Unternehmen ziehen Zwischenbilanz
Ausbildungsoffensive trotz Corona

Münster -

Trotz aller Schwierigkeiten zeigt die Corona-Krise bei der Ausbildung in krisengeschüttelten Branchen auch positive Effekte. Dank neuer Ausbildungsmethoden schlossen einige Azubis bei der Sommerprüfung vor der IHK sogar besser ab als gewohnt.

Donnerstag, 09.07.2020, 20:00 Uhr
Wie läuft Ausbildung in Corona-Zeiten? Es diskutieren (v.l.)
Wie läuft Ausbildung in Corona-Zeiten? Es diskutieren (v.l.) Foto: Oliver Werner

Zu den Branchen, die besonders stark unter den Auswirkungen der Corona-Krise leiden, gehören der Textileinzelhandel, das Hotel- und Gaststättengewerbe, die Reisebranche, und der Automobilhandel. Dass die besonderen Herausforderungen in diesem monatelangen Ausnahmezustand aber auch positive Effekte haben können, demonstrieren einige Unternehmen und ihre Auszubildenden exemplarisch in einer Diskussionsrunde am Donnerstag im Hotel Mauritzhof.

Ein interessantes Fazit: Viele Azubis haben während des Krisenmanagements in vielen Arbeitsfeldern schon erheblich eher als üblich Verantwortung übernommen. Und: „Unsere Azubis haben in dieser Sommerprüfung vor der IHK noch besser als sonst abgeschlossen“, lobt Constance Schrader , Geschäftsführerin des Mauritzhofs.

Quantensprung der Auszubildenden

Von einer Übernahmequote von rund 50 Prozent in diesem Jahr beim Automobilhändler Beresa spricht Ausbildungs-Teamleiterin Jana Hagel. Es sei „eine strategische Entscheidung, auch weiterhin auf den eigenen, gut ausgebildeten Nachwuchs zu setzen“, unterstreicht Geschäftsführer Thomas Ulms . Wenngleich derzeit das größte Problem sei, passende Auszubildende zu erhalten. „Die eingehenden Bewerbungen sind deutlich zurückgegangen“, stellt auch Michael Wiemann vom Modehaus Schnitzler fest. Deshalb würden hier zum neuen Ausbildungsjahr statt der sonst üblichen fünf nur drei Azubis starten.

Umso mehr freut man sich in den Unternehmensführungen über den Quantensprung, den die derzeitigen Auszubildenden vollbracht haben. „Manche sind in Lichtgeschwindigkeit erwachsen geworden“, bringt es Matthias Lückertz vom gleichnamigen Reisebüro auf den Punkt. Maike Loose (erstes Lehrjahr) erzählt unter anderem von Gesprächspsychologie bei anspruchsvollen Kunden-Beratungen. „Wir hatten die Chance, sehr viel in sehr kurzer Zeit zu lernen.“ Und manche, sagt Beresa-Chef Thomas Ulms, „sind über sich hinausgewachsen“.

Intensivkurse zur Prüfungsvorbereitung

Während ein Großteil der Belegschaft Kurzarbeit leistete, lieferten viele Azubis vollen Einsatz. Auch bei Schnitzler, wo Jorma Hoppe (1. Lehrjahr) „gute Erfahrungen mit dem Geschäft im Online-Shop, mit Video-Konferenzen und Projektarbeiten“ gemacht hat, wie er erzählt.

Wegen des ausgefallenen Berufsschulunterrichts organisierten die Ausbilder im Mauritzhof kurzerhand ganztägige Intensivkurse zur Prüfungsvorbereitung. Ein Instrument, so Constance Schrader, „das wir auch künftig einsetzen wollen“. In einem Punkt sind sich zudem alle in der Diskussionsrunde einig: „Es zahlt sich aus, Auszubildenden schon früher Verantwortung zu übertragen – auch auf die Gefahr hin, dass hier und da mal Fehler passieren.“

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