Schüler aus Münster gewinnen in mehreren Kategorien
Forschergeist war nicht zu bremsen

Münster -

Bei den Wettbewerben „Jugend forscht“ und „Schüler experimentieren“ waren erneut Schülerinnen und Schüler aus Münster erfolgreich. Der Veranstalter, die IHK, berichtet, dass Corona deren Forschergeist nicht ausbremsen konnte.

Sonntag, 07.03.2021, 16:04 Uhr aktualisiert: 09.03.2021, 11:57 Uhr
Sophia Paul (v.l.), Tom Becker und Thomas Schwarzte – hier auf einem Foto aus Vor-Corona-Zeiten, haben die Struktur von Spülschaum untersucht.
Sophia Paul (v.l.), Tom Becker und Thomas Schwarzte – hier auf einem Foto aus Vor-Corona-Zeiten, haben die Struktur von Spülschaum untersucht. Foto: pd

Jährlich messen sich die besten Nachwuchswissenschaftler bei „ Jugend forscht “, einem Wettbewerb, der von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen ausgerufen wird. Die Regionalausscheidungen für das Münsterland werden traditionell an zwei Tagen in der Stadthalle Hiltrup ausgetragen. Hunderte experimentierfreudige Schüler präsentieren dort eigentlich ihre Projekte und Exponate, stellen sich den Fragen der Jury, ihrer Eltern und fachkundiger Besucher und schauen sich gemeinsam die wissenschaftlichen Versuche ihrer Mitschüler an. Dieses Jahr fand die Regionalausscheidung erstmals ausschließlich online statt.

Trotz der veränderten und durchaus erschwerten Bedingungen haben sich laut IHK knapp 140 Nachwuchsforscher von 23 Schulen aus dem gesamten Münsterland beteiligt. Der Wettbewerb wurde in zwei Altersklassen ausgetragen: Schüler bis 14 Jahren wurden in der Kategorie „Schüler experimentieren“ gewertet, jene zwischen 15 und 21 in der Kategorie „Jugend forscht“.

„Der Forschergeist der Schülerinnen und Schüler lässt sich auch vom Lockdown nicht ausbremsen“, sagte IHK-Vizepräsidentin Melanie Baum während der digitalen Siegerehrung. Aus Münster haben zehn Schulen sowie die Westfälische-Wilhelms-Universität mit insgesamt 39 Projekten teilgenommen – mit großem Erfolg.

So haben münsterische Schüler in drei Kategorien in der Altersklasse „Jugend forscht“ den ersten Platz erzielt, wobei in einer Kategorie zwei Schüler unterschiedlicher Schulen sich das oberste Treppchen teilen. In der Kategorie Mathematik/Informatik ging der erste Platz an den 17-jährigen Noah Wedlich. Die Aufgabe, die sich der Schüler des Ratsgymnasiums gestellt hat, hört sich dabei eher nach einem Forschungsprojekt von Google oder einem anderen Softwareriesen als von einem Schüler an: Er wollte mittels eines Multi-Kamera-Systems fotografierte Objekte am Computer in 3-D-Modellen rekonstruieren. Die Idee hatte er während eines Projektkurses mit dem Thema „Mechanik des Kletterns“. So habe er laut seines Lehrers zunächst einen Kletterer mit Kameras verfolgt und sein Projekt danach ausgeweitet. Dabei machte er sich besonders Methoden aus dem Mathe-Leistungskurs zunutze.

Den ersten Platz in seiner Kategorie teilt er sich mit Moritz Wörmann (18) vom Freiherr-von-Stein-Gymnasium. Er hatte sich zum Ziel gesetzt, mit Hilfe künstlicher Intelligenz Diabetische Retinopathie – eine Krankheit, bei der an Diabetes Erkrankte erblinden können – frühzeitig zu erkennen. Bei der traditionellen Erkennungsmethode müssen Diabetes-Patienten regelmäßig zum Augenarzt, um die Netzhaut untersuchen zu lassen. Wörmanns Idee ist hingegen, mittels bereits diagnostizierter Bilder der Krankheit einen Algorithmus zu entwickeln, der die Krankheit auf einfachen, selbst gemachten Bilder der Netzhaut eigenständig erkennt.

Den ersten Platz in der Kategorie Physik erzielten Sophia Paul (18), Thomas Schwartze (18) und Tom Becker (18) vom Gymnasium St. Mauritz. Die drei sind bereits im vergangenen Jahr mit einem Versuch angetreten, bei dem sie mittels einer selbst gebauten Apparatur die Oberflächenstruktur von Spülschaum untersucht haben. Diese ist laut der Schule bisher weitestgehend unerforscht. Das Gerät haben die drei in den vergangenen Monaten weiterentwickelt und konnten so tiefergehende Fragen zur Strukturbildung von Seifenschaum beantworten.

Ähnlich lebensnah wie Seifenschaum war das Projekt von Hendrik Garmann (18) und Nils Lammers (17). Die beiden Schüler des Annette-von-Droste-Hülshoff-Gymnasium haben die Gangschaltung eines E-Bikes umgebaut und daraus ihr automatisches Schaltsystem „Leezomatic“ entwickelt. Ihr System soll unter anderem automatisch in dem Moment hoch- oder runterschalten, in dem möglichst wenig Krafteinwirkung benötigt wird. Das soll sowohl Akkus als auch Material schonen und angenehmer für den Fahrradfahrer sein.

Die sieben erstplatzierten Schüler aus Münster in den drei Kategorien haben sich mit ihren Projekten für die Landesausscheidungen qualifiziert, die vom 22. bis 24. März ausgetragen werden.

In der jüngeren Altersklasse „Schüler experimentieren“ konnte sich kein Münsteraner den ersten Platz sichern. Doch in beiden Kategorien gab es weitere spannende Schülerprojekte, die es bis aufs Podium geschafft haben.

So haben Abdul Kareem Alhariri (13) und Noah Ruhkamp (11) vom Freiherr-vom-Stein-Gymnasium fluoreszierende Flüssigkeiten untersucht und sich mit der Frage beschäftigt, was mit Gegenständen passiert, die man in diese Flüssigkeit taucht (2. Preis Chemie).

Mascha Lingnau (13) und Lara Schulze Niehues (13) vom Ratsgymnasium haben einen Fußballschuh entwickelt, dessen Stollen eingefahren werden können, und diesem mit Hilfe eines 3D-Druckers hergestellt (2. Preis Technik). Den dritten Platz in dieser Kategorie belegte Daniel Schulze Wettendorf (13) vom Gymnasium Wolbeck mit einem selbst gebauten und programmierten Lego-Roboter. Dieser kann Gegenstände automatisch aufheben und in Fächer einsortieren.

Einige Schülerinnen widmeten sich der Corona-Pandemie. So haben Natalja Wilmer (18) und Chidubem Laureen Okoro vom Pascal-Gymnasium (17) untersucht, wie wirksam unterschiedliche Mund-Nasen-Schutze und Desinfektionsmittel sind.

Mats Pierzyna (16) und Lukas Meiritz (16) vom Gymnasium Wolbeck haben zudem den Sonderpreis in der Kategorie Umwelttechnik gewonnen. Sie wollen aus Kaffeepulver einen Methanfilter bauen, der dort eingesetzt werden kann, wo viel Methan entsteht, etwa in Kuhställen.

Die IHK Nord Westfalen hat den Regionalwettbewerb „Jugend forscht“ und „Schüler experimentieren“ zum 35. Mal ausgerichtet. Unterstützt wurde sie dabei von BASF Coatings aus Hiltrup.

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