Bundestagskandidatin
SPD schickt Svenja Schulze ins Rennen

Münster -

Mit 91,7 Prozent der Stimmen hat die münsterische SPD am Samstag die Bundesumweltministerin Svenja Schulze als Kandidatin für die Bundestagswahl im September nominiert. Schulze erklärte, sie wolle das Direktmandat in Münster holen.

Samstag, 13.02.2021, 16:24 Uhr aktualisiert: 13.02.2021, 17:45 Uhr
Im Internet hielt Svenja Schulze ihre Bewerbungsrede. Anschließend standen neun Wahlurnen im Stadtgebiet zur Stimmabgabe bereit.
Im Internet hielt Svenja Schulze ihre Bewerbungsrede. Anschließend standen neun Wahlurnen im Stadtgebiet zur Stimmabgabe bereit. Foto: Klaus Baumeister

Münsters SPD hat am Samstag die amtierende Bundesumweltministerin Svenja Schulze zur Wahlkreiskandidatin für die Bundestagswahl im September nominiert. Sie erhielt 91,7 Prozent der Stimmen. In absoluten Zahlen: Von 145 Mitgliedern stimmten 133 für sie, zehn gegen sie, zwei enthielten sich der Stimme. Schulze hatte keine Gegenkandidaten.

Die Mitgliederversammlung war in zwei Teilen organisiert. Die Vorstellung und die Aussprache fanden digital statt. Die Stimmabgabe indes erfolgte aus rechtlichen Gründen analog. An neun Stellen in der Stadt hatte die SPD-Geschäftsstelle Wahlurnen aufgestellt, wo die Mitglieder drei Stunden lang ihre Stimme abgeben konnten.

Für den anstehenden Wahlkampf formulierte die Kandidatin zwei Ziele: In Münster gehe es darum, das Direktmandat zu gewinnen. Auf Bundesebene müsse das Ziel sein der SPD sein, dass der Spitzenkandidat Olaf Scholz die neue Bundesregierung als Kanzler anführe.

Schulze hob in ihrer Bewerbungsrede hervor, dass gesellschaftliche Solidarität mehr denn je erforderlich sei, um die Corona-Pandemie zu überwinden. „Noch nie wurde deutlich, wie wichtig ein funktionierender und starker Staat ist.“

Auf Anfrage des SPD-Mitgliedes Bibiana Benadio ging Schulze auf das Gesundheitswesen ein. Schulze bezeichnete die Pflege als einen „Teil der Daseinsvorsorge“. Die SPD sei bereit, dafür mehr Geld auszugeben.

Die Sozialdemokratin Claudia Hüttermann wollte wissen, wie die SPD im Bund mehr Druck ausüben könne, um Flüchtlinge aus den griechischen Flüchtlingslagern aufzunehmen. Schulzes Antwort: „Mit der CDU geht das nicht. Deshalb brauchen wir andere Mehrheiten.“

Philipp Wiesmann wollte wissen, ob Schulze eine neuerliche große Koalition ausschließen könne. Schulzes Antwort: „Ich werde gar nichts ausschließen.“

Für den Fall ihres Einzugs in den Deutschen Bundestag versprach Svenja Schulze, sich für das zweite Bahngleis nach Dortmund einzusetzen. Auch wolle sie den Bund in die Pflicht nehmen, die Kommunen bei der Schaffung preiswerten Wohnraums mehr zu unterstützen.

Porträt: Das ist Svenja Schulze

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  • Die gebürtige Düsseldorferin Svenja Schulze (*29. September 1968) lebt seit knapp 20 Jahren in Münster.

    Foto: Karin Völker
  • Seit 2004 gehört sie ununterbrochen dem NRW-Landtag an (Bild von 2005), von 1997 bis 2000 war sie schon einmal Mitglied des Parlaments.

    Foto: Günter Benning
  • 2010 bekam sie einen Posten im ersten Kabinett unter Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Schulze (2. Reihe rechts) wurde Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung.

    Foto: Bernd Thissen (dpa)
  • Auch 2014, im zweiten Kabinett unter Hannelore Kraft, wurde Schulze Wissenschaftsministerin.

    Foto: Federico Gambarini (dpa)
  • Im April 2011 heiratete Svenja Schulze im Lotharinger Kloster in Münster ihren langjährigen Lebensgefährten Andrea Arcais, der 1960 auf Sardinien geboren wurde. Das Paar lebt im Südviertel in Münster.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Sozialdemokratin von der Pike auf: 1988 (Hier bei der Mai-Kundgebung 2011 in Münster) trat Svenja Schulze in die SPD ein.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Ministerin auf Tuchfühlung: Svenja Schulze teilt 2012 in einer Mensa in Münster Essen aus. Mit der Abschaffung der Studiengebühren in Nordrhein-Westfalen brachte Schulze eines der politischen Großprojekte der Landesregierung auf den Weg.

    Foto: Oliver Werner
  • Auf einer Nanokonferenz in Münster informiert sich die Wissenschaftsministerin über den Forschungsstand in diesem Bereich.

    Foto: Oliver Werner
  • Auf einer Pressekonferenz im Landtag in Düsseldorf diskutiert Svenja Schulze mit Ute von Lojewski, Präsidentin der Fachhochschule Münster.

    Foto: Matthias Balk (dpa)
  • Die vielleicht kritischste Situation ihrer politischen Karriere: In der Atomkügelchen-Posse - einem Kommunikationsdebakel um vermeintlich verschwundene Brennelemente-Kugeln im Versuchsreaktor Jülich muss Svenja Schulze als Ministerin dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss Rede und Antwort stehen.

    Foto: Rolf Vennenbernd
  • „Zeit für Martin!“ Im März 2017 jubelt Schulze für Schulz: Bei der SPD-Landesdelegiertenkonferenz wird Martin Schulz auf Platz eins der NRW-Liste für die Bundestagswahl.

    Foto: Oliver Werner
  • Im Mai 2017 macht Svenja Schulze mit ihrem Kollegen Thomas Marquardt in der Halle Münsterland Wahlkampf für die anstehende Landtagswahl. Am Ende reicht es nicht für Rot-Grün. Hannelore Kraft (r.) wird als Ministerpräsidentin abgelöst, Schulze verliert ihren Ministerposten.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Auch auf Bundesebene verliert die SPD. Die Kanzlerkandidatur (hier im September 2017) von Martin Schulz scheitert. Doch während Schulz‘ Stern in der SPD sinkt, steigt Schulze auf: Sie wird Bundesumweltministerin und im Dezember 2017 als Beisitzerin in den Parteivorstand gewählt.

    Foto: Oliver Werner

Gastredner bei dem digitalen Parteitag war der Bundesvorsitzende Norbert Walter-Borjans. Er attestierte Svenja Schulze, ihre Ziele „mit charmanter Hartnäckigkeit“ zu verfolgen. Das habe er in den sieben Jahren gelernt, als er gemeinsam mit Schulze am Düsseldorfer Kabinettstisch gesessen haben. Auch aktuell gehöre Schulze zu den „tragenden Säulen der Regierung in Berlin“. Die SPD habe das Zeug, darüber zu entscheiden, „ob Corona eine Krise von zwei Jahren ist oder zur Krise einer ganzen Generation wird“.

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