Busspur-Demo vor dem Hauptbahnhof
Botschaft ohne Adressat

Münster -

Der Verkehrsclub Deutschland hat am Freitag für eine neue Busspur demonstriert. Die Polizei war mit der Situation vor dem Hauptbahnhof kurzzeitig allerdings ziemlich unzufrieden.

Freitag, 26.02.2021, 17:00 Uhr aktualisiert: 26.02.2021, 18:08 Uhr
Als coronakonforme Menschenkette demonstrierten am Freitagnachmittag 52 Menschen auf der Bahnhofstraße. Die Polizei hatte eigens für die Demonstranten eine der Spuren eine halbe Stunde lang gesperrt.
Als coronakonforme Menschenkette demonstrierten am Freitagnachmittag 52 Menschen auf der Bahnhofstraße. Die Polizei hatte eigens für die Demonstranten eine der Spuren eine halbe Stunde lang gesperrt. Foto: Matthias Ahlke

Hätten die Stadtwerke für die Anreise aller Teilnehmer der „1. Münsteraner Buspur-Demo“ einen eigenen Shuttle-Bus-Service eingerichtet, auf der hintersten Bank des ersten Busses wäre wohl noch ein Platz frei geblieben – der zweite Bus wäre dann schon eine Leerfahrt gewesen. Handgezählte 52 Menschen sind am Freitagmittag der Aufforderung des Verkehrsclubs Deutschland ( VCD ) gefolgt, um für ein besseres Busspur-Netz in Münster zu demonstrieren.

Um 14.26 Uhr betreten die ersten Teilnehmer die Fahrbahn der Bahnhofstraße nördlich des DM-Ladenlokals, denn dort soll, für eine halbe Stunde, eine der beiden Fahrspuren den Demonstranten vorbehalten sein. Auf der zweiten darf der Busverkehr passieren. Und ja, Autos haben das Nachsehen und müssen sich am Freitag eine andere Route durch die Stadt suchen.

Verband will höhere Geschwindigkeit

Der VCD hat netterweise extra einen großen Stapel Handzettel als Erklärung für die Autofahrer gedruckt. Blöd nur, dass die Angesprochenen nicht mal in die Nähe der Demo gelangen und schon weit vorher abdrehen müssen. „In Politik und Verwaltung findet gerade ein Umdenken statt“, sagt Michael Wildt vom VCD. Der Verband wolle jedoch, dass alles noch ein bisschen schneller gehe. Womit wir wieder bei der Fahrbahn wären. Mit einem lauten Tatütata macht sich die Polizei bemerkbar, als die Demonstranten dort zaghaft erste Gehversuche machen. Verabredet nämlich war nicht 14.26 Uhr, sondern 14.30 Uhr. Was die Polizei zu einer ebenso derben wie deutlichen Bewertung verleitet.

Der Verkehrsclub Deutschland hat zu einer Demo aufgerufen.

Der Verkehrsclub Deutschland hat zu einer Demo aufgerufen. Foto: Matthias Ahlke

Doch schließlich stehen alle Teilnehmer, coronakonform durch Abstandsbänder getrennt, auf der Fahrbahn. Nun ja, die vorne hören nicht, was die hinten wollen. Aber wäre nicht die Pandemie, man würde dennoch am liebsten gleich alle 52 in den Arm nehmen, so verlassen stehen die Demonstranten mit ihrer Botschaft da auf der leeren Straße. Immerhin, bei den wenigen Leuten, die das aus den spärlich geöffneten Geschäften lugen, kommt die Botschaft an. Ganz sicher.

Kommentar: So – nur anders

Für etwas demonstrieren, was längst politischer Wille ist? Kann man machen, muss man aber nicht. Blöd nur, wenn dafür haufenweise Staatsdiener Dienst schieben und Hunderte Autofahrer genervt ihre Route ändern müssen. Da kann man nur hoffen, dass sehr bald mehr Busspuren in der Stadt kommen, denn dann gibt es ja nun wirklich keinen Grund mehr zu demonstrieren. Oder?

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7840310?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F3814581%2F
Nachrichten-Ticker