Wenn die App warnt
„Im Zweifelsfall den Arzt anrufen“

Münster -

Kann man sich eigentlich einfach so testen lassen, wenn die Corona-Warn-App anschlägt? Nicht ohne vorherigen Kontakt mit einem Arzt . . .

Donnerstag, 06.08.2020, 07:00 Uhr aktualisiert: 06.08.2020, 07:27 Uhr
Die Corona Warn-App warnt bei Risiko-Begegnungen.
Die Corona Warn-App warnt bei Risiko-Begegnungen. Foto: dpa

„Erhöhtes Risiko“ meldet die Corona-Warn-App auf dem Smartphone, wenn sich eine infizierte Person in der Nähe aufgehalten hat. Mehrere Münsteraner berichteten der Redaktion bereits von einem solchen Warnhinweis – und von ihrer anschließenden Ratlosigkeit. Was tun?

„Den Kontakt zum Arzt aufnehmen“, sagt Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer . „Nur so lässt sich das klären.“ Am Telefon werde das weitere Vorgehen und tatsächliche Risiko beraten. Hält der Arzt einen Test für notwendig, werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen. Wer den Test selbst in Auftrag gibt, trägt die Kosten allein – nach Angaben der DAK zwischen 120 und 190 Euro.

Pauschale Tests „nicht realisierbar“

Grundsätzlich sollte nur dann getestet werden, wenn es eine echte Notwendigkeit dazu gebe, betont Heuer. Pauschale Tests seien „in der Masse nicht realisierbar“ – auch im Testzentrum an der Halle Münsterland, das zu Beginn der Pandemie in Betrieb genommen worden war, wurde nur nach Vorlage einer ärztlichen Überweisung getestet. Derzeit werde überlegt, noch mehr Personen mit besonderem Risiko, vor allem Pflegekräften, regelmäßige Tests anzubieten.

Die städtische Corona-Hotline (0251/4921077, E-Mail: corona@stadt-muenster.de) ist montags bis donnerstags von 8 bis 18 Uhr, freitags bis 13.30 Uhr erreichbar.

So funktioniert die Corona-Warn-App

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  • Für den Weg aus der Corona-Krise in die Normalität hoffen viele Menschen auch auf die seit Monaten angekündigte Corona-Warn-App. Sie soll dabei helfen, die Infektionsketten frühzeitig zu erkennen und zu durchbrechen. Am Abend des 15. Junis dürfte sie in den Stores von Google und Apple zum Herunterladen bereitstehen, am 16. Juni wollen Politik und Entwicklerfirmen das Produkt vorstellen. Wie die Corona-Warn-App funktioniert und was sie leisten kann - ein Überblick:

    Foto: dpa
  • Was kann die App leisten?

    Die App kann dazu beitragen, dass Menschen nachträglich darüber informiert werden, wenn sie sich in der Nähe infizierter Personen aufgehalten haben. Diese sind schon Tage vor dem Auftreten erster Symptome ansteckend. Daher gilt: Je früher eine Person über ein Infektionsrisiko Bescheid weiß, desto schneller kann sie selbst Schutzmaßnahmen ergreifen und sich testen lassen oder sich in eine Quarantäne begeben, um andere vor einer Ansteckung zu bewahren. Die App soll außerdem dazu beitragen, dass Betroffene schneller ihr Testergebnis erhalten und Kontaktpersonen benachrichtigen. 

    Foto: dpa
  • Wie funktioniert das?

    Mit der App verwandelt sich ein Smartphone in einen kleinen „Bluetooth-Leuchtturm“, der im Abstand von zweieinhalb bis fünf Minuten eine Serie von Identifikationsnummern in die nähere Umgebung funkt. Gleichzeitig lauscht das Telefon, ob es Bluetooth-Signale von anderen empfangen kann. Halten sich Nutzer, die beide die App laufen haben, nebeneinander auf, tauschen die Smartphones ihre IDs aus.

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  • Wie erfährt man, dass man sich in der Nähe eines Infizierten aufgehalten hat?

    Wer positiv auf Covid-19 getestet wurde, trägt diesen Status selbst in die App ein. Um einen Missbrauch zu verhindern, muss dieser Status offiziell bestätigt werden. Das geschieht zum einen über einen QR-Code, den man vom Testlabor erhält. Alternativ kann man auch eine TAN eingeben, die man von einer Telefon-Hotline bekommt, da nicht alle Labore in der Lage sind, QR-Codes zu generieren. Im Infektionsfall erhalten die betroffenen Kontakte einen Hinweis, dass sie sich testen lassen sollen.

    (Das Bild zeigt die Warn-App Immuni, die in Italien im Kampf gegen die Corona-Pandemie genutzt wird.)

    Foto: dpa
  • Welche Daten verwendet der Algorithmus der App, um eine Benachrichtigung auszulösen?

    Die App wertet die Dauer des Kontakts aus und registriert dabei, wie stark das Bluetooth-Signal war. Aus der Signalstärke lässt sich der ungefähre Abstand berechnen. Bei der Alarmierung spielt aber auch der Zeitpunkt des Kontaktes eine Rolle. Bei der Berechnung eines Risikowertes wird nämlich auch die Tatsache berücksichtigt, dass Infizierte unmittelbar vor dem Ausbruch der Krankheitssymptome besonders ansteckend sind.  

    (Das Bild zeigt einen Test der Corona-App unter Laborbedingungen, die an die reale Situationen im Alltag angepasst sind.)

    Foto: dpa
  • Auf welchen Smartphones kann die App in­stalliert werden?

    Beim iPhone ist das aktuelle iOS 13.5 Mindestvoraussetzung. Das gibt es für Geräte ab dem iPhone 6s oder dem iPhone SE. Ein altes iPhone 5, 5S oder 6 reicht nicht aus. Bei ­Android-Handys ist die Lage etwas unübersichtlicher. Hier sind Android 6 und die Unterstützung von Bluetooth LE Mindestvoraussetzung. Zum anderen müssen aber auch die Google Play Services laufen, weil der Konzern die Schnittstellen nicht über Android selbst zu Verfügung stellt, sondern über diese Google-Dienste. Android-Handys ohne ­Google Play Services bleiben zunächst außen vor. Huawei hat allerdings angekündigt, dass die App in absehbarer Zeit auch auf den neuesten Modellen ohne Google Play Services laufen soll, weil die Funktionalität nachgebaut wird.

    (Das Bild zeigt einen Test der Corona-App unter Laborbedingungen, die an die reale Situationen im Alltag angepasst sind.) 

    Foto: dpa
  • Besteht die Gefahr, dass die Corona-Warn-App nicht doch heimlich zur Überwachung der Bevölkerung eingesetzt wird?

    Nein, das ist quasi ausgeschlossen. Der Quell-Code der App kann auf der Plattform GitHub transparent eingesehen werden. Bei etlichen Analysen des Codes wurden keine Hintertüren oder andere Anomalien entdeckt. 

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Wie viele Menschen müssen die App nutzen, damit der gewünschte Effekt eintritt?

    Eine Studie aus Oxford sagt, dass der volle Effekt erst dann erreicht wird, wenn sich 60 Prozent der Bevölkerung oder mehr beteiligen. Die Forscher aus Oxford sagen aber auch: „Selbst bei einem geringeren Anteil gehen wir davon aus, dass die Zahl der Infektionen und Todesfälle sinkt.“ Die ideale Quote von 60 Prozent wird in Deutschland vermutlich nicht innerhalb eines kurzen Zeitraums zu erreichen sein. Selbst eine populäre App wie WhatsApp hat Jahre gebraucht, um so hohe Installationszahlen zu erreichen.   

    (Das Bild zeigt einen Test der Corona-App unter Laborbedingungen, die an die reale Situationen im Alltag angepasst sind.) 

    Die App ist jetzt im App Store und im Google Play Store verfügbar. http://corona-warn-app.de

    Foto: dpa
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