Werner Pierchalla im Alter von 98 Jahren verstorben
Abschied von einem großen Oberbürgermeister

Münster -

Münsters ehemaliger Oberbürgermeister Dr. Werner Pierchalla ist tot. Zwölf Jahre lang war er der erste Bürger der Stadt – und hält damit gemeinsam mit Dr. Busso Peus bis heute einen Rekord.

Freitag, 14.08.2020, 22:00 Uhr aktualisiert: 16.08.2020, 15:21 Uhr
Dr. Werner Pierchalla verstarb mit 98 Jahren.
Dr. Werner Pierchalla verstarb mit 98 Jahren. Foto: Matthias Ahlke

Münsters früherer Oberbürgermeister Dr. Werner Pierchalla ist tot. Er verstarb am Mittwoch im Alter von 98 Jahren.

Pierchalla war eine der prägenden politischen Persönlichkeiten der Nachkriegszeit in Münster. Der 1922 in Schlesien geborene CDU-Politiker gehörte von 1961 bis 1984 dem Rat der Stadt Münster an, von 1972 bis 1984 bekleidete er das Amt des Oberbürgermeisters. In diese Zeit fiel die Gebietsreform, bei der der Stadt Münster zahlreiche ehemals selbstständige Umlandgemeinden zugeschlagen wurden – ein sehr sensibler Vorgang, den Pierchalla federführend zu managen hatte. In einem Interview sagte er einmal: „Das war ein enormes Pensum an Gesprächen, Verhandlungen und Verträgen. Ich bin ein bisschen stolz darauf, dass das ohne große Pannen über die Bühne gegangen ist.“

65 Jahre lang verheiratet

Nach Auskunft seines Sohnes Michael Pierchalla erfreute sich der Verstorbene bis kurz vor seinem Tod noch einer erstaunlich guten Gesundheit. Dann aber zog er sich bei einem Sturz einen Oberschenkelhalsbruch zu, von dem er sich nicht mehr erholte.

Noch vor wenigen Monaten feierte Werner Pierchalla mit seiner Frau Ursula das Fest der eisernen Hochzeit. Sie waren 65 Jahre verheiratet. Der Verstorbene hinterlässt fünf Kinder, 13 Enkelkinder und acht Urenkel.

Pierchalla hat in seiner aktiven Zeit zahlreiche Politiker maßgeblich geprägt, so seinen Nachfolger im Oberbürgermeisteramt, Dr. Jörg Twenhöven, ferner den langjährigen Bundestagsabgeordneten Ruprecht Polenz und den sächsischen Ministerpräsidenten Georg Milbradt. Sie alle lernten sich über die gemeinsame Arbeit im Rat der Stadt Münster kennen. Über Jahre hinweg war es eine Tradition, dass diese Christdemokraten ihren Mentor am Neujahrstag besuchten, dem Geburtstag von Werner Pierchalla. Der 98. Geburtstag vor gut sieben Monaten machte da keine Ausnahme.

Zwölf Jahre Amtszeit

Mit zwölf Jahren Amtszeit hält der Verstorbene bislang gemeinsam mit Dr. Busso Peus (1952 bis 1964) den Rekord bei der Amtszeit der Nachkriegs-Oberbürgermeister. Sollte der amtierende Oberbürgermeister Markus Lewe wiedergewählt werden, könnte er Pierchalla demnächst als Rekordhalter ablösen.

Vielen Münsteranern ist Werner Pierchalla, der in Rumphorst wohnte, nicht zuletzt wegen seiner großen rhetorischen Fähigkeiten in Erinnerung geblieben. Ru­precht Polenz sagte gegenüber unserer Zeitung: „Er war in der Stadt beliebt und im besten Sinn populär. Ungezählte Anekdoten zeugen von seinem Humor, mit dem er manche erhitzte Diskussion besänftigen konnte.“

Ich würde nicht noch einmal Oberbürgermeister werden.

Dr. Werner Pierchalla nach seinem Abschied aus der Politik

Zugleich legte der Verstorbene aber auch eine manchmal entwaffnende Ehrlichkeit an den Tag. So gestand er nach seinem Abschied von der Politik: „Ich würde nicht noch einmal Oberbürgermeister werden.“ Der Einfluss eines Politikers sei weitaus geringer als vermutet. Und in vielen Momenten dürfe man nicht das sagen, was man denke.

Als Pensionär schrieb Pierchalla umfangreiche Memoiren und vermachte sie dem Stadtarchiv – mit der Auflage, sie erst 20 Jahre nach seinem Tod zu veröffentlichen.

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