Aktiv im Alter
Sprung aus 4000 Metern

MÜNSTER-HILTRUP -

So ein Ruhestand ist ja in den meisten Fällen wohlverdient. Aber dann einfach nichts mehr zu wagen oder Neues auszuprobieren – nein, das ist nicht die Sache von Hans Dietrich. Schmerzen im Meniskus? Egal! Diabetes? Egal? 85 Jahre alt? Egal! Und so springt Hans Dietrich aus Hiltrup aus 4000 Metern Höhe durch die Luft. Und das ist gut so.

Samstag, 28.05.2016, 08:05 Uhr

Synchron durch dichte Wolken sprang der 85-jährige Hans Dietrich: „Das ist, als ob man neu geboren würde.“
Synchron durch dichte Wolken sprang der 85-jährige Hans Dietrich: „Das ist, als ob man neu geboren würde.“ Foto: Tim Michutta

Hans Dietrich hat es wieder getan: Zu seinem 85. Geburtstag gönnte er sich seinen zweiten Tandem-Sprung. Den ersten machte er mit 84. Und das alles trotz seiner Diabetes.

Sekunden vor dem Sprung.

Sekunden vor dem Sprung. Foto: Tim Michutta

Die Fallhöhe: 4000 Meter. Aus einem Flugzeug heraus. Über Sendenhorst . Zunächst über den Wolken. Dort scheint die Sonne. Dann springt Dietrich mit Tandemmaster Detlef Hater vom Fallschirm Sport Club Münster bei starkem Wind mitten in ein dichtes Wolkenfeld hinein. „Das war sehr kalt. Vor Frost brannte mein Gesicht“, berichtet der ehemalige Fremdenlegionär und Bergmann. Seinem Mitspringer ging sogar die Brille kaputt.

Als es Dietrich im Gesicht wärmer wurde, gaben die Wolken den Blick frei auf die Welt unter ihm, Wiesen, Äcker und Häuser im 360-Grad-Blick: „Wir sausten nur noch hinunter. Mit 200 Stundenkilometern.“ In insgesamt 60 Sekunden. „Das sind aber gefühlte 30 Minuten“, sagt Dietrich und es kribbelt überall: „Das ist Adrenalin pur. Das brauche ich. Ein echtes Gefühl von Freiheit“, sagt der 85-Jährige. „Deswegen mache ich es.“ Der Hiltruper ist sogar so cool noch in die Kamera des mit abspringenden Fotografen Tim Michutta zu winken und ihm die Hand zu reichen. Immer dabei: seine dunkelgelben „Glück“-Sportschuhe. Damit lief der Halbwaise aus Niederschlesien rund 100 Marathons, wurde beim TuS Hiltrup zum Kult-Läufer, rannte als Großvater durch die Sahara als ginge es um den Hiltruper See.

Grenzenlos.

Grenzenlos. Foto: Tim Michutta

In seinem Leben hat Dietrich so manche Abenteuer und Gefahren gemeistert. So überstand er zum Beispiel als Kriegsgefangener in Indochina die bakterielle Ruhr.

Was ist sein Erfolgsgeheimnis? „Ich habe mich nie auf früheren Erfolgen ausgeruht, suche immer neue Herausforderungen. Das hält fit. Auch weil ich mein Leben lang Sport mache“, sagt der Hiltruper.

Mit 60 wagte er einen Bungee-Sprung, mit 84 den ersten Tandem-Fallschirmsprung. Geht da nicht irgendwann die Muffe? „Nein, ich habe gar keine Zeit, um Angst zu haben.“

Synchronität ist alles.

Synchronität ist alles. Foto: Tim Michutta

Freie Sicht.

Freie Sicht. Foto: Tim Michutta

Sein erster Fallschirmsprung alleine liegt schon länger zurück. Da war er 19 Jahre alt und bei der französischen Fremdlegion. Stolz zeigt er die Urkunde: „Aus knapp 200 Metern Höhe wurden wir über Indochina abgesetzt.“ Der Schnaps half. Also Flasche ansetzen, die Aufziehleine einhaken und raus aus dem Flieger.

Bei seinen zivilen Tandem-Sprüngen im hohen Alter braucht Hans Dietrich den Schnaps nicht mehr. „Ich springe jetzt jedes Jahr weiter – so lange ich kann.“

Sicher gelandet.

Sicher gelandet. Foto: Tim Michutta

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