Mit „Synclasticon“ strapaziert James Reineking die Vorstellungskraft zu Übungszwecken
Ein Blatt geschnitten und gefaltet

Münster -

Genau genommen ist das „Synclasticon“ kein Skulptur-„Projekt“. Aber es war bei der Geburtsstunde dabei. Denn 1977, als Klaus Bußmann vom Landesmuseum bei der münsterischen Bevölkerung einen Nachholbedarf hinsichtlich moderner Kunst sah, gab es eine dreiteilige Skulpturenausstellung: moderne Kunst drinnen, moderne Kunst draußen (von Rodin bis Archipenko war alles dabei) sowie Kunst, die von damals neun Künstlern speziell für einen Ort in Münster geschaffen wurde – die „Projekte“.

Für ein Blatt Papier ist die Skulptur reichlich schwer.
Foto: Gerhard H. Kock

Freitag, 26.08.2016, 14:08 Uhr

Neues Spiel, neues Glück: Das „Synclasticon“ von James Reineking musste bereits dreimal den Standort wechseln.
Neues Spiel, neues Glück: Das „Synclasticon“ von James Reineking musste bereits dreimal den Standort wechseln. Foto: Gerhard H. Kock

Das „Synclasticon“ von James Reineking war eine „Draußen“-Skulptur und stand vor 35 Jahren vorm Landesmuseum. Die Stadt kaufte es, und die über drei Tonnen (1,8 plus 1,5) gingen auf „Wanderschaft“: Grundschule Kinderhaus-West, Mot-Kotten Westhoffstraße und seit diesem Frühjahr an der Straße Langebusch.

Reineking (Jahrgang 1937) ließ das Kunstwerk bei Blohm und Voss in Hamburg aus einer rechteckigen Stahlplatte fertigten. Denn das war in den 70er Jahren ein wiederkehrendes The

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Foto: Gerhard H. Kock

ma des US-Künstlers. Aus einer einzigen Platte wurden Formen geschnitten, gebogen und neu arrangiert, so dass aus einer zweidimensionalen Materie ein dreidimensionales Objekt wird – quasi im Handumdrehen. Ihm geht es darum, das menschliche Vorstellungsvermögen herauszufordern. Wer Biegen, Schneiden und Drehen richtig nachvollzieht, kann wieder die Platte sehen. Wer die Teile im Geiste nicht wieder in die Ursprungsform bekommt, kann ja versuchen, das „Synclasticon“ mit einem Blatt Papier nachzubasteln und die richtige Schnitt-Linie zu finden.

Bei einer WN-Umfrage im August 1977 zeigte sich eine ältere Hausfrau durchaus angetan vom „Synclasticon“: „Ich find’s schön, trotz Rost. Vielleicht wär es mit etwas Farbe angestrichen noch schöner.“ Am neuen Standort haben die Kinder die Kunst für sich als Spielplatz entdeckt. Sie trainieren vielleicht nicht ihr Vorstellungsvermögen, aber immerhin ihren Gleichgewichtssinn. Und solange ihre Bilder nur aus Kreide sind . . . Das säubert dann der nächste Regen.

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