Die Installation „Sculpture“ des Künstlerinnen-Duos Peles Empire
Giebel, Gestänge, aber keine Getränke

Münster -

Eines vorweg: Der seltsame Platz mit der Schranke zwischen Aegidiimarkt und Verfassungsgerichtshof gehört zu den merkwürdigen Vakuum-Flecken der Stadt, die niemand so recht braucht. Es sei denn irgendwelche Richter oder Behördenvertreter, die dort parken, um sich bequem zu ihren Bürosesseln in Ämtern und Stuben zu begeben. Auf dem kleinen Platz erhebt sich nun ein weißes Haus mit Treppengiebel. Der erinnert an die nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebauten Häuserfronten des Prinzipalmarkts ebenso wie an den Turm der Bonifatius-Kirche in Schapdetten. Die Giebel des Prinzipalmarkts dürften die Künstlerinnen Barbara Wolff und Katharina Stöver, die das Duo mit dem kryptisch klingenden Namen „Peles Empire“ bilden, kennen. Schapdetten vermutlich nicht.

Mittwoch, 12.07.2017, 17:07 Uhr

Giebel, Stangen, Treppenformen: Das Künstlerduo „Peles Empire“ hat zwischen Aegidii-Markt und Verfassungsgerichtshof ein acht Meter hohes Giebelhaus aufgebaut, dessen Inneres man auch betreten kann.
Giebel, Stangen, Treppenformen: Das Künstlerduo „Peles Empire“ hat zwischen Aegidii-Markt und Verfassungsgerichtshof ein acht Meter hohes Giebelhaus aufgebaut, dessen Inneres man auch betreten kann. Foto: Wilfried Gerharz

Auf der Giebelseite erkennt der Betrachter eine Art kariösen Barock-Brunnen auf einer Terrasse, die Stützen vor dem Einsturz bewahren. Das Motiv stammt, aber das wird der geneigte Kunstinteressent nur durch intensives Katalogstudium bemerken, vom Schloss Peles in Rumänien, von dem sich die Künstlerinnen ihren Künstlernamen liehen.

Die Alu-Platten an den Seiten sind mit Mustern versehen, die an verzerrte Fotokopien oder auch an aufgeschnittene und polierte Mineralien erinnern. Von dort aus ragen vermutlich stabilisierende Streben in Richtung Treppengiebel, wie man sie auch hinter dem Giebel des Historischen Rathauses erkennen kann.

Nun war ja schon in Vorberichten die Rede davon, dass sich im Inneren des Giebelhäuschens eine Bar befinde. Die Enttäuschung jener, die dort nach einer Fahrradtour durch die dumpfe Juli-Hitze einen kühlen Schluck erwarten, dürfte enorm sein. Es sei denn, sie begnügen sich als wahre Kunstfreunde mit dem Anschein einer Bar. Der schlichte Querriegel im Häuschen könnte natürlich eine ganze Batterie an Flaschen und Getränken vertragen, aber das wäre den Künstlerinnen vermutlich zu profan. Also muss der Gast mit der Vorstellung von etwas, das in Wirklichkeit nicht da ist, vorliebnehmen.

Der Blick unter das Treppendach bietet für wenige Sekunden ein paar optische Reize, denn das Licht und die Stufen geben dem Dachstuhl auf der Innenseite eine gewisse Rhythmik. Das ist es aber auch schon.

Wer das Kunstwerk nicht betreten will, weil es ihm darin vielleicht zu stickig ist, der kann es, was sonst bei den Skulptur-Projekten kaum möglich ist, auch mit dem Fahrrad umkreisen und direkt weiterstrampeln.

Die ganz große Erleuchtung will sich bei dieser „Sculpture“ nicht einstellen. Sie scheint in Raumvolumen und greifbarer Gestalt eher in eine der Vorgänger-Ausstellungen zu passen, zumal diesmal – trotz einiger großvolumiger Arbeiten – die etwas kleineren Performances und „Sozial-Skulpturen“ der aktuellen Ausgabe 2017 überwiegen. Zu vordergründig erscheint die Anleihe bei den Giebelhäusern des Prinzipalmarkts, zu weit hergeholt der Verweis auf barocke Formen auf der Giebelseite, zu abstrakt die Bar im Inneren. Nur, wer den grauen Katalog zur Hand hat, erfährt den Hintergrund, dass die Künstlerinnen in Frankfurt eine Art privaten Salon in ihrer Wohnung betrieben, in dem künstlerischer Austausch stattfand. Am Tag, als der Autor dieser Zeilen das Giebelhaus mit dem Rad umkreiste, drängten ein paar emsige Kunstfreunde aus dem östlichen Asien in das Giebel-Häuschen – und schnell wieder heraus. Vielleicht hatten sie mit einem kühlen Drink gerechnet ...

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Die Westfälischen Nachrichten stellen in den nächsten Wochen in einer Serie die einzelnen Skulptur-Projekte in loser Folge vor.  | Wird fortgesetzt

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