Stichwahl in Münster
Ein Sieger, kein Verlierer: Protokoll eines spannenden Wahlabends

Münster -

Der Wahlabend war nur kurz aber hatte es an Spannung in sich. Es kam zum erwarteten Kopf-an-Kopf-Rennen. Weshalb sich das Ergebnis für den unterlegenen Peter Todeskino am Ende nicht wie eine Niederlage anfühlte.

Montag, 28.09.2020, 08:00 Uhr aktualisiert: 28.09.2020, 15:30 Uhr
Markus Lewe (l.) wird von seinen Anhängern bei der Wahlparty im Stadtcafé begeistert gefeiert.
Markus Lewe (l.) wird von seinen Anhängern bei der Wahlparty im Stadtcafé begeistert gefeiert. Foto: Matthias Ahlke

Nur zwei Namen standen am Sonntag auf dem Wahlzettel, entsprechend schnell ist ausgezählt. Es steht am Sonntag ein kurzer Wahlabend bevor – aber einer, der es an Spannung und Emotionen in sich hat.

Dass an diesem Abend die CDU-Anhänger als knappe Sieger vom Platz gehen werden, ist kurz nach 18 Uhr gefühlt keineswegs ausgemacht. Auch wenn Landtagsabgeordnete Simone Wendland im Stadtcafé, das die CDU wieder für ihre Wahlparty angemietet hat, Zuversicht verbreitet. Die Nervosität der wenigen, die sich hier so früh eingefunden haben, ist mit Händen zu greifen.

Am Domplatz im Marktcafé, wo die Grünen ihr Hauptquartier aufgeschlagen haben, ist Gerhard Joksch, ehemaliger Dezernent in der Stadtverwaltung und Bürgermeister, „aufgeregt“, wie er unumwunden zugibt.

SPD-Erwartungen

Ein paar Tische weiter sitzen mit Robert von Olberg und Mathias Kersting, der Vorsitzende der SPD Münster und der neue Chef der SPD-Ratsfraktion, bei Rotwein an einem Tisch. Die SPD hat dazu aufgerufen, den grünen Kandidaten Peter Todeskino zu wählen. Ganz gleich wie es ausgehe, die SPD erwarte nun, an der Seite der Grünen Politik in Münster zu gestalten, stellt von Olberg klar.

Auf dem großen Bildschirm erscheinen  im Minutentakt die Ergebnisse der Wahlbezirke : Der schwarze Balken für Markus Lewe ist immer ein bisschen größer als der grüne von Peter Todeskino. Das grüne Lager hofft, aber der Abstand wird nicht kleiner. Im Gegenteil.

Es ist noch nicht 19 Uhr, als sich die Stimmung an den Stehtischen vor dem Stadtcafé allmählich lockert. Stefan Weber, alter und neuer Fraktionsvorsitzender der CDU im Rat, blickt auf den für Markus Lewe beruhigenden Vorsprung von mittlerweile 4000 Stimmen, der jetzt stetig wächst. Gleichwohl, Weber seufzt: „Es ist sehr spannend.“

Die Oberbürgermeister-Stichwahl in Bildern

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  • Gratulation an den Wahlsieger: Peter Todeskino (Grüne, r.) gratuliert Oberbürgermeister Markus Lewe zur Wiederwahl.

    Foto: hpe
  • Ellbogengruß statt Handschlag: Die Gratulation an den Wahlsieger erfolgte coronakonform.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Auszählung der Stimmen bei der Oberbürgermeister-Stichwahl (hier die Wahlbriefumschläge im Schlaungymnasium) war spannend.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Im Rathaus wurden die Zwischenergebnisse auf einer Leinwand verfolgt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Viele Bürger waren gekommen, um das Geschehen vor Ort live zu verfolgen.

    Foto: hpe
  • Auf einer Leinwand wurden die Zwischenergebnisse der Auszählung dargestellt. Und auch wenn der Kandidat der Grünen zwischenzeitig vorne lag,...

    Foto: Matthias Ahlke
  • ... musste Peter Todeskino (r.) am Ende doch Markus Lewe zum Wahlsieg gratulieren. Lewe holte 52,6 Prozent der Stimmen, Todeskino entsprechend 47,4.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Markus Lewe und seine Ehefrau Maria freuen sich über den Wahlsieg.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Lewe: „Ich bin sehr erleichtert und freue mich über das Ergebnis, auch wenn es knapp ist.“

    Foto: hpe
  • Trotz der Niederlage war Todeskino nicht niedergeschlagen: „Ich hätte natürlich gerne gewonnen, aber ich bin nicht enttäuscht. Auf das Ergebnis kann ich stolz sein.“

    Foto: hpe
  • Im Stadtbezirk Münster-Mitte lag Todeskino in zwölf von 13 Wahlbezirken vor Lewe, der wiederum in den Außenbezirken punkten konnte.

    Foto: hpe
  • Robert von Olberg (r.,SPD) zieht am 27.09.2020 in der Bürgerhalle des Rathauses den imaginären Hut vor der Leistung von Wahlverlierer Peter Todeskino.

    Foto: Pjer Biederstädt
  • Die Grünen hatten das Marktcafé gebucht. Mit Spannung wurde das Geschehen hier verfolgt.

    Foto: hpe
  • Als Todeskino aus dem Rathaus auf den Prinzipalmarkt tritt, wird er von einem Pulk jubelnder Anhänger empfangen.

    Foto: hpe
  • Im Marktcafé blickte Todeskino schon nach vorn: „Beim nächsten Mal treten wir mit einer grünen Oberbürgermeister-Kandidatin an, dann schneiden wir noch besser ab.“

    Foto: hpe
  • Gelöste Stimmung herrschte bei der Wahlparty der CDU vor dem Stadtcafé.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Ganz coronakonform war der Freudentaumel im CDU-Lager nicht zu jeder Minute.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Lewe stieß mit seinen Anhängern auf seine nun dritte Amtszeit an.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Und die könnte durchaus schwierig werden. Denn im Rat, dem CDU-Mann Lewe weiter vorsteht, ist ein Mehrheitsbündnis des linken Lagers durchaus denkbar.

    Foto: Matthias Ahlke

Nervenaufreibendes Rennen

Wie nervenaufreibend das Rennen vor der Stichwahl von manchen münsterischen Christdemokraten empfunden wurde, offenbart sich, als feststeht, dass Lewe sein Amt verteidigt hat. „Ich bin sehr erleichtert“, sagt CDU-Vorsitzender Hendrik Grau. Ratsherr Dietmar Erber war so angespannt, dass seine Frau ihn in den Garten schickte, wie er erzählt. Jetzt fällt ihm „kein Stein, sondern ein Mühlstein vom Herzen“. Ähnlich wie bei Meik Bruns, dem neu gewählten Nienberger Ratsherrn: „Alle waren in der letzten Phase des Wahlkampfs gefühlt gegen uns“, fasst er die Stimmung der vergangenen Tage in Worte.

Das Endergebnis bestätigt: Es war knapp genug – und deswegen steht Peter Todeskino, der grüne Herausforderer, bei seinen Anhängern nicht als Verlierer da . Als er aus dem Rathaus auf den Prinzipalmarkt tritt, steht da ein Pulk jubelnder Anhänger. „Dass er es als in Münster ziemlich Unbekannter geschafft hat, den langjährigen Amtsinhaber ernsthaft in Gefahr zu bringen“, findet Maria Klein-Schmeink, grüne Bundestagsabgeordnete, „sehr respektabel“. Peter Todeskino denkt schon weiter, als er wenig später im Marktcafé auf einen Stuhl steigt, um allen Helfern im Wahlkampf zu danken: „Beim nächsten Mal treten wir mit einer grünen Oberbürgermeister-Kandidatin an“, sagt er, „dann schneiden wir noch besser ab.“

Draußen vor dem Marktcafé wird schon über die Mehrheitsbildung im Rat geredet. Ob es das vor der Stichwahl sich abzeichnende linke Ratsbündnis geben wird? „Dafür gäbe es nur eine Stimme Mehrheit“, sagt Hery Klas, früherer langjähriger Fraktionschef der Grünen im Rat. Sylvia Rietenberg und Christoph Kattentidt, die dieses Amt jetzt übernehmen, leiten aus dem guten Ergebnis der Ratswahl ein starkes Gewicht für grüne Ziele in der Ratspolitik ab, wie sie betonen.

Ich bin und bleibe Oberbürgermeister für alle Münsteraner.

Markus Lewe

Derweil lässt sich Markus Lewe von der CDU vor dem Stadtcafé feiern und dankt ebenfalls den vielen Helfern. „Ich bin und bleibe Oberbürgermeister für alle Münsteraner“, sagt er – und wünscht Stefan Weber, dem Fraktionsvorsitzenden, „viel Spaß bei der Mehrheitsbildung im Rat.“

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