die hier protestierenden Landwirte zugegangen. Die ja genau das fordern: den konstruktiven Dialog.

Dass eine Bundesministerin nicht persönlich mit jedem sprechen kann und muss, der das fordert – geschenkt. Aber einer drei Wochen dauernden Mahnwache wortwörtlich vor ihrer Tür, mit mehr als 300 Teilnehmern aus ganz Deutschland überhaupt keine Aufmerksamkeit zu schenken, ist auch eine Antwort. Eine, die verständlicherweise für Unmut sorgt. Es ist eine emotionale Debatte: Die Forderung von Schulzes Besuch ist genauso plakativ wie die ihres Rücktritts. Eine Geste der Gesprächsbereitschaft hätte aber drin sein müssen.

 (von Renée Trippler)

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Mit dabei sind Michael Gottschalk aus Rheinland-Pfalz und Reinhold Mall aus Bayern. Um die 300 Bauern haben sich an der Mahnwache vor dem Bahnhof – vor der Geschäftsstelle der SPD – beteiligt, weitere haben sie mit Spenden unterstützt.

Schulze habe sich durch die Forderung ihres Rücktrittes angegriffen gefühlt, vermuten die Landwirte. „Aber mit ihrem Programm fordert sie quasi unseren Rücktritt. Wir wollen auch etwas für Gewässer- und Insektenschutz tun, aber es kann nicht sein, dass es nur auf unsere Kosten geht.“ Man müsse einen Kompromiss zwischen konventioneller und ökologischer Landwirtschaft finden, beides hätte Vor- und Nachteile. 
Wäre es zu dem gewünschten Gespräch gekommen, „hätten wir kritisiert, aber auch Kooperation angeboten“, so Wülfing.

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Am Donnerstagabend holte ein Korso von über 100 Traktoren die protestierenden Landwirte vor dem Hauptbahnhof ab. Foto: Klaus Baumeister

Das ist nicht die Dialogbereitschaft, die man von einer Ministerin erwartet.

Bert Wülfing, Landwirt aus Rhede

An Umweltschutzmaßnahmen müssten die Betroffenen beteiligt werden, sonst gebe es bald keine regionale Landwirtschaft mehr. „Wir wollen dabei sein, damit man eine Perspektive für den eigenen Betrieb hat“, sagt Junglandwirt Elias Ganteforth (20) aus Borken.

Eine Sprecherin des Bundesumweltministerium teilte auf Anfrage mit, die Ministerin habe mehrfach den Dialog mit der Landwirtschaft gesucht. Vertreter von „Land schafft Verbindung“ seien etwa zum Runden Tisch Insektenschutz eingeladen worden, so auch beim nächsten Termin am 24. Juni.

Landwirte protestieren in Münster

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  • Mit Trecker-Konvois protestieren Landwirte am Donnerstag gegen Bundesumweltministerin Svenja Schulze - hier gegen 11 Uhr vor dem SPD-Büro in Münster.

    Foto: Martin Kalitschke
  • Auf dem Schlossplatz haben sich bereits einige Traktoren eingefunden. Ab 12 Uhr findet hier die Kundgebung statt.

    Foto: Oliver Werner
  • Hunderte Landwirte beteiligen sich an dem Protest.

    Foto: Oliver Werner
  • Auf zahlreichen Straßen im Stadtgebiet kommt es zu Verkehrsbehinderungen.

    Foto: Oliver Werner
  • Die Trecker-Konvois kommen vor allem aus den Kreisen Steinfurt, Warendorf und Borken nach Münster.

    Foto: Oliver Werner
  • In langen Schlangen bewegen sich die Traktoren in Richtung Schlossplatz.

    Foto: Oliver Werner
  • Landwirte haben von der SPD Zentrale Kerzen angezündet. Sie fordern von der Bundesumweltministerin ein persönliches Treffen. Das habe es bislang nicht gegeben. Sie habe auf mehrere Kontaktaufnahme-Versuche nicht reagiert. Die Landwirte wollen in den kommenden Tagen so lange vor der SPD eine Mahnwache abhalten, bis sich die Ministerin mit ihnen trifft.

    Foto: Martin Kalitschke
  • Foto: Martin Kalitschke
  • Für die Busse gibt es kein Weiterkommen mehr vor dem Hauptbahnhof.

    Foto: Martin Kalitschke
  • Am Stadtgraben kommt es zum Rückstau, die Polizei leitet den Verkehr um.

    Foto: Martin Kalitschke
  • Foto: Oliver Werner
  • Landwirte haben von der SPD Zentrale Kerzen angezündet. Sie fordern von der Bundesumweltministerin ein persönliches Treffen. Das habe es bislang nicht gegeben. Sie habe auf mehrere Kontaktaufnahme-Versuche nicht reagiert.

    Foto: Oliver Werner
  • Foto: Oliver Werner
  • Foto: Oliver Werner
  • Landwirte haben von der SPD Zentrale Kerzen angezündet. Sie fordern von der Bundesumweltministerin ein persönliches Treffen. Das habe es bislang nicht gegeben. Sie habe auf mehrere Kontaktaufnahme-Versuche nicht reagiert.

    Foto: Oliver Werner
  • Auch vor dem Landgericht staut sich der Verkehr.

    Foto: Martin Kalitschke
  • Foto: Martin Kalitschke
  • Foto: Martin Kalitschke
  • Auf dem Schlossplatz haben sich hunderte Landwirte mit ihren Traktoren versammelt.

    Foto: Martin Kalitschke
  • Foto: Kay Böckling
  • Foto: Martin Kalitschke
  • Die Landwirte senden mit ihren Plakaten klare Botschaften.

    Foto: Martin Kalitschke
  • Foto: Martin Kalitschke
  • Auch von Telgte aus machten sich zahlreiche Landwirte auf den Weg nach Münster.

    Foto: Daniela Allendorf
  • Foto: Daniela Allendorf
  • Foto: Daniela Allendorf
  • Foto: Daniela Allendorf
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