Herman de Vries - "Sanctuarium"
Freiheit für Wachstum

Münster. „Freiheit ist der Zweck des Zwanges, wie man eine Rebe bindet, dass sie, statt im Staub zu kriechen, froh sich in die Lüfte windet.“ Friedrich Wilhelm Weber (1813 bis 1894), der westfälische Autor aus Driburg, meinte mit seinem Epos „Dreizehnlinden“ noch allein den Menschen. Die Krone der Schöpfung hat sich allerdings seit geraumer Zeit ganz zwanglos die Freiheit genommen, alles was natürlich ist, an die Kette zu legen – von den Ackerkräutern bis zum Zellkern.

Sanskrit-Schriftzeichen sind über den Gucklöchern angebracht.
Foto: Gerhard H. Kock

Freitag, 02.05.2008, 15:05 Uhr

Herman de Vries - "Sanctuarium" : Freiheit für Wachstum
Hinter den schützenden Mauern darf sich die Natur seit 1997 entfalten wie sie "will". Foto: Gerhard H. Kock

Nirgendwo auf diesem Planeten werden Flora und Fauna in Ruhe gelassen. Mutter Natur würde am liebsten „Freiheit für Wachstum“ schreien. Aber das würde auch nur wieder missverstanden. Rettung naht ausgerechnet aus dem Land der Gewächs-Häuser. Der in Deutschland lebende Niederländer Herman de Vries (1931 in Alkmaar geboren) hat zur „Skulptur ’97“ der Natur ein Heiligtum gebaut: das Sanctuarium , eine Tabuzone für den Homo sapiens.

Anders als der Typ des modernen Kunst-Schöpfers versteht de Vries sein „Gestalten als Wiedergabe einer Wirklichkeit, die immer schon bestanden hat“. Der Botaniker ist an der Natur interessiert, wie sie ist, sich ihm zeigt, und wie er sie erfährt. Er spürt dem Wort des Philosophen Ludwig Wittgenstein nach: „Nicht wie die Welt ist, ist das Mystische, sondern, dass sie ist.“

Durch ovale Löcher in der Mauer darf der Betrachter einen Blick in das "Heiligtum" werfen.
Foto: Gerhard H. Kock

Dieses Mystische ereignet sich seit fast zehn Jahren in dem mit roten Backsteinen 2,65 Meter hoch ummauerten Kreis mit einem Durchmesser von 14 Metern. Hier hat der Mensch mal nichts zu suchen. Er darf aber durch ovale Fenster in jeder der vier Windrichtungen ein Auge auf das Wunder des Wachstums werfen. Mitten in einem geordneten Park mit dressierter Natur hat Herman de Vries einen Schutzraum für eine freie Entwicklung geschaffen. Es gibt natürlich immer noch ein paar schwarze Schafe auf zwei Beinen, die sich respektlos mit Abfall versündigen. Aber auch die Kunst hat Grenzen. Cherubime mit flammendem Schwert vor diesen Garten Eden zu stellen, wäre wohl zu fantastisch gewesen. Ein paar Säuberungsaktionen ab und an müssen reichen.

Herman de Vries beschreibt mit seiner Kunst eine Kehrtwende. Sein niederländischer Kollege Piet Mondrian schrieb 1917/1918: „Das Leben des heutigen Kulturmenschen wendet sich mehr und mehr vom Natürlichen ab; es wird immer mehr abstraktes Leben.“ Seine Konsequenz: „Der wahrhaft moderne Künstler wählt die Abstraktion der Schönheitsempfindung bewusst“, weil Kunst eine „reine Gestaltung des menschlichen Geistes“ sei. Dagegen postuliert Herman de Vries: „Abstraktion hat für mich nur dann einen Wert, wenn diese wieder zurückfällt auf die irdische Wirklichkeit. Mit anderen Worten, wenn sie beiträgt zum Verhältnis mit uns selbst und zu demjenigen, worin wir leben (oder leben können).“

Die wissenschaftlich-technischen Möglichkeiten und Kenntnisse führten in ein kulturelles Niemandsland. Durch die einseitige Verwendung werde eine Kluft aufgerissen zwischen dem Menschen in seiner Gesamtheit und dem Leben. „Diese Kluft überbrücken zu helfen, ist eine der Aufgaben des heutigen Künstlers.“

Über allen Bullaugen des „Sanctuariums“ ist ein rund 2700 Jahre alter Text aus den Upanishaden in Sanskrit angebracht: „Om. Dies ist vollkommen. Das ist vollkommen. Vollkommen kommt von vollkommen. Nimm Vollkommen von vollkommen, es bleibt Vollkommen.“ Das muss man ebenso verstehen, wie folgende Tatsache: Eine Hummel wiegt durchschnittlich 1,2 Gramm und hat eine Flügelfläche von 0,7 Quadratzentimetern. Nach den Gesetzen der Aerodynamik scheint eine Hummel nicht fliegen zu können. Gott sei Dank weiß die Hummel das nicht...

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