Vorschläge der SPD
Autoarm statt autofrei und Busverkehr für einen Euro am Tag

Münster -

Sechs Wochen vor der Kommunalwahl hat die SPD ihre Pläne zur Verkehrspolitik in der Innenstadt vorgestellt. Eine klare Abgrenzung zu den Grünen konnte dabei nicht ausbleiben.

Dienstag, 04.08.2020, 18:50 Uhr
Je nach Wochentag und Tageszeit kann sich die SPD in Münster gestaffelte Preise in den Innenstadtparkhäusern vorstellen, überdies auch Sondertarife für Anwohner in den Abendstunden.
Je nach Wochentag und Tageszeit kann sich die SPD in Münster gestaffelte Preise in den Innenstadtparkhäusern vorstellen, überdies auch Sondertarife für Anwohner in den Abendstunden. Foto: Oliver Werner

Nein zur autofreien Altstadt, ja zur autoarmen Altstadt – frei nach diesem Motto stellte jetzt die münsterische SPD ihr Konzept zur Abwicklung des Verkehrs in der City vor. Anders als die Grünen, so der Oberbürgermeisterkandidat Dr. Michael Jung , setze die SPD auf „Angebote statt Verbote“. Deutlich sprach er sich auch gegen die von den Grünen geplanten Umwandlung öffentlicher Parkhäuser in reine Quartiersparkhäuser aus.

Gleichwohl brachte Jung – gemeinsam mit den SPD-Ratsherrn Mathias Kersting und Ludger Steinmann – speziell beim Thema Parkhäuser neue Vorschläge und Anregungen ins Spiel:

Nachts im Parkhaus parken

Parkhäuser: Bei den großen Parkhäusern in der Innenstadt, etwa Aegidiiparkhaus oder Theaterparkhaus, will sich die SPD in der nächsten Legislaturperiode für gestaffelte Preise je nach Nachfrage einsetzen. Das heißt, samstags lägen die Gebühren höher als an den anderen Werktagen, im Advent wäre es teurer als im Herbst oder Frühjahr, tagsüber teurer als abends. Dadurch verspreche man sich eine verkehrslenkende Wirkung, heiß es.

Darüber hinaus sollen Anwohner (zu vergleichsweise günstigen Konditionen) die Möglichkeit erhalten, für die Nacht ihr Auto in einem öffentlichen Parkhaus abzustellen. Im Gegenzug dafür plädiert die SPD dafür, verstreut liegende Stellplätze entlang der Innenstadtstraßen oder Mini-Parkplätze in der Altstadt aufzugeben. So verringere man den Parksuchverkehr, könne aber zugleich einen Kahlschlag wie bei den Grünen verhindern.

Kommentar: Kreative Preispolitik

Von Klaus Baumeister

Warum soll man ein Verkehrsproblem nicht mit marktwirtschaftlichen Methoden lösen? Warum gibt es starre Parkgebühren, obwohl die Nachfrage am Samstagmittag viel höher als etwa am Dienstagnachmittag? Warum also nicht mit einer kreativen Preispolitik Einfluss nehmen auf die Verhaltensweise der Autofahrer? Die Anregung der münsterischen SPD verdient es auf jeden Fall, näher analysiert und bewertet zu werden.

Bekannt ist, dass – abgesehen von einigen Spitzenzeiten – die City-Parkhäuser Platz genug haben, um auch beispielsweise Anwohnern ein (günstiges) Parkangebot machen zu können. Dazu bedarf es nicht eines – ideologisch motivierten – Vorschlags der Grünen, die Parkhäuser für eine öffentliche Nutzung komplett zu sperren und die Altstadt abzuriegeln. Vielleicht kann sich Münsters oberster Parkhauschef Peter Todeskino, nebenbei auch Oberbürgermeister-Kandidaten der Grünen, näher mit dieser Idee seines SPD-Konkurrenten Dr. Michael Jung beschäftigen. Im Wettrennen der beiden Lewe-Herausforderer jedenfalls heißt es 1:0 für Jung.

...

Für 30 Euro einen Monat Busfahren

Busverkehr: Eine Verringerung des Autoverkehrs in der Altstadt ist für die SPD nur denkbar, „wenn wir gleichzeitig die Attraktivität des Busverkehrs steigern“, so Jung. Seine Faustformel lautet: Eine spontane Einzelfahrt dürfe nicht mehr als einen Euro kosten, ein Abo dürfe nicht teurer einen Euro am Tag oder 30 Euro im Monat sein. Um das Ziel zu erreichen, müssten zwingend die neuen, großen Metrobusse kommen, die über größere Kapazitäten verfügen als normale Busse. Die SPD ist bereit, diese Busse auf separaten Fahrspuren fahren zu lassen, womit Fahrspuren für Autos wegfalle würden. Die SPD fordert auch neue Busspuren. So sollen alle Busse auf eigener Busspur auf der stark frequentierten Trasse vom Hauptbahnhof zum Landeshaus fahren können.

Park-and-Ride: An allen großen Ausfallstraßen soll jeweils am Stadtrand ein großes Park-and-Ride-Parkhaus gebaut werden, um Einpendler und Münster-Besucher zum Umstieg auf den ÖPNV zu bewegen. Die Parkhäuser will die SPD mit einer Metrobus-Linie verknüpfen.

Diese Oberbürgermeister-Kandidaten treten in Münster an

1/9
  • CDU: Markus Lewe

    Steckbrief: Markus Lewe, 55 Jahre alt, Oberbürgermeister der Stadt Münster seit 2009, verheiratet, fünf Kinder, CDU-Mitglied.

    Politisches Lebensmotto: „Es ist besser, in der Hoffnung als in der Angst zu leben.“

    Foto: diverse
  • SPD: Michael Jung

    Steckbrief: Dr. Michael Jung, 44 Jahre alt, ledig, keine Kinder, Lehrer am Annette-Gymnasium, Mitglied der SPD.

    Politisches Motto: „Endlich ein Oberbürgermeister, der Wohnen bezahlbar, die Stadt klimaneutral, die Schulen digital und den Wirtschaftsstandort sicher macht.“

    Foto: diverse
  • Grüne: Peter Todeskino

    Steckbrief: Peter Todeskino, 61 Jahre alt, Geschäftsführer der Westfälischen Bauindustrie GmbH, Bürgermeister und Stadtrat für Stadtentwicklung und Umwelt a.D., verheiratet, zwei Kinder, Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen.

    Politisches Lebensmotto: „Gradlinig, konsequent, umsetzungsorientiert: Machen!“

    Foto: diverse
  • FDP: Jörg Berens

    Steckbrief: Jörg Berens, 40 Jahre alt, Social-Media-Manager, verheiratet, zwei Kinder, Mitglied der FDP.

    Politisches Lebensmotto: „Eine gute Idee ist jede Mühe wert.“

    Foto: diverse
  • Linke: Ulrich Thoden

    Steckbrief: Ulrich Thoden, 47 Jahre alt, Lehrer am Berufskolleg, verheiratet, keine Kinder, Mitglied der Partei Die Linke.

    Politisches Lebensmotto: »Alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.« (Karl Marx)

    Foto: diverse
  • Piraten: Sebastian Kroos

    Steckbrief: Sebastian Kroos, 45 Jahre alt, alleinerziehend, ein Kind, Fachinformatiker, Controller beim Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, Niederlassung Münster

    Politisches Lebensmotto: „Möglichkeiten sollten genutzt werden.“

    Foto: diverse
  • ÖDP: Michael Krapp

    Steckbrief: Michael Krapp, 48 Jahre alt, Geschäftsführer eines Finanzberatungsunternehmens für nachhaltige Geldanlage, verheiratet, zwei Kinder, Mitglied der ÖDP.

    Politisches Lebensmotto: „Offen sein für Neues, gut zuhören, Positionen klar formulieren und mutig umsetzen.“

    Foto: diverse
  • Die Partei: Roland Scholle

    Steckbrief: Roland Scholle, 41 Jahre alt, staatlich geprüfter Sozialhelfer, ledig, keine Kinder, Mitglied der Partei „Die Partei“.

    Politisches Lebensmotto: „Die AfD ist wie ein Steak, das keiner haben möchte. Zu braun und zu durch! Wählt ,Die Partei‘, sie hat immer Recht.“

    Foto: diverse
  • Münster-Liste: Georgios Tsakalidis

    Steckbrief: Georgios Tsakalidis, 53 Jahre alt, Integrations-Berater, ledig, zwei in Athen lebende Kinder, überparteilich („war nie in einer Partei“).

    Politisches Lebensmotto: „Politik ist für mich die Kunst, das Unmögliche möglich zu machen und Farbe sowie Interkulturalität reinzubringen, damit die bunte demokratische Vielfalt überall Normalität wird.“

    Foto: diverse
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