Feierstunde zum Tag der Heimat
Erinnerung an die Wolga-Deutschen

Münster -

Die „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ wurde 1950 unterzeichnet. Sie ist bis heute „Wertegrundlage“ des Bundes der Vertriebenen. Beim „Tag der Heimat“ wurde jetzt daran erinnert.

Sonntag, 11.10.2020, 18:00 Uhr aktualisiert: 12.10.2020, 16:02 Uhr
Sie trafen sich am Vertriebenen-Gedenkstein (v.r.): Roswitha Möller, Josef Rickfelder und Stefan Leschniok
Sie trafen sich am Vertriebenen-Gedenkstein (v.r.): Roswitha Möller, Josef Rickfelder und Stefan Leschniok Foto: zin

Nach seinem Vortrag erhielt Josef Rickfelder eine Flasche „Danziger Goldwasser“ – „aus meiner Heimat“, wie Roswitha Möller , erste Kreisvorsitzende im Bund der Vertriebenen , lächelnd betonte. Rickfelder, ehemaliger CDU-Landtagsabgeordneter, sprach zum Thema „70 Jahre Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ in der Rüstkammer des Rathauses.

70 Jahre Charta, 30 Jahre Deutsche Einheit

Dieses Jubiläum, so der Redner, falle zusammen mit dem 30. Jahrestag der Deutschen Einheit . Im „Zwei-plus-vier-Vertrag“ sei 1990 der Verzicht auf die ehemals deutschen Gebiete festgelegt worden. Weiter sagte Rickfelder, dass es trotz aller schmerzlichen Erinnerungen an die verlorene Heimat eben auch über 70 Jahre Frieden zu feien gelte. „Die Heimatvertriebenen verzichteten auf Rache und Vergeltung.“ Vielmehr hätten sie sich um den Wiederaufbau verdient gemacht. Ebenfalls wies Rickfelder darauf hin, dass die Vertriebenen in der frühen Bundesrepublik Flüchtlinge gewesen seien. Sie seien „Vorbilder für Integration“.

Auch CDU-Ratsherr Stefan Leschniok betonte in seinem Grußwort, dass die Charta einen bewussten Kontrapunkt gegen das bis dahin verbreitete Revanche-Denken gesetzt habe.

Geschichte der Wolga-Deutschen

Den längsten und emotionalsten Vortrag hielt Dietmar Schulmeister über die immer noch kaum bekannte Geschichte der vertriebenen und entrechteten Wolga-Deutschen. Mit großem Fleiß sei es ihnen gelungen, an der Wolga eine neue Heimat und nach 1918 auch Anerkennung als autonome Volksgruppe zu finden. Im Stalinismus wurden dann die Rechte immer mehr beschnitten, was im Zweiten Weltkrieg im Vorwurf gipfelte, mit der Wehrmacht zu kollaborieren, wofür es keine Beweise gebe.

Es folgte die Auflösung der Wolgarepublik, das Verbot der deutschen Sprache und vielfach die Verbannung nach Sibirien. Etwa zwei Dutzend Besucher hatten sich eingefunden, die die heimatlichen Lieder mit anstimmten. Für die Akkordeon-Begleitung sorgte Alexandra Ridder.

Die Feier endete mit einem Gang zum Vertriebenengedenkstein am Servatiiplatz.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7627200?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F3814581%2F
Nachrichten-Ticker